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Tiroler Alpen:Baggern im Graubereich

Normale Vorbereitungen auf die Skisaison? Das Bild des World Wide Fund for Nature (WWF) zeigt zwei Schaufelbagger, die Gletscherspalten zuschütten und dabei die Gletscherfläche umpflügen.

(Foto: Vincent Sufiyan/WWF)

Die Betreiber der Pitztaler Gletscherbahnen wollen den Zusammenschluss mit dem Nachbarn aus dem Ötztal zum weltweit größten Gletscherskigebiet. Für Naturschützer ist das Projekt Symptom für einen rigorosen Verteilungskampf.

Natürlich laufen am Pitztaler Gletscher die Lifte für den Skibetrieb, ist ja bereits Oktober. Für den Wochenauftakt wurden bis zu 40 Zentimeter Schnee gemeldet; vier Bergbahnen waren in Betrieb, zudem konnte der geneigte Herbstskifahrer unter vier Pisten auswählen. Aber so richtig ruhig war es um das Eis des hinteren Pitztals ja auch im Sommer nicht geworden. Schließlich soll hier nach dem Willen der Bergbahnbetreiber möglichst bald eine unter dem Namen "Gletscherehe" diskutierte Verbindung mit dem Liftbetrieb des benachbarten Ötztals her. Damit würde das größte Gletscherskigebiet der Welt entstehen.

Werbung in eigener Sache gelang den Machern des Pitztaler Gletscherskigebiets zuletzt allerdings eher selten. Erst kürzlich machten Bilder die Runde, welche Anfang September vom World Wide Fund for Nature (WWF) in Umlauf gebracht worden waren und den schonungslosen Umgang mit der Hochgebirgslandschaft dokumentieren sollten. Auf den Fotos sind zwei Schaufelbagger zu sehen, die Gletscherspalten zuschütten und dabei die Gletscherfläche umpflügen.

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Der kranke Gletscher

Etwa 250 000 Kubikmeter Eis rutschen vom Planpincieux am italienischen Abhang des Mont-Blanc-Massivs in Richtung Tal. Und zwar dramatisch schnell, jedenfalls für einen Gletscher.   Von Oliver Meiler

Eberhard Schultes, Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahn, ist seitdem damit beschäftigt, den Vorgang zur Normalität zu erklären. "Seit es Gletscherskigebiete gibt, wird das in Tirol so gemacht." Auch wenn er die Aufregung durchaus nachvollziehen könne, seien die Grabungsarbeiten jedes Jahr aufs Neue notwendig, um im Frühherbst einen sicheren Skilauf zu gewährleisten. Auch seitens der zuständigen Behörde heißt es, die Aktion sei rechtskonform.

Rechtswidrige Talabfahrt

Es ist allerdings kein Zufall, dass die Aufnahmen ausgerechnet am Pitztaler Gletscher entstanden - stehen die Bergbahnbetreiber des am höchsten gelegenen Skigebiets in Österreich doch schon seit einigen Jahren unter besonderer Beobachtung. Selbst Schultes ist sich "bewusst, dass in der Vergangenheit nicht alles richtig gelaufen ist, von mehreren Seiten". So wurde etwa 2006 rechtswidrig eine Talabfahrt angelegt, die erst nachträglich von der Politik genehmigt wurde - allerdings nur als sogenannter "Notweg" etwa für den Fall einer Evakuierung, also eine Art Sicherheitsmaßnahme, wofür keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist.

Erst im vergangenen Jahr wurden schließlich am Grat des Hinteren Brunnenkogels mehr als 8000 Kubikmeter Gestein zur Verbreiterung eines Skiwegs abgesprengt. Weil der Eingriff jedoch naturschutzrechtlich nicht von entsprechender Stelle genehmigt worden war, sperrte die zuständige Behörde den Skiweg vorübergehend; der Grat musste rekonstruiert werden. Selbst Tirols nicht unbedingt als Seilbahnkritiker bekannter Landeshauptmann Günther Platter tadelte die Lust der Pitztaler am Modellieren der Landschaft als "unüberlegte Aktion". Schultes, seit Juni dieses Jahres als Geschäftsführer im Amt, spricht von einem "Graubereich". Oft lasse sich die Grenze zwischen genehmigungspflichtiger Erweiterung und üblichen Erhaltungsarbeiten, die für einen sicheren Skibetrieb nötig sind, nicht exakt definieren.