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Zielfahndung:Sieben Monate Flucht enden unter einer Brücke

  • Im südfranzösischen Lyon finden Zielfahnder den dritten Tatverdächtigen in einem Tötungsdelikt. Dort hatte sich der 43 Jahre alte Pole vor der Polizei versteckt.
  • Der Festgenommene soll an dem gewaltsamen Tod eines Obdachlosen am Flaucher beteiligt gewesen sein, die Tat geschah im August 2014.
  • Ein anderer Verdächtiger hatte sich zuvor bei seiner Vernehmung in Widersprüche verwickelt und schließlich berichtet, was geschehen war.

Von Martin Bernstein

Nach dem gewaltsamen Tod eines 50 Jahre alten polnischen Obdachlosen am Flaucher im August vergangenen Jahres ist den Fahndern jetzt der dritte Tatverdächtige ins Netz gegangen - im südfranzösischen Lyon. Die Polizei nahm dort den 43 Jahre alten Polen Ireneusz D. fest. Ein auch an der Tat beteiligter 52-jähriger Landsmann hatte sich unmittelbar nach Auffinden der Leiche bei der Vernehmung durch die Mordkommission in Widersprüche verwickelt. Er sitzt seither in Haft. Der ebenfalls tatverdächtige 41-jährige Lette Vitalijs T., der sich gemeinsam mit D. nach Frankreich abgesetzt hatte, war bereits im Dezember 2014 tot in Nizza aufgefunden worden. Er starb an einer Überdosis Methadon. Die drei Tatverdächtigen lebten wie ihr mutmaßliches Opfer im Obdachlosenmilieu.

Dort endete auch die Flucht von Ireneusz D. - buchstäblich unter einer Brücke in der Stadt an der Rhône. Zuvor hatte ihn sein Weg nach Spanien geführt, nachdem er sich in Frankreich von Vitalijs T. getrennt hatte. Das hatten auch Anrufer bestätigt, nachdem der Fall in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" präsentiert worden war. Später kehrte D. nach Frankreich zurück. Doch die zwölf Zielfahnder des Münchner Polizeipräsidiums hatten schon längst die Spur des Gesuchten aufgenommen. Nach D. wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht. Schließlich griff am 3. März die Polizei in Lyon zu. Am Freitag brachten Zivilfahnder den Tatverdächtigen zurück nach Deutschland.

Vermutlich im Alkoholrausch schlugen und traten die Täter ihr Opfer

Auslöser der Tat am 25. August war wohl ein Streit um Habseligkeiten und einen Schlafplatz gewesen. Nach Aussage des im Sommer verhafteten 52-Jährigen war das Opfer zu dem Lager der drei Tatverdächtigen auf einer Insel am Flauchersteg gekommen. Vermutlich im Alkoholrausch entwickelte sich ein Streit, schließlich prügelten der oder die Täter auf den 50-Jährigen ein und erschlugen ihn. Als die Leiche am nächsten Vormittag von einem Spaziergänger entdeckt wurde, war sie übersät mit Prellungen und Blutergüssen. Der in Frankreich festgenommene D. hat nach Auskunft des Polizeipräsidiums nach anfänglichem Leugnen inzwischen zugegeben, seinen polnischen Landsmann geschlagen und getreten zu haben.

Die Zielfahnder des Polizeipräsidiums sagen von sich selbst, "einen langen Atem" zu haben. Ihre Erfolgsquote liegt bei nahezu 100 Prozent. Mit welchen Methoden sie Ireneusz D. aufgespürt haben, verriet die Münchner Polizei am Mittwoch nicht. Die Rede war von "intensiven Fahndungsmaßnahmen", die letztlich dazu geführt hätten, dass der 43-Jährige nach einer Überprüfung durch die französische Polizei in Lyon festgenommen werden konnte.

Erst Widersprüche, dann die Wahrheit

Auf die Spur der Tatverdächtigen war die Polizei unmittelbar nach dem Fund der Leiche gestoßen. Den Durchbruch brachten Befragungen von anderen Wohnsitzlosen und von Hilfsorganisationen, die sich um Bedürftige kümmern. Dabei stellte sich heraus, dass Opfer und Tatverdächtige sich gekannt hatten und der 50-jährige Pole bereits einmal am Lagerplatz des Trios, dem späteren Tatort, übernachtet hatte.

Allerdings konnten die Beamten nur noch einen der drei Obdachlosen in München finden - die beiden anderen hatten sich, wie man jetzt weiß, mit dem Zug nach Frankreich abgesetzt. Der ursprünglich als Zeuge befragte 52-Jährige verwickelte sich bei seiner Vernehmung in Widersprüche und erzählte schließlich, was am Flauchersteg passiert war.

© SZ vom 19.03.2015/tbs
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