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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Brautkleid bleibt Brautkleid

(Foto: Imago)

Warum die Polizei in Obersulm einen indischen Second-Hand-Laden mit 100 Hochzeitskleidern versorgen sollte.

Von Moritz Geier

Die Polizei in Obersulm im Kreis Heilbronn muss weder die Kerynitische Hirschkuh einfangen noch den Erymanthischen Eber, sie muss auch nicht den Nemeischen Löwen erlegen oder die Augiasställe ausmisten. Wobei, mit einem Ausmisten hat ihre derzeitige Arbeit, die die Beamten selbst als "Herkulesaufgabe" beschreiben, schon ein bisschen zu tun.

Von der Besitzerin eines ehemaligen Second-Hand-Ladens, der im Frühjahr dichtgemacht hatte, haben sie 100 Brautkleider beschlagnahmt. Die Frau hatte sie eigentlich in Kommission verkaufen sollen, nach der Schließung ihres Ladens aber einfach zu Hause aufbewahrt. Jetzt darf sie sich mit einer Strafanzeige rumschlagen und die Beamten mit der Rückgabe der Kleider an die ursprünglichen Besitzerinnen. Die Polizei meldet: Das Telefon stehe nicht mehr still.

900 beschenkte Bräute

Weil sich die Flüsse Alpheios und Peneios zum Zwecke des Ausmistens kaum durch die Obersulmer Dienststelle leiten lassen, hier ein anderer Vorschlag: Der Guardian hat kürzlich über einen besonderen Second-Hand-Laden berichtet, "Rainbow" heißt der und steht in Pappinisseri im indischen Bundesstaat Kerala. Die Brautkleider, die die Besitzerin Sabitha dort völlig kostenlos anbietet, stammen von Designerinnen und wohlhabenden Spenderinnen, sie sollen Frauen aus ärmeren Verhältnissen nicht nur glücklich machen, sondern ihnen letztlich auch kulturelle Teilhabe ermöglichen: Hochzeiten werden ausschweifend gefeiert in Indien. 900 Frauen hat Sabitha schon beschenkt.

Wären die Obersulmer Brautkleider, sollten sich die Besitzerinnen nicht mehr finden lassen, dort nicht perfekt aufgehoben? Eine überraschende Lösung wäre es. Fast wie bei Herkules.

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