Prozess:Zwei Jahre und sechs Monate Haft für Boris Becker

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Prozess: Boris Becker am Freitag vor dem Southwark Crown Court in London.

Boris Becker am Freitag vor dem Southwark Crown Court in London.

(Foto: Frank Augstein/AP)

Ein Gericht in London hatte den ehemaligen Tennisprofi wegen seiner Insolvenzstraftaten in vier von 24 Anklagepunkten für schuldig befunden. Nun muss er ins Gefängnis - und zwar sofort.

Boris Becker muss ins Gefängnis. Der ehemalige Tennisstar ist wegen seiner Insolvenzstraftaten zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, wovon er mindestens die Hälfte absitzen muss. Das hat Richterin Deborah Taylor am Freitagnachmittag in London verkündet. Der frühere Ausnahmesportler hatte Vermögen im Wert von mehr als einer Million Euro in seinem Insolvenzverfahren nicht offengelegt. Er wurde umgehend in Gewahrsam genommen und hat nun 28 Tage Zeit, um gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Die Richterin kritisierte, Becker habe keine Reue gezeigt und versucht, sich von Beratern, die er für seine Probleme verantwortlich machte, zu distanzieren. Er habe seine Pflichten wegen der Insolvenz gekannt. Eine große Summe Geld sei für immer verloren und könne nicht Beckers Gläubigern zugutekommen. "Ich erkenne an, dass das Verfahren demütigend für Sie war. Sie aber haben keine Demut gezeigt", sagte Taylor. Ihr sei bewusst, dass Beckers Karriere und Image endgültig zerstört seien.

Die Richterin verurteilte Becker wegen der unerlaubten und vorsätzlichen Überweisung von mehreren Hunderttausend Euro zu zweieinhalb Jahren Haft. Wegen der anderen drei Schuldsprüche ordnete sie jeweils 18 Monate Haft an. Da die Strafen formal parallel verbüßt werden, ergibt sich die Gesamtdauer von 30 Monaten Haft.

Angesichts des Andrangs war die Sitzung am Morgen in einen größeren Saal verlegt worden. Auch die britische Presse interessierte sich nun für den Fall. Eine Jury am Southwark Crown Court hatte Becker bereits am 8. April in vier von 24 Anklagepunkten für schuldig befunden.

Nachdem er 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden war, musste der frühere Tennisprofi den Insolvenzverwaltern sein Vermögen offenlegen - dabei ließ er aber nach Einschätzung der Jury wichtige Teile aus. Die Laienrichter sahen es vor drei Wochen als erwiesen an, dass der 54-Jährige unter anderem eine Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschleiert und unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwiesen hat.

Beckers Verteidigung hatte um Milde gebeten

Zunächst hatten am Freitag noch einmal die Vertreterin der Anklage sowie Beckers Verteidigung das Wort. Staatsanwältin Rebecca Chalkley nannte keine Strafmaßforderung, machte aber deutlich, dass sie eine Bewährungsstrafe nicht für ausreichend hält. Dass er am Tag nach der gerichtlich angeordneten Insolvenz noch hohe Summen überwiesen hatte, ähnele Geldwäsche.

Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw bat um Milde und sprach sich für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren aus. Bei den Überweisungen habe es sich um Zahlungen an seine Ex-Frau Barbara sowie seine Gattin Lilly und seine Kinder gehandelt, die von ihm abhängig gewesen seien. Laidlaw räumte ein, dass Becker damit das Gesetz gebrochen hatte, es sei aber kein schwerwiegender Fall.

Der dreifache Wimbledon-Sieger hatte zwar während seiner Karriere etwa 25 Millionen US-Dollar an Preisgeld eingesammelt und nach eigenen Schätzungen etwa dieselbe Summe mit Werbung verdient. Dennoch geriet er in finanzielle Probleme. Becker machte dafür vor Gericht unter anderem die teure Scheidung von Ex-Frau Barbara verantwortlich sowie hohe Unterhaltskosten für Tochter Anna Ermakowa.

Vor 20 Jahren war Becker wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden

Becker selbst hatte stets alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sein Verteidiger hatte ihn vor Gericht als naiv, aber unschuldig dargestellt. In 20 Punkten folgte die Jury dieser Argumentation, auch bei der Frage nach verschwundenen Pokalen. Doch der Schuldspruch in vier Punkten reichte aus, um Beckers Leben grundlegend zu verändern. Vor 20 Jahren war er noch mit einem blauen Auge davongekommen, als er in München wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde - damals aber nur zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldstrafe.

Am Freitag war der Ausnahmesportler in Begleitung seiner Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro und seines ältesten Sohns Noah, der eine gepackte Reisetasche trug, ins Gericht gekommen. Die Krawatte des dreifachen Wimbledon-Sieger leuchtete in den Farben des Turniers, grün und lila.

Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, hatte vor der Strafmaßverkündung am Freitag seine Loyalität mit Becker verkündet. Dieser habe für das deutsche Tennis "unstreitig herausragende Erfolge" gefeiert, sagte von Arnim am Freitag am Rande des Sandplatzturniers in München. "Wir stehen da, würde ich sagen, treu an der Seite unserer Tennis-Ikone."

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