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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Grobi und der Außenminister

Antony Blinken schaltet sich per Videoanruf in die Sesamstraße ein. Das Thema ist ernst, eigentlich.

Von Martin Zips

Donald Trump hasste die "Sesamstraße". Kein Wunder, die Puppen dort haben sich oft über ihn lustig gemacht, und Trump hat eben keinen Humor. Andere Politiker hingegen wurden sogar eingeladen von Ernie und Bert, Oskar und Bibo. Kofi Annan zum Beispiel, Laura Bush oder die Obamas. Jetzt, zum zweiten Mal schon, sprach US-Außenminister Antony Blinken mit Grobi, einem dieser sympathisch geschlechtslosen, seit jeher wunderbar diversen, blauhaarigen Monstern aus den 1970ern.

Am Videotelefon erklärte Blinken (Grobi muss man das eigentlich nicht erklären, den Zuschauern aber vielleicht), warum es eine absolut nicht verhandelbare menschliche Pflicht ist, Flüchtlingen zu helfen. "Alle Kinder auf der Welt haben das Recht auf eine sichere und schöne Kindheit mit Spielen und Lernen", so Blinken. Grobi, der eigentlich gerade tanzen wollte, nickt, und die neuen Sesamstraßen-Charaktere Noor und Aziz erzählen von ihrem Leben als Rohingya in Bangladesch. Noor und Aziz werden vom Sesame-Workshop-Team derzeit unter anderem eingesetzt, um Kindern in Flüchtlingslagern beim Englisch-Lernen zu helfen.

Am Ende des nur zweieinhalbminütigen, auf Twitter veröffentlichten Videos sagt Grobi den völlig absurden, aber für ihn als Exzentriker sehr passenden Satz: "Sagt mal, wo sind eigentlich meine Holzschuhe?" Da ist Blinken wieder weg und der Spot zu Ende. Und doch zeigt sich, was Jim Hensons Ansatz selbst 31 Jahre nach seinem Tod noch so genial macht. Bei aller Pädagogik, bei aller Tragik, bei aller Moral: Erst der Humor ebnet den Weg in die Herzen. Hofft man zumindest.

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© SZ/nas
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