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Bubble Tea:Es blubbert wieder

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Der Bubble Tea wurde angeblich versehentlich erfunden, während einer nicht gerade prickelnden Konferenz.

(Foto: imago images/YAY Images)

Der Bubble Tea, das quietschbunte Teenie-Kultgetränk der frühen Zehnerjahre, erlebt eine Renaissance. Wie konnte das passieren?

Von Xenia Miller

Wenn sich in einer Großstadt eine lange Warteschlange vor einem Geschäft bildet, dann ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich an deren Ende ein Bubble-Tea-Shop befindet: Das quietschbunte taiwanesische Teenie-Kultgetränk aus den frühen Zehnerjahren ist zurück. Wer hätte das nach dem Hype und dem folgenden Blitz-Abstieg gedacht?

In Südostasien trinkt man das süße Zeug mit Einlage zu jeder Tageszeit, es ist fester Bestandteil der dortigen Kultur. Zwei Konkurrenten erheben Anspruch auf das Bubble-Tea-Grundrezept: Herr Tu Tsong-he und Frau Lin Hsiu Hui. Tu Tsong-he, ein Teehaus-Besitzer, behauptet, die Idee 1986 auf einem Markt gehabt zu haben, als er dort Tapioka-Perlen entdeckte. Lin Hsiu Hui, eine Teehaus-Angestellte, beteuert, 1988 in einem langweiligen Meeting versehentlich Tapioka-Perlen in einen Tee fallen gelassen zu haben. Wer recht hat, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Die Idee jedenfalls hat es weit gebracht. Heute ist der Kunde im Bubble-Tea-Shop mit vielen Fragen konfrontiert: warm oder kalt? Fruchtig oder cremig? Als sogenanntes Topping lieber aus Maniok hergestellte Tapiokaperlen oder stärkebasierte Kügelchen, die im Tee schwimmen und dann im Mund zerplatzen? Neben Grün- und Schwarztee versetzen Teehäuser auch Säfte, Milch und Kaffee mit Sirup in Geschmacksrichtungen von Erdbeere, Litschi, Pfirsich bis hin zu Kokos, Vanille oder Schoko. Bubble Tea eben.

Berichte über krebserregende Stoffe

Vor gut zehn Jahren schaffte es das Getränk nach Europa, löste einen Hype aus und fand sich im Straßenbild deutscher Innenstädte wieder wie zuvor zum Beispiel Pizza- oder Pommesbuden und danach Donuts- oder Burger-Shops. Fast-Food-Ketten nahmen den Bubble Tea in ihr Sortiment auf. Zugleich fanden Gesundheitsexperten allerlei Gründe, den Tee als gefährlich und ungesund zu deklarieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte 2012 davor, dass Kleinkinder an den Kugeln ersticken könnten. Bislang ist kein solcher Fall bestätigt. Die Stiftung Warentest monierte, der Zuckergehalt sei ähnlich hoch wie bei einer Cola.

Und dann: Krebserregend seien die süßen Kügelchen, befanden deutsche Wissenschaftler der RWTH Aachen, der Studienleiter nannte die Inhaltsstoffe "Dreck". Medien berichteten, es seien bereits Kinder gestorben oder an Lungenentzündung erkrankt. Doch das nordrhein-westfälische Landesamt für Lebensmittelüberwachung, das daraufhin 84 Bubble-Tea-Proben untersuchte, entdeckte "keine Auffälligkeiten", von einer "Verleumdungskampagne" war daraufhin die Rede. Zu spät, die Kundschaft war und blieb verunsichert, Bubble-Tea-Shop-Betreiber gerieten in Schwierigkeiten, so wie Anh Tu Nguyen zum Beispiel, der seinen Laden in der Münchner Fußgängerzone nach zwei Jahren wieder schließen musste. "So schnell wie der Hype kam, ging er damals auch wieder", sagt Nguyen heute, zumindest in Deutschland war das der Fall. Bei einigen Zulieferern hieß es, man wünsche sich die gleiche Diskussion auch mal bei Modegetränken aus Nordamerika. Die fänden sich ja in jedem Supermarktregal.

Bio-Perlen - aber im Plastikbecher

Und jetzt? Ist alles besser denn je. Bei Anh Tu Nguyen glückte die Neueröffnung 2017, im Coronajahr 2021 läuft es für ihn ausgezeichnet. Die europäische Wirtschaftsleistung des taiwanesischen Zulieferers Possmei hat sich im Jahr 2020 gar verdoppelt. Der Trend soll sich fortsetzen: Analysten prognostizieren eine Marktwertsteigerung von 2,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 4,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027.

Wie hat es der Bubble Tea zurückgeschafft in die To-go-Teebecher der zumeist jungen Kundschaft in Deutschland? Das könnte zum Beispiel mit der Internetplattform Tiktok zusammenhängen, wo der Sprudeltee längst wieder als Kultgetränk gepriesen wird. Allein optisch passt das bunte Getränk zur schillernden Ästhetik des sozialen Netzwerks. Überhaupt ist derzeit wieder Asien gefragt: Anime, K-Pop, Manga-Style. Und die Gastronomie-zum-Mitnehmen-Kultur der Corona-Pandemie hat den Bubble-Tea-Shops sicher auch nicht geschadet. Der viele Zucker? Die Zusatzstoffe? Die Studie aus Aachen, die das Getränk für gefährlich erklärt hatte, ist nicht mal mehr im Internet zu finden, die Versuche der Händler, Qualitätskontrollen zu installieren und öffentlich damit zu werben, ziehen als verkaufsförderndes Argument. Und, schau mal an, im Bubble Tea schwimmt jetzt sogar "Bio" drin. Nur die Packung ist so gut wie immer aus Plastik.

© SZ/zip/nas
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