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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Der Türsteher meint es nur gut

(Foto: dpa)

Zwei Schwestern dürfen nicht in eine Wiener Nobel-Disco. Angeblich, weil sie "zu dick" sind, berichtet die "Kronen-Zeitung" und macht sich so zur Speerspitze im Kampf gegen Diskriminierung.

Von Martin Zips

Glücklicherweise gibt es in Österreich noch Qualitätsmedien wie die Kronen-Zeitung, welche durch Inserate von der Regierung großzügig mitfinanziert wird. Denn sonst wäre die Geschichte von Vivi und Liza S. vielleicht nie erzählt worden. Die Schwestern, so berichtet das Blatt, hätten gemeinsam mit ihrer Freundin Jessi F. eine "Wiener Nobel-Disco" besuchen wollen. Der Club gehört zum Gastro-Imperium eines erfolgreichen Wiener Unternehmers mit den allerbesten Kontakten ins Bundeskanzleramt. Und, klar, auch ein Kanzler geht mal gerne aus.

Jedenfalls wollten Jessi, Vivi und Liza hier gerne tanzen - und Jessi wäre sogar reingekommen. Nur ihre Freundinnen Vivi und Liza nicht. Die Schwestern seien vom Türsteher als "zu dick" abgelehnt worden, berichtet das stets um Humanität bemühte Kronen-Blatt. Nun gelten Nobel-Clubs mit Türstehern, auch die im Wiener Prater, nicht gerade als Oasen von Diversität und Antidiskriminierung. Dieser VIP-Club allerdings, das sollte schon betont werden, bedauerte sofort in einem Internet-Posting, dass "in diesem Fall der Eindruck entstanden ist, dass nach optischen Gründen entschieden wurde". Erwähnt wurden "aktuelle Covid-Vorgaben", welche "eine geringere Personenanzahl" vorsehen.

Und Vivi und Liza? Die sind gerade eingeladen worden. Zu einer Flasche Sekt in einem ganz, ganz anderen Wiener Club, der über nicht ganz so gute Kontakte ins Bundeskanzleramt verfügt. Die Nobel-Disco im Prater werden sie wohl nie wieder ansteuern. Ist aber eh gut, wenn einen der Türsteher vor so einem Club verschont, oder nicht? Und wie schön, dass die Kronen-Zeitung mal wieder ihr großes Herz bewiesen hat!

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© SZ/feko
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