Die ökonomische Seite des Wintersports:Schatten über dem Sonnen-Eck

Die ökonomische Seite des Wintersports: Die heimischen Winter werden milder. Auch am Brauneck werden die meisten Skipisten schon seit längerem beschneit.

Die heimischen Winter werden milder. Auch am Brauneck werden die meisten Skipisten schon seit längerem beschneit.

(Foto: Manfred Neubauer)

Weil es immer weniger schneit, lohnen sich die Anlagen am Brauneck für Josef Singhammer nicht mehr. Der Liftbesitzer gibt daher auf und übergibt an die Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH.

Von Arnold Zimprich

Mehr als ein halbes Jahrhundert hat der Lenggrieser Josef Singhammer die beiden Florihang-Schlepplifte und den Schlepplift am Bayernhang betrieben, bald ist damit Schluss. Auch der in die Jahre gekommene Finstermünz-Sessellift wechselt den Besitzer - Singhammer verkauft die Anlagen, die im Westen des Skigebiets liegen, an die Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH.

"Wir wollen keine Lücke bei der Lift-Infrastruktur entstehen lassen", erläutert Antonia Asenstorfer, Pressesprecherin der Brauneck-Bergbahn. "Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden wir in die Beschneiung investieren, auch eine Modernisierung der Anlagen ist langfristig geplant". Singhammers Lifte lägen in südöstlicher Richtung und somit sonnenexponiert. "Es ist das Sonnen-Eck des Brauneck", erklärt Asenstorfer. Dort müsse etwas getan werden. Würde nicht in die Beschneiung investiert, hätten Skifahrer keine gesicherte Möglichkeit, bei Schneemangel zu den Liften im westlichen Teil des Gebiets zu gelangen. Die Brauneckbahn will die Lifte zunächst so erhalten, wie sie sind. "Ganz überraschend kommt die Übernahme für uns nicht", sagt Asenstorfer. Man habe länger überlegt, wie es mit den Anlagen weitergehen soll, die sich in einer Höhenlage zwischen 1200 und 1500 Metern befinden.

"In den vergangenen vier Wintern lief es einfach zu schlecht", antwortet Josef Singhammer auf die Frage, warum seine Lifte den Besitzer wechseln. Der 84-Jährige sagt, er habe die Lifte mit seinen Angestellten und Aushilfen so lange betrieben, wie es eben ging. Eigentlich hätte die Anlagen sein Sohn übernehmen sollen. Der habe aber vor neun Jahren einen schweren Unfall gehabt. Wäre eine andere Person aus dem erweiterten Familienumfeld als Nachfolger in Frage gekommen, "hätte ich die Lifte nicht an die Brauneckbahn verkauft", sagt Singhammer.

Dass nicht alle Brauneck-Lifte einen einzigen Eigentümer haben, ist seit Jahrzehnten gängige Praxis. "Fast alle Lifte im Tal unten, zum Beispiel am Draxlhang, sind in privaten Händen", erklärt Singhammer. "Hier heroben ist außer mir noch der Idealhanglift Privatbesitz." Abgerechnet werde dies anteilig über die Liftkarten - jede Fahrt mit den Singhammer-Liften wird registriert und die Gesamteinnahmen werden entsprechend abgerechnet.

Friedl Krönauer, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, sieht die Übernahme der vier Lifte durch die Brauneckbahn grundsätzlich positiv. Das Skigebiet am Brauneck sei wichtig für den Landkreis und darüber hinaus, sagt er. "Bevor Isarwinkler und Münchner Skifahrer über die Grenze bis nach Tirol fahren müssen, um Ski zu fahren, sollen sie lieber hier bei uns bleiben."

Was die Beschneiung angeht, ist Krönauer hingegen skeptisch. "Trotz Beschneiung und Speichersee kam das Brauneck in den vergangenen Wintern kaum auf eine wirtschaftliche Anzahl von Skitagen." Auf Teufel komm raus zu investieren, nur um Schneesicherheit in einem schrumpfenden Zeitraum zu garantieren - nachhaltig sei das nicht. Krönauer nennt den Präzedenzfall Riedberger Horn, der weitere unsinnige Zusammenschlüsse zur Folge haben könnte. "Zum Glück gibt es dazu am Brauneck keine Möglichkeit - und so lange der Betreiber seine Finger nicht Richtung Längental oder in andere sensible Gebiete ausstreckt, die noch gänzlich unerschlossen sind, geht der Bund Naturschutz nicht auf die Barrikaden."

Der BN-Mann kann die Zwickmühle nachvollziehen, in der kleine, traditionsreiche Skigebiete wie das Brauneck stecken. Auf der einen Seite stünden der Klimawandel und die sinkende Anzahl von Tagen, an denen es noch Schnee gebe, auf der anderen Seite sind die Skigebiete touristischer Motor der Region. "In meiner Brust schlagen auch mehrere Herzen", sagt Krönauer, der auch im Deutschen Skilehrerverband tätig ist.

© SZ vom 15.11.2017
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