Bubble Tea Blubberwasser mit Nebenwirkungen

Sind die Gelee-Perlen im Bubble Tea gefährlich?Verbraucherschutzministerin Aigner warnt, dass kleinere Kinder sich an den Kugeln verschlucken können. Die Behörden sollten sich jedoch eher um eine andere Eigenschaft des Modegetränks sorgen.

Von Marlene Weiss

In Roald Dahls wunderbarem Roman "Sophiechen und der Riese" kommt ein Getränk namens Blubberwasser vor. Es schmeckt süß, nach Vanille, Sahne und Himbeeren, und es enthält leicht zerplatzende Blasen, die nach unten sinken, statt nach oben zu steigen. Das vermeidet unanständige Rülpser, aber erlaubt dafür herrlich explosive Furzelbäume, wie der Gute Riese Sophiechen erklärt.

Quitschbunt, pappsüß, hochkalorisch: Bubble Tea ist unter Jugendlichen beliebt.

(Foto: dapd)

Vom Bubble Tea, dem seit einiger Zeit unverzichtbaren Accessoire Jugendlicher, ist die im Roman beschriebene Wirkung zwar nicht bekannt, aber sonst passt die Beschreibung gut: süßes Getränk mit Kugeln am Becherboden, die im Mund zerplatzen. Jetzt sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darin ein Gesundheitsrisiko für Kleinkinder. Die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) fordert deshalb Warnhinweise auf den Bechern.

Was das BfR in Aigners Auftrag ermittelte, klingt dramatisch. Insbesondere bei Kindern bis zum Alter von vier Jahren bestehe die Gefahr, dass sie versehentlich Fremdkörper in die Lunge bekommen, teilt das Institut mit. Zudem sei bekannt, dass das in dieser Altersgruppe besonders leicht bei Fremdkörpern in Erdnussgröße passiere - wozu auch die etwa einen Zentimeter breiten Bubbles zählen. Auch das Saugen mit einem Strohhalm hat das BfR untersucht und kommt zu erschreckenden Ergebnissen: Durch den Unterdruck im Rachenraum könne der Kehlkopfdeckel angehoben werden, was die Luftröhre öffne, in die dann die Geleekugeln geraten könnten.

Auf Nachfrage präzisiert das BfR, dass die möglicherweise "irreversible Behinderung der Atemwege" ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstelle. Zudem verweist das Institut auf den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der schon im Frühjahr vor Bubble Tea gewarnt hatte: Verschluckte Bubbles könnten in die Lunge geraten und dort Lungenentzündungen oder sogar einen Lungenkollaps auslösen. Dokumentierte Fälle liegen dem BfR gleichwohl nicht vor, auch gab es in der Charité, dem größten Klinikum in Deutschland, noch keine Kleinkinder, die nach Bubble-Tea-Konsum behandelt werden mussten. Auch aus Asien, wo der Blubbertee seit den Achtzigerjahren populär ist, werden keine Zwischenfälle vermeldet. Meist wird vor allem der hohe Zuckergehalt der Tees bemängelt sowie die enthaltenen Azofarbstoffe, die in dem Verdacht stehen, Aufmerksamkeitsstörungen auszulösen.

Vor dem Straßenverkauf der Kette Boboq in der Münchner Innenstadt, mit 86 Geschäften deutscher Marktführer und in knalligem Grün und Orange eingerichtet, stehen zwei Erwachsene. Kleinkinder sind nicht in Sicht, aber es ist auch schon abends. Die Wahl fällt auf Mango Green Tea mit Passionsfrucht-Popping, was einen komplexen Vorgang auslöst: Der Tee wird in verschiedenen Maschinen gedreht, gewendet und geschüttelt. Ein kleiner Becher soll es sein, wobei auch das eine Sache der Definition ist. Bei Boboq ist das fast ein halber Liter. Ist Bubble Tea jetzt wirklich so gefährlich? Die Verkäuferin lacht höflich-ratlos, und überreicht das orange-gelbe Gebräu.

Es schmeckt nach Gummibärchensaft, mit schwacher Teenote im Abgang, immer wieder flutschen sirupgefüllte Stärkekugeln durch den breiten Strohhalm, die man im Mund zerplatzen lassen kann. Man kann sich gut vorstellen, warum Stiftung Warentest bei einem Schnelltest kürzlich kaum natürliche Fruchtaromen gefunden hat. Die Tester haben in Halbliterbechern Bubble Tea - auch von Boboq - 50 bis 60 Gramm Zucker festgestellt, ähnlich viel wie bei Coca Cola.

Etikettenschwindel bei Lebensmitteln

In der Werbe-Falle