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Wolfratshausen:Mit Hilfe von Stadt, Staat und Kirche

Baustelle Coop-Gelände

Tropfen auf den heißen Stein: Auf der städtischen Coop-Wiese in Waldram lässt die Stäwo gerade 52 neue geförderte Wohnungen errichten. Die Bauarbeiten gehen gut voran. Die Abhilfe für hunderte Wolfratshauser, die eine Bleibe suchen, hält sich jedoch in Grenzen.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Wie schafft man bezahlbaren Wohnraum? Diese Frage diskutierte die Wolfratshauser SPD mit Vertretern der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, der Baugenossenschaft und der Politik.

"Wie schaffen wir bezahlbare Wohnungen?" Diese im ganzen Münchner Umland drängende Frage hat der Ortsverein der Wolfratshauser SPD am Donnerstag in der Flößerei gestellt. Beantworten sollten sie Britta Wurm und Winfried Borcherdt von der Baugenossenschaft Wolfratshausen, Lothar Ortolf von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (Stäwo), Fritz Meixner, SPD-Fraktionssprecher im Stadtrat und Immobilienmakler Ernst Gröbmair. Ihre Antwort auf die Frage lässt sich so zusammenfassen: Für bezahlbaren Wohnraum in Wolfratshausen braucht es günstigen Grund. Den, so forderten es die Referenten, sollten Kommune und Freistaat, aber auch die katholische Kirche zur Verfügung stellen.

In der Loisachstadt stellen sich viele diese Frage. Das zeigte das große Interesse an der Veranstaltung: Unter den mehr als 50 Gästen im vollen Saal waren auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) und die Sprecher aller Fraktionen im Stadtrat. Der SPD-Vorsitzende Peter Fasching, der den Abend moderierte, zitierte gleich zu Anfang aus dem Paragraf 106 der Bayerischen Verfassung: "Jeder Bewohner Bayerns hat einen Anspruch auf angemessene Wohnung", heißt es dort.

Dass dieser Anspruch in Wolfratshausen kaum zu erfüllen ist, belegt die Warteliste der Baugenossenschaft mit 300 Wohnungssuchenden. 80 Prozent davon kämen aus Wolfratshausen, Geretsried und der näheren Umgebung, sagte Britta Wurm vom Vorstand. 58 Wohnhäuser mit insgesamt 471 Wohnungen hat die Baugenossenschaft seit ihrer Gründung 1948 geschaffen, 66 weitere entstehen derzeit an der Blombergstraße - teils durch Neubauten nach Abriss, teils durch Aufstockung der bestehenden Gebäude. Verdichtung im Bestand ist momentan die einzige Möglichkeit für die Genossenschaft, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, wie Winfried Borchert klarstellte. Die Baukosten seien schließlich genauso hoch wie auf dem freien Markt. "Wenn man günstige Mieten anbieten will, muss man bei Grund und Boden sparen." Günstige Grundstücke bekomme die Genossenschaft aber nicht von Privatleuten, sondern nur von der Kommune oder vom Freistaat. Das wurde auch beim Bericht von Immobilienmakler Gröbmair klar, der von Grundstückspreisen von weit mehr als 1000 Euro pro Quadratmeter erzählte.

Auf einem städtischen Grundstück, der Coop-Wiese in Waldram, errichtet die Stäwo derzeit 52 geförderte Wohnungen. Noch liefen die Bewerbungen, sagte deren Geschäftsführer Lothar Ortolf, auf einer ersten Liste gebe es bereits 54 Interessenten. Als Antwort auf die Eingangsfrage des Abends forderte Ortolf auch, die Standards zu ändern, die durch "ständige Verschärfung" die Baukosten unverhältnismäßig in die Höhe trieben und die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.

Die Neubauten auf der Coop-Wiese gehören zu einer Wohnbauinitiative, die BVW, SPD und Grüne gemeinsam im Stadtrat durchgebracht haben. Wie SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner berichtete, gibt es auch für das Alte Krankenhaus an der Sauerlacher Straße einen Investor, dem der Erbpachtvertrag für das Grundstück vorgelegt wurde, auf dem insgesamt 34 Wohnungen entstehen sollen. Geplatzt sei allerdings die Bebauung in der Auenstraße. Mit der katholischen Kirche, der das Grundstück gehört, habe man sich leider nicht einigen können. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum betreffe viele Teile der Gesellschaft, sagte Meixner. "Auch die Kirchen tragen hier eine Verantwortung, der sie gerecht werden sollten."

Der Stadtrat habe viel "auf den Weg gebracht", sagte Meixner. Klar sei aber auch, dass Wolfratshausen weder die Probleme der "Boom-Region München" noch des Nordlandkreises lösen könne. Um aber alle Möglichkeiten auszuschöpfen, forderte er, den Arbeitskreis Stadtentwicklung des Stadtrats wieder zu aktivieren.