Wackersberg:Energie tanken am Fuße des Blombergs

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Wackersberg: Heimeligkeit mit Holz und Fellen: Sebastian Sixt in seinem Gartenlokal Ding Dong, das er gegenüber des Blombergs betreibt.

Heimeligkeit mit Holz und Fellen: Sebastian Sixt in seinem Gartenlokal Ding Dong, das er gegenüber des Blombergs betreibt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Mit einem Jurtendorf möchte der Tölzer Sebastian Sixt den Menschen die Natur näher bringen. Im Frühling soll es gleich neben seinem Wackersberger Gartenlokal Ding Dong am Stallauer Weiher eröffnen.

Von Arnold Zimprich

Kalt ist es unten am Stallauer Graben, dem Bach, der die Bundesstraße 472 vom Stallauer Weiher an Richtung Osten begleitet - eiskalt sogar. Raureif bedeckt das Brennholz, das Sebastian Sixt vor seinem Gartenlokal mit den Namen "Ding Dong" aufgehäuft hat, und wer eine dick gefütterte Jacke angezogen hat, kann froh sein. "Im Winter ist die Sonne hier früh weg", sagt Sixt, "dafür ist sie im Sommer umso länger da."

Etwas mehr Wärme würde man sich angesichts der frostigen Umgebung schon wünschen. Das Ding Dong verströmt jedoch auch im tiefsten Winter eine Heimeligkeit, die einen die Kälte bald vergessen macht. Liebevoll hat Sixt das für sich genommen etwas langweilige Blockhaus, in dem einst die Krapfenhütte untergebracht war, mit alten Holzelementen aufgehübscht, ein kleiner Anbau ist entstanden, ausstaffiert mit allerlei buddhistischen Devotionalien. Mit Fellen bedeckte Sitzgelegenheiten und zwei Feuerplätze laden zum Verweilen ein, man spürt die positive Aura dieses Ortes.

Sein Gartenlokal Ding Dong hat Sixt im Oktober 2020 eröffnet, "das ging voll ab", erinnert er sich. "Ich bin hier gut vernetzt, das hat sich herumgesprochen." Seine Spezialität sind überbackene Vinschgerl, die er ebenfalls Ding Dong getauft hat. Ding Dong? Was es mit dem Namen auf sich hat, erklärt der Tölzer so: "Die Thailänder sagen Ding Dong, wenn sie etwas verrückt finden". Ein bisschen verrückt, im positiven Sinn - so könnte man auch Sebastian Sixt ganz gut beschreiben. Man könnte aber auch "authentisch" sagen.

Sixt hat acht Jahre lang das Siam Gym, ein Sport-Studio für Thai-Boxing, in Tölz betrieben und viel Zeit in Thailand verbracht. Sein längster Aufenthalt ging über ein Dreivierteljahr. Einige Erinnerungen schmücken seitdem seinen Körper: Seine Arme sind mit kleinen buddhistischen Tattoos, sogenannten Sak Yants, bedeckt. Zu Sixts Erfahrungen gehören aber auch Niederschläge: Sein Versuch, in einer Jurte auf einem Privatgrundstück im Tölzer Norden zu leben, schlug fehl - das Landratsamt versagte ihm eine Genehmigung. "Diese Bürokratie ist typisch deutsch", sagt er dazu. Doch der Tölzer ließ sich nicht unterkriegen, er dachte stattdessen eine Nummer größer. Und für sein nächstes Projekt hat ihm der Wackersberger Gemeinderat jüngst grünes Licht gegeben: ein Jurtendorf am Stallauer Weiher.

"Das wird einen Charakter haben wie ein Gallierdorf" schwärmt Sixt und zeigt auf den Wiesengrund, auf der er sein Jurtendorf entstehen soll. Drei miteinander verbundene Großzelte will Sixt hier aufbauen, dazu einen Lagerplatz mit Feuer, auch einen Sanitärbereich mit Duschen hat er geplant, untergebracht in einem alten Bauwagen, der auf der aktuell noch leeren Wiese auf seinen Einsatz wartet.

Waldkindergarten Jurte Mürnsee

Mit großen Jurten, wie hier am Waldkindergarten in Bad Heilbrunn, möchte Sixt einen "Ort der Begegnung" schaffen.

Das Jurten-Ensemble möchte der Tölzer multifunktionell einsetzen, wie er sagt. "Übernachtungen, Hochzeiten, Yoga, Kinderprogramme wie beim Ferienpass" - der gelernte Koch sprüht vor Ideen für sein Herzensprojekt. Um das Dorf herum sollen Permakulturgärten entstehen, in denen verschiedene Pflanzenarten miteinander vernetzt auf nachhaltige Weise angebaut werden: zum Beispiel Erdbeeren, Knoblauch und Obstbäume. Vermarkten will Sixt die Jurten zunächst über das Internet-Portal Airbnb, "das ist am einfachsten".

Reich werden will der 34-Jährige damit nicht, wie er betont. "Das ist nicht so auf Profit ausgelegt", sagt er über sein Projekt. Es gehe ihm hauptsächlich darum, die Menschen zurück zur Natur zu führen, "weg vom Computer, weg vom Handy". Ein Naturschwimmteich sei auf dem Gelände vorhanden, durch die Lichtkuppeln der Jurten werde man die Sterne beobachten können. "Die Leute sollen die Elemente spüren", sagt Sixt. "Smartphones saugen die Energie. Hier kann man Energie tanken." Einen "Ort der Begegnung" wolle er schaffen. Es sollen Geschichtenerzähler und Musiker kommen. Davon kennt Sixt einige, schließlich hat er bis vor zwei Jahren das Tölzer Musikpub "Shelter" betrieben. "Ich brauch' eigentlich nur noch loslegen", sagt er und schaut auf die Wiese. Sein Jurtendorf am Fuße des Blombergs will Sixt im kommenden Frühjahr eröffnen.

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