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Insolvenz:Gerichtsverfahren gegen Boris Becker beginnt erst im September 2021

Boris Becker vor einem Gericht in London im Oktober 2020

Boris Becker erschien persönlich zur Anhörung im Southwark Crown Court in London.

(Foto: Frank Augstein/Frank Augstein/AP)

Der frühere Tennisspieler hat bei einer Anhörung in London in allen 28 Anklagepunkten auf "nicht schuldig" plädiert. Die britischen Behörden werfen Becker vor, "große Mengen Geld versteckt" zu haben.

19 Anklagepunkte, so hieß es bis zu diesem Donnerstagmorgen, hatte die britische Insolvenzbehörde gegen Boris Becker zusammengetragen. Becker habe im Jahr 2017 eine Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea, zwei Grundstücke in Deutschland sowie die Anteile an einer belgischen Firma nicht korrekt angegeben. Er habe außerdem keine Angaben zu zwei für das Insolvenzverfahren relevanten Konten gemacht, auf denen sich damals mindestens 1,3 Millionen Euro befunden haben. Außerdem habe er Schulden in Höhe von heute umgerechnet etwa 830 000 Euro verschleiert.

Jetzt sind offenbar noch weitere Punkte hinzugekommen, so dass die Liste auf 28 Anklagepunkte angewachsen ist. Becker kooperiert nicht. Becker verweigert die Auskunft. Becker verschleiert seine Vermögensverhältnisse. Das ist im Kern das, was die britische Behörde dem früheren Tennisspieler vorwirft.

Becker erschien um 11 Uhr an diesem Donnerstag persönlich vor dem Southwark Crown Court in London. Zuvor war spekuliert worden, ob er wegen der Corona-Krise per Video zugeschaltet werden würde. Ein Crown Court ist in etwa mit einem deutschen Landgericht vergleichbar, dort werden jene Fälle verhandelt, mit denen eine relativ hohe Strafandrohung verbunden ist.

Bis zu sieben Jahre Gefängnis könnten Becker drohen, wenn alle Vorwürfe gegen ihn bewiesen werden können und eine Geschworenenjury am Ende von seiner Schuld überzeugt ist. Sieben Jahre - das ist nicht die Mutmaßung irgendeines Prozessbeobachters, dieses denkbare maximale Strafmaß hat eine Amtsrichterin festgestellt. Emma Arbuthnot hatte die erste gerichtliche Anhörung in dem Fall im September geleitet und den Fall an die nächsthöhere Instanz verwiesen, eben den Southwark Crown Court.

Eine Anklage wurde an diesem Donnerstag noch nicht verlesen und, das wurde klar, es wird noch sehr sehr lange dauern, bis der Fall juristisch abgeschlossen wird. Erst auf den 13. September 2021 setzte Richterin Deboray Taylor den Beginn des eigentlichen Prozesses fest.

Becker plädierte in allen Anklagepunkten auf "nicht schuldig". Die Behörde wirft dem dreimaligen Wimbledonsieger vor, während und nach seinem Insolvenzverfahren Bankkonten und Immobilien im großen Stil verheimlicht zu haben. "Dieser Fall handelt davon, dass große Mengen an Geld versteckt wurden", sagte die zuständige Anwältin.

Becker sei "völlig unschuldig" und beabsichtige, "sich zu gegebener Zeit vor Gericht zu verteidigen", sagte der Sprecher des Tennisspielers, Aaron Stephans, nach der Anhörung.

Bis zum Prozessbeginn muss Becker sich weiterhin vor Reisen bei der Insolvenzbehörde melden und seinen Reisepass bei Anwälten hinterlegen. Einen Antrag, diese Auflagen zu lockern, lehnte das Gericht ab. Becker war 2017 von einem britischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Eigentlich können Insolvenzverfahren in dem Land bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr waren die Insolvenzauflagen gegen Becker jedoch bereits um zwölf Jahre verlängert worden, bis zum Jahr 2031.

© SZ/dpa/olkl/mkoh

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Von Oliver Klasen

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