Bilanz für 2021:Urlaubsziel Tölzer Land

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Bilanz für 2021: Ein Hingucker ist der Walchensee. Kein Wunder, dass er bei Ausflüglern und Urlaubern beliebt ist.

Ein Hingucker ist der Walchensee. Kein Wunder, dass er bei Ausflüglern und Urlaubern beliebt ist.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Landkreis wird bei Touristen immer beliebter, auch für längere Aufenthalte. Nur private Vermieter verzeichnen ein Minus.

Von Alexandra Vecchiato

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist reich an Kultur- und Naturschätzen. Seine Seen und Wälder haben Maler wie Lovis Corinth oder Franz Marc inspiriert. Sportler kommen ebenso auf ihre Kosten. Die vielseitigen Freizeitmöglichkeiten machen den Landkreis zur beliebten Urlaubsdestination. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Auch woanders ist es schließlich schön. Um im Geschäft zu bleiben, unternimmt der "Tölzer Land Tourismus" große Anstrengungen. Dass die durchaus Erfolg zeigen, konnten Fachbereichsleiter Andreas Wüstefeld und sein Team nun dem Kreis-Tourismusausschuss berichten. Sein Fazit: "Im überregionalen Vergleich schauen wir nicht schlecht aus." Die Touristen bleiben wieder länger im Landkreis (durchschnittlich etwa vier Tage), der als Haupturlaubsziel immer beliebter wird.

Wüstefeld stellte die regionalen Tourismusdaten aus dem Jahr 2021 vor. Man müsse berücksichtigen, dass erst im Mai des vergangenen Jahres die coronabedingen Einschränkungen aufgehoben worden seien, sagte der Tourismusexperte. Das habe einen wesentlichen Einfluss auf Anfragen, Buchungen und Übernachtungen gehabt. "Dennoch sind die Zahlen passabel." Im Vergleich zu 2020 gab es im vergangenen Jahr sogar ein leichtes Plus von 0,2 Prozent bei den Gästeankünften. Konkret bedeutet dies, dass 291 683 Gäste im Landkreis angekommen sind. Bei den gewerblichen Anbietern - darunter versteht man Unterkünfte mit mehr als neun Betten - sieht es noch ein wenig besser aus: Dort gab es mit 263 043 Ankünften ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zu 2020. Bei den Übernachtungen gab es insgesamt gesehen ein Minus von 1,6 Prozent. Allerdings traf dieser Rückgang die gewerblichen Anbieter weniger stark. Mit insgesamt 911 750 Übernachtungen verbuchten sie im Vergleich zu 2020 einen Zuwachs von 3,6 Prozent.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Rückgänge hauptsächlich die Privatvermieter betroffen haben. "Die sind ins Minus gerutscht", sagte Wüstefeld. Weshalb ihm diese Vermietergruppe Sorge bereite, da sie bei den staatlichen Corona-Finanzhilfen "unten durchgefallen" sei. "Aber gerade sie halten das Tourismusbewusstsein in den Orten hoch und sind deshalb wichtig", so Wüstefeld. Ihnen wolle sein Fachbereich künftig mehr unter die Arme greifen. Eine Handreichung möchte der "Tölzer Land Tourismus" den Vermietern im Landkreis geben, da das Urlaubmachen angesichts der wachsenden Unkosten zwangsläufig teurer werden muss. Bei Fragen, wie sie ihre Kosten etwa für Energie umlegen können und um wie viel sie ihre Preise anheben dürfen, möchten Wüstefeld und sein Team beratend zur Seite stehen. "Die Vermieter schlittern sonst von einer Krise in die nächste", sagte er mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Beim Vergleich mit den Nachbarlandkreisen braucht sich Bad Tölz-Wolfratshausen nicht zu verstecken. Wüstefeld präsentierte die Zahlen zu den Übernachtungen in gewerblichen Betrieben mit zehn Betten und mehr: 2021 konnte das Tölzer Land ein Plus von 3,6 Prozent vermelden. Die Landshauptstadt München hatte einen Zuwachs von 13 Prozent. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen verzeichnete indes ein Minus von 22,2 Prozent, im Kreis Miesbach sanken die Übernachtungszahlen um 8,2 Prozent. Auch im Landkreis Erding ist ein Minus zu verbuchen, in Höhe von 9,2 Prozent. Letzteren ziehe er zum Vergleich heran, da dort die Flughafenhotels stünden, sagte Wüstefeld. "Selbst die haben gelitten."

Bilanz für 2021: Das Damenradrennen bei den European Championships führte durch Wolfratshausen nach München. Werbung für das Landkreis-Image inklusive.

Das Damenradrennen bei den European Championships führte durch Wolfratshausen nach München. Werbung für das Landkreis-Image inklusive.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Hauptsächlich Deutsche machen im Tölzer Land Urlaub. Ein Viertel kommt sogar aus dem Freistaat selbst. Wüstefeld hat für die Zukunft noch ein anderes Klientel im Auge - nicht zuletzt dank des EM-Radrennens durch den Landkreis im August dieses Jahres. Das Rennen der Herren hätten rund 1,5 Millionen Zuschauer in Deutschland verfolgt. Hinzu kämen noch all jene Sportbegeisterten an den Bildschirmen in Frankreich, Italien, Spanien und den Beneluxstaaten. Bilder vom Walchensee, Lenggries, Bad Tölz, Wolfratshausen oder dem Schloßberg in Eurasburg, die "Tour-de-France-Feeling" verbreiteten, seien eine kostenlose Werbung von unschätzbarem Wert für das Landkreis-Image gewesen.

Was ihn nachdenklich stimme, betonte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) in der Sitzung: dass die Bürger nicht von den Vorteilen des Tourismus für ihren Heimatlandkreis überzeugt seien. Das hat eine Umfrage ergeben. Nur 33 Prozent der Befragten hätten für sich einen Gewinn erkannt, betonte Wüstefeld. Dabei profitierten die Einheimischen ebenso wie Touristen von Rad- und Wanderwegen, der vielfältigen Gastronomie - "ja, vom kleinen Bäcker nebenan, den es sonst vielleicht gar nicht mehr gäbe", sagte Wüstefeld. Urlauber würden eher als Belastung gesehen, ergänzte der Landrat. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass Naherholungssuchende einen "irren Umsatzfaktor" ausmachten. 51 Prozent der Bruttoumsätze im Landkreis stammten von Tagesausflüglern. Die Lenkung der Besucher allerdings stelle eine große Aufgabe für die Zukunft dar, damit es nicht mehr zu solchen belastenden Situationen wie kilometerlangen Staus am Walchensee zu Corona-Zeiten komme, betonte Wüstefeld. Daher sieht der "Tölzer Land Tourismus" in den kommenden Jahren mehr das Management als das Marketing als seine Hauptaufgabe.

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