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Zum Artenschutz:Wohnprojekt für nächtliche Jäger

Bezugsfrei in Wipfellage: Bürgermeister Klaus Heilinglechner hängt einen von 40 Fledermauskästen in Farchet auf.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Stadt Wolfratshausen bringt 40 Fledermauskästen entlang des Loisach-Isar-Kanals in Farchet an. Sie sollen den Tieren als Sommerquartiere dienen.

Es ist ein Wohnungsprojekt der besonderen Art, das die Stadt Wolfratshausen am Montagvormittag in Farchet realisiert hat: 40 Fledermauskästen haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs an Bäumen entlang des Loisach-Isar-kanals aufgehängt. Sie sollen heimischen Arten wie dem Großen Abendsegler, Bart- und Zwergfledermäusen vom kommenden Frühjahr an als Sommerquartiere und notwendige Rückzugsorte dienen.

Dass der Lebensraum der Fledermäuse bedroht ist, erläuterte bei der Gelegenheit der Umweltreferent im Stadtrat, Manfred Fleischer. Wie er erklärte, beziehen die Tiere demnächst ihre Winterquartiere: Brückenlager, große Baumhöhlen, Dachböden oder Keller, wo sie in Kolonien von November bis Ende März Winterschlaf halten und sich gegenseitig wärmen. Dachstühle würden aber saniert, tote Bäume, wo die Tiere ihre natürlichen Behausungen finden, aus den Wäldern entfernt. Und weil es immer weniger Wildblumen gebe, fehlten ihnen auch Insekten, auf die sie als Nahrung angewiesen seien. "Es ist sicherlich keine Prophezeiung, wenn man sagt: Auch die Fledermäuse in unserer Gegend haben es nicht leicht", sagte Fleischer. Die Aktion der Stadt solle auch Impulse setzen und die Bürger auf den schwindenden Lebensraum aufmerksam machen. Dachstühle sollten erst im April saniert werden, "und ohne giftige Holzschutzmittel", erklärte Fleischer. Und mit den richtigen Blühpflanzen in Gärten und auf Balkonen könne jeder etwas für die Insektenpopulation tun. Der Loisach-Isar-Kanal in Farchet sei ein "hervorragender Lebensraum" für die Fledermäuse, erklärte Fleischer. In der Dämmerung könne man sie dort gut bei der Insektenjagd über dem Wasser beobachten.

Die Kästen, die dort aufgehängt wurden, sind aus Holzbeton und laut dem städtischen Umweltbeauftragten Robert Maier sehr langlebig. "Die können sicher 20 Jahre lang hängen bleiben", sagte er. Allerdings müsse man sie jährlich sauber machen. Zwei verschiedene Arten hat die Stadt installiert: Kästen für Kleinfledermäuse und solche, die allen Arten als Unterschlupf dienen - gelegentlich auch Bilchen wie Siebenschläfern. Etwa 30 bis 40 Euro kostet so eine Behausung laut Maier. Eine sinnvolle Investition, wie Revierförster Robert Nörr erklärte. Denn in dem schmalen, bebauungsnahen Waldstreifen am Kanal seien natürliche Fledermaushöhlen selten. "Wir versuchen immer, alte Bäume mit Spalten so lange wie möglich stehen zu lassen. Aber hier geht die Sicherheit der Menschen vor." Umsturzgefährdetes Totholz müsse entfernt werden.

Die Kästen schaffen nun ein zusätzliches Angebot für die Tiere. Sie dienten so der Artenvielfalt, betonte Bürgermeister Klaus Heilinglechner, der den letzten Kasten an einem Baum vor der Mehrzweckhalle anbringen durfte. Ob die neuen Wohnungen angenommen werden, sieht man im kommenden Herbst, wenn die Kästen gereinigt werden.