Anschlag auf BVB-Bus Einsatz in vier Städten Baden-Württembergs

Sergej W. hat eine Ausbildung zum Elektroniker absolviert, an der Berufsschule hat er einen Preis gewonnen. Der Spiegel berichtet zudem, dass er seinen Wehrdienst im Lazarettregiment Dornstadt leistete und dort in einer Übungseinheit für Sanitäter eingesetzt wurde. Diese kümmerte sich um Instandsetzung und Elektrotechnik.

Der Polizeieinsatz am Freitagmorgen erstreckte sich auf die vier baden-württembergischen Städte Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach. Unterstützt vom Landeskriminalamt sowie des Polizeipräsidiums Reutlingen waren 110 Beamte beteiligt. Dabei sind wohl Computer und Handys sichergestellt worden, die noch ausgewertet werden.

Bei der Explosion der drei Sprengsätze wurden einige Scheiben am BVB-Mannschaftsbus zerstört, der Abwehrspieler Marc Bartra wurde von Splittern getroffen und musste noch in der Nacht am Arm operiert werden. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma. In den Sprengsätzen befanden sich Metallstifte, die noch 250 Metern entfernt gefunden wurden. Einer steckte im Bus in einer Kopfstütze.

Sprengstoff-Art noch nicht geklärt

Der vordere und hintere Sprengsatz waren nach Angaben der Bundesanwaltschaft in einer Hecke am Straßenrand in Bodennähe platziert worden, der mittlere befand sich in einer Höhe von etwa einem Meter - zu hoch, um die Wirkung voll entfalten zu können. Welche Art von Sprengstoff verwendet wurde, konnten die Kriminaltechniker noch nicht abschließend klären.

Je niedriger die Aktie gefallen wäre, desto höhere wäre der Gewinn von Sergej W. gewesen. Über einen maximalen Gewinn will die Bundesanwaltschaft nicht spekulieren, es stehe noch das Urteil von Experten aus. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv", erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Damit wären andere Motivlagen vom Tisch. Zunächst hatten drei angebliche Bekennerschreiben auf einen islamistischen Terroranschlag hingedeutet. Es waren auch Schreiben aufgetaucht, die auf ein links- oder rechtradikales Motiv hinwiesen. In Dortmund wurde zudem darüber spekuliert, dass gewaltbereite Fans des Klubs für den Anschlag verantwortlich seien.

Nur eine Stunde nach dem Anschlag am 11. April legte die Europäische Fußball-Union Uefa mit Zustimmung der Vereinsführungen fest, das Spiel gegen AS Monaco müsse am darauffolgenden Tag stattfinden. Eine gezeichnete Dortmunder Mannschaft verlor mit 2:3 und eine Woche später auch das Rückspiel mit 1:3. Kapitän Marcel Schmelzer erklärte nun: Er habe die Hoffnung, "dass wir die tatsächlichen Hintergründe des Anschlags erfahren". Für alle, die im Bus gesessen hätten, "wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern".

Reinhard Rauball, Präsident des BVB, prophezeit indessen langwierige Probleme: Das Thema werde "uns und unsere Spieler noch lange nicht loslassen. Zum einen, weil die persönliche Betroffenheit natürlich nicht von einem Tag auf den anderen aufhört. Zum anderen, weil sich nun voraussichtlich ein gerichtliches Verfahren anschließt." Alleine deshalb werde der Verfall noch längere Zeit nicht aus der Welt sein, "gerade für unsere Spieler nicht".

Anschlag auf BVB-Bus "Ein besonders widerwärtiges Tatmotiv"

Anschlag auf BVB-Mannschaftsbus

"Ein besonders widerwärtiges Tatmotiv"

Der Bundesinnenminister zeigt sich bestürzt und bedankt sich bei den Ermittlern. Beim BVB in Dortmund hofft man auf eine schnelle Aufklärung des Anschlags.