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Wolfratshauser Verkehr:Auch das noch

"Der verkehrteste Zeitpunkt": Kosmetikerin Karin Kunert fürchtet, dass Kunden wegbleiben, wenn die Kreuzung am Floßkanal (im Hintergrund) von Montag an gesperrt wird.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wolfratshausen lässt die Kreuzung am Floßkanal umgestalten, von Montag an bis Ende Juli. Die neuralgische Einfahrt in die Innenstadt wird einen Monat lang komplett gesperrt. Die Ladenbetreiber, die gerade erst wieder geöffnet haben, bangen um ihre dringend benötigte Kundschaft.

Nur wenige Tage, nachdem das Geschäftsleben in der Wolfratshauser Innenstadt wieder erwacht ist, müssen Ladenbetreiber und Kunden monatelang mit Verkehrsbehinderungen und langen Umwegen zurechtkommen. Denn die neuralgische Kreuzung zwischen Sauerlacher Straße und der Straße Am Floßkanal wird von Montag, 4. Mai, bis voraussichtlich Ende Juli umgestaltet - und mindestens einen Monat lang komplett gesperrt. Wegen der Einbahnregelung in der südlichen Marktstraße wird das zur Geduldsprobe. Denn wer mit dem Auto in die Innenstadt will, muss dann eine lange Schleife über die Weidacher Hauptstraße und die Loisachbrücke fahren, um in den Markt und die Bahnhofstraße zu gelangen.

Lkw-Fahrer müssen sogar noch einen deutlich längeren Umweg nehmen. Da die Brücke in Weidach nur für Fahrzeuge mit maximal zwei Tonnen Gewicht zugelassen ist, bleibt ihnen nur die Strecke über die Garmischer Autobahn, Schäftlarn, Icking und den Wolfratshauser Berg übrig. "Leider können wir aufgrund des Straßennetzes keine andere Möglichkeit anbieten", sagt Wolfgang Mucha, der im städtischen Bauamt zuständig ist.

Mit der Baumaßnahme lässt die Stadt die Rechtsabbiegerspur am Floßkanal erweitern, damit insbesondere Gelenkbusse besser um die Kurve kommen. Dafür wird der Gehweg um circa einen Meter nach Westen versetzt, auf das Grundstück des Alten Krankenhauses, auf dem die Maro-Genossenschaft im Erbbaurecht ein Mehrgenerationenhaus errichtet. Zudem werden die "starken Verdrückungen auf der Fahrbahn" behoben. Dafür muss die Zufahrt von der Sauerlacher Straße in den Floßkanal von Montag an komplett gesperrt werden. Wie die Stadt mitteilt, habe man "nach mehrfacher örtlicher Begutachtung durch Fachfirmen und den Tiefbauingenieur" eine Möglichkeit gefunden, das Linksabbiegen von der Sauerlacher Straße in den Floßkanal bereits nach Abschluss des ersten Bauabschnittes, der etwa einen Monat dauern soll - voraussichtlich also Anfang Juni - wieder zu ermöglichen.

Gleichzeitig wird das Staatliche Bauamt Weilheim zudem die Ampelanlage an der Kreuzung erneuern. Außerdem baut die Stadt den derzeit provisorischen Fuß- und Radweg von der Einmündung Karwendelstraße bis zum Dönerladen Pammukale in der Sauerlacher Straße als Hochbord aus. Dort sollen auch zwei barrierefreie Haltestellen für den künftigen Expressbus entstehen.

Während der gesamten drei Monate ist die Sauerlacher Straße von Höhe des Finanzamts bis zum Bahnhof nur in eine Richtung, von West nach Ost, befahrbar. Beide Fahrspuren sollen dort im Wechsel saniert und gesperrt werden, sodass eine Spur immer in Richtung Osten befahren werden kann. Nur an einem Wochenende müsse die gesamte Kreuzung gesperrt werden, um die Deckschicht einzubauen.

Für die Autofahrer wären die Bauarbeiten deutlich verkraftbarer, wenn man ihnen in dieser Zeit ausnahmsweise die Durchfahrt durch den Busbahnhof von der Sauerlacher Straße in die Bahnhofstraße gestatten würde. Diese Möglichkeit aber werde nicht nur von der Stadt, sondern von allen beteiligten Verkehrsbehörden abgelehnt, erklärt Bauamtsleiterin Susanne Leonhard. "Das wäre viel zu gefährlich." Das letzte Mal, als man vor etwa zehn Jahren die Durchfahrt am Bahnhof erlaubt habe, habe es Komplikationen gegeben, viele hätten sich nicht an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit gehalten. "Es gab viele heikle Situationen", sagt auch Mucha. "Vor allem Kinder laufen dort quer zwischen den Bussen durch. Das Risiko für diesen längeren Zeitraum wäre viel zu hoch."

Für alle, die nicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen, bleibt also nur der kilometerlange Umweg. Für die zuletzt von der Corona-Krise geplagten Ladenbetreiber ist das ein herber Schlag. Sie fürchten, dass Kunden ausbleiben. "Der Zeitpunkt ist der verkehrteste", klagt etwa Karin Kunert, die am Floßkanal eine Parfümerie mit Kosmetikstudio betreibt. "Jetzt nach Corona, wo wir alle Umsatz brauchen." Nach sechs Wochen ohne Einnahmen hat sie ihren Laden am Montag geöffnet, von kommender Woche an darf sie auch wieder Fußpflege anbieten - mit strengen Auflagen. Viele Kunden, glaubt Kunert, werden durch die Straßensperrung wegbleiben. "Auch ein Monat ist ein Drama", sagt sie und kritisiert, dass die Stadt nicht das Gespräch mit den Ladenbetreibern gesucht habe.

Die Umgestaltung war für Oktober 2019 geplant, wurde dann aber verschoben. Man habe dann um Ostern beginnen wollen, sagt Bauamtsleiterin Leonhard. Da die Arbeiter aber nicht antreten konnten, sei nun der nächstmögliche Zeitpunkt. Hätte man die Firma nicht jetzt beauftragt, "wer weiß, wann sie dann Zeit gehabt hätte".

© SZ vom 29.04.2020/aip

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