Windräder am Brauneck? Tölzer Luftnummer

Landrat Niedermaier fordert eine Diskussion über Windräder auf den Bergen. Doch selbst Branchenvertreter reagieren skeptisch.

Von Isabel Meixner und Christian Sebald

Landrat Josef Niedermaier erwägt den Bau von Windkrafträdern in den Alpen. Bei einer Podiumsdiskussion der Unabhängigen Bürgerinitiative Icking (UBI) kritisierte er, dass Bergrücken im aktuellen Regionalplan per se als Ausschlussgebiete gelten: "Wenn wir unseren Teil zur Energiewende beitragen wollen, müssen wir auch derart exponierte Standorte nutzen." Zwar seien die Alpen ein besonders sensibler Bereich; das Argument, die Berge seien ein touristisches Kapital, lässt Niedermaier aber so nicht gelten: "Auch der Starnberger See gehört zu unserer Landschaft."

Zwar weht auf den Bergen, wie hier auf dem Brauneck, zuweilen ein recht kräftiger Wind. Doch um Windräder rentabel zu betreiben, könnte es trotzdem nicht reichen - auch weil auf den Gipfeln die Luft dünner ist als im Tal.

(Foto: Manfred Neubauer)

Konkret nannte der Landrat das Brauneck, die Benediktenwand und den Herzogstand als mögliche Standorte. "Es muss diskutiert werden, ob die Beeinträchtigung für die Bürger nicht am geringsten ist, wenn man auf einer Fläche 20 Windkrafträder konzentriert und dafür den restlichen Landkreis freihält", forderte er. Dass sein Vorschlag nicht sonderlich populär ist, weiß der Landrat. Eine Debatte scheue er dennoch nicht, im Gegenteil: "Wir müssen die Diskussion führen, sonst brodelt sie im Hintergrund."

Günter Beermann, der Vorsitzende des Bundesverbands Windenergie in Bayern, sieht Windräder auf dem Brauneck, der Benediktenwand oder anderen bayerischen Bergen kritisch. "Sie liegen wie das gesamte Voralpenland im Windschatten der Alpen", sagt er. "Das heißt: Windräder und Windparks sind an den allermeisten Standorten im Oberland unrentabel." Auf Berggipfeln kommt erschwerend hinzu, dass die Luft dort sehr viel dünner ist als in tieferen Lagen. "Auf der Zugspitze läuft kein Windrad", sagt Beermann. "Und am Brauneck dürfte es auch sehr schwer werden."

Niedermaier betonte, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gebe es kaum geeignete Flächen, auf die Windkrafträder gebaut werden könnten. Denn auch im Norden stößt der aktuelle Regionalplan, der dort Flächen für Windräder ausschreibt, an Grenzen: Der nördliche Landkreis liege in der Tiefflugzone der Bundeswehr, damit gebe es Beschränkungen vor allem in der Höhe. Damit fallen einige Ortschaften, darunter Icking, für den Bau der 200 Meter großen Windkrafträder weg - und nur Anlagen dieser Größenordnung wären überhaupt rentabel.

Der Planungsausschuss der Region Oberland überarbeitet derzeit den Regionalplan. Dabei würde auch überprüft, ob die Alpen weiterhin Ausschlussgebiet bleiben, sagte Cornelia Kübler, Regionsbeauftragte für die Region Oberland bei der Regierung von Oberbayern, auf SZ-Nachfrage. Genauer wollte sie sich nicht äußern, ebenso wenig die Landräte von Miesbach und Garmisch-Partenkirchen, Jakob Kreidl und Harald Kühn: Eine fundierte Diskussion könne erst mit dem neuen Regionalplan stattfinden.