Rote Lampions und bunten Reklameschilder werfen schummriges Licht. An den Wänden hängen Noren, dunkle Vorhänge mit hellen japanischen Schriftzeichen, gestreifte Markisen und Lichterketten. Die Yokocho Karaoke Bar ist nach den belebten Seitenstraßen der Kneipenviertel von Tokio und Osaka benannt - und genau so kommen sich die Gäste auch vor: ein bisschen wie im japanischen Nachtleben. Dass die Bar in München und nicht in Tokio steht, verrät dann aber der diesjährige Wiesn-Hit "Sarà perché ti amo": Zwei junge Männer greifen zum Mikrofon, und die gesamte Karaokebar grölt mit.
Karaoke ist das Thema hier in der Bar im Werksviertel: Es gibt Open-Karaoke-Abende, bei denen jeder zum Mikrofon greifen kann. Aber die Gäste haben auch die Möglichkeit, sich in kleineren oder größeren Gruppen in eine private Karaoke-Box zurückzuziehen, Räume gibt es für zwei bis zwölf Personen.
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Jeder Raum ist nach Exportschlagern der japanischer Popkultur benannt: Da ist der Origami-Raum, einer, der im Stil des berühmten Animationsstudios Ghibli gestaltet ist oder die Godzilla-Box mit actionreichen Szenen auf der Tapete. Für zwei Stunden Singen sind pro Person ungefähr 20 Euro fällig.
Auf der Getränkekarte steht Reisschnaps Sake, japanisches Bier und Chuhai, ein Mischgetränk aus Shochu (Schnaps, gebrannt aus Gerste oder Reis), Sodawasser und Fruchtsaft. Besonders lecker sind die japanischen Whiskey-Cocktails, zum Beispiel die Whiskey-Sour-Variante "Yuzu Bourbon Sour" mit einem fruchtig-bitteren Geschmack. Oder der "Whisky Highball", mit Santory Whisky und Pflaumenwein. Die Cocktails kosten zwischen acht und zehn Euro. Wer mit etwas weniger Exotischem die Kehle ölen will: Auch klassische Cocktails stehen auf der Karte, dazu bayerisches Bier und Spritzvariationen mit und ohne Alkohol - die allerdings sind mit Eiswürfeln überladen.
An den Open-Karaoke-Abenden ist die Bar oft sehr voll. Eine Bühne gibt es nicht, auf die sich die Gäste trauen müssten. Je nach Selbstbewusstsein und Starallüren kann man mitten auf der Tanzfläche performen, von einer ruhigeren Ecke aus singen oder einfach mit Mikrofon an der Bar sitzen bleiben und sich an seinem Getränk festhalten. Über ein Tablet werden die Lieder ausgesucht, an allen Wänden sind Bildschirme angebracht, die beim Text helfen.
Das Publikum in der Yokocho Karaoke Bar setzt sich zusammen aus Abiturienten, spanischen Rockfans, angetrunkenen Touristen und Schnulzen liebenden Freundinnengruppe um die Vierzig. Man kommt sehr schnell miteinander ins Reden und Singen. Es lohnt sich, früh da zu sein - sonst muss man in vollen Nächten eine Weile warten, bis das Wunschlied an die Reihe kommt.
Wenn Party-Karaoke-Klassiker wie "Mamma Mia", "Ohne dich (Schlaf ich heut' Nacht nicht ein)" oder "Umbrella" nicht zu Stimmung und Tagesform passen, ist der "Sad Song Sunday" vielleicht die bessere Wahl: Jeden Sonntagnachmittag dürfen nur traurige Lieder in die Karaoke-Warteschlange. Gut gegen kleine Kater, großen Herzschmerz oder um den Sonntagsblues loszuwerden.
Yokocho Karaoke Box & Bar , Atelierstraße 14, Werksviertel Werk 3, 81671 München, Telefon: 0162/8121611. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag ab 16.30 Uhr, Samstag und Sonntag ab 14.30 Uhr.