SZ-Kolumne "Bester Dinge":Motzen oder Kotzen - Hauptsache, Brandenburg

SZ-Kolumne "Bester Dinge": Das Ortseingangsschild von Kotzen im Landkreis Havelland. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und soll so viel wie "Ort, wo haarige Pflanzen wachsen" bedeuten.

Das Ortseingangsschild von Kotzen im Landkreis Havelland. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und soll so viel wie "Ort, wo haarige Pflanzen wachsen" bedeuten.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Mit kuriosen Ortsnamen wollte das Land Brandenburg für seine Schönheit werben. Nur leider hat in den Gemeinden niemand was davon mitbekommen.

Von Moritz Geier

Schräge Werbekampagnen können einem schnell mal zum Halse heraushängen, aber in Kotzen ist das nicht der Fall. "Mir ist von einer Kampagne nichts bekannt", hat eine Sprecherin der brandenburgischen Gemeinde gerade der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt. Von Kotzen sind es etwa eineinhalb Autostunden bis ins brandenburgische Waterloo, ein Örtchen, das rein gar nichts mit dieser Geschichte zu tun hat, aber irgendwie vielleicht doch.

Das Land Brandenburg also hatte im September des vergangenen Jahres eine groß angelegte Marketingaktion gestartet, Radiospots, Großplakate, großes Tamtam in den sozialen Medien. Die Ortschaften Kackrow, Knoblauch, Kotzen, Motzen, Pitschen-Pickel, Protzen, Ranzig, Sargleben und Sauen, das die natürlich ganz hervorragende Idee, sollten die schönen Seiten der Mark über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen. Nur in Kotzen wusste man davon offenbar nichts, wie sich jetzt herausstellt. Auch in Motzen hält die Bürgermeisterin trocken fest: "Es gibt hier keine Resonanz zu diesem Thema."

Das ist natürlich schade, denn womöglich hat das Land einfach auf die falschen Orte gesetzt. Siehdichum! Immerhin können Interessierte nach Philadelphia, Afrika, Klein-Asien, Mexiko und Sibirien, ja sogar nach Orion und Morgenland reisen, ohne die Grenzen Brandenburgs zu verlassen. Ohnewitz! Auch Kuhbier und Wassersuppe, Herzsprung und Regenmantel hätten die Fantasie des ein oder anderen womöglich sehr beflügelt.

Hingegen dürften die Bewohner von Busendorf sehr dankbar sein, nicht unnötigerweise in eine Kampagne hineingeraten zu sein, an deren Ende schlimmstenfalls betrunkene Touristenhorden vorm Ortsschild onanieren. Ortsnamen, das wissen die Österreicher aus Fugging (ehemals Fucking) nur zu gut, können sich tatsächlich auch auf die Lebensqualität auswirken.

Von Busendorf sind es übrigens noch mal gut eineinhalb Autostunden bis nach Schabernack. Dort hätten sie bei der Kampagne ganz sicher gerne mitgemacht.

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