Geretsried:Diffuse Drohung per Paketpost

Lesezeit: 1 min

Geretsried: Andreas Wagner.

Andreas Wagner.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Andreas Wagner wird erneut schikaniert, vermutlich von Rechtsradikalen

Von Marie Heßlinger

Die Einschüchterungsversuche gegenüber dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten der Linken Andreas Wagner gehen weiter. Am Dienstag hat der Politiker ein DHL-Paket vor seiner Türe in Geretsried vorgefunden, adressiert an Andreas Yehuda Wagner. Yehuda kommt aus dem Hebräischen, die Bezeichnung "Jude" leitet sich daraus ab. Schon in den Tagen zuvor wurde Wagner vermutlich aus dem rechtsextremen Spektrum bedroht.

Mehr als zehn Kilo war das Paket schwer und enthielt 25 Infobroschüren und Plakate der Ministerien der Bundesregierung, die auf Wagners Namen bestellt worden waren. Die Themen der Plakate waren wahllos. Eines etwa informierte über die Freigabe zur Adoption. Wenig später erreichten Wagner zwei Briefsendungen mit Infomaterial unter anderem aus dem Gesundheitsministerium. Derlei Broschüren lassen sich kostenlos bei den Ministerien anfordern. Für Wagner war nun klar, dass die Störungen der vergangenen Tage einer gewissen Systematik folgten. "Es hat eine andere Qualität als das, was ich bisher erlebt habe", sagte der 49-Jährige der SZ.

Angefangen haben die Schikanen am Mittwoch vergangener Woche mit einem Scherzanruf aus dem Internet - ein angeblicher Pizzabote meldete sich am Apparat. In den Tagen danach brachen die Anrufe nicht ab. Unternehmen meldeten sich auf angebliche Rückrufbitten von Wagner zurück. Am Freitag fand Wagner schließlich einen Sticker aus rechtsextremen Kreisen in seinem Briefkasten: Ein Mann zielt darauf mit einer Schusswaffe auf den Betrachter, rundherum ist der Schriftzug "Good Night Left Side" zu lesen. Wagner erstattete Strafanzeige bei der Polizei.

Die Paket- und Briefsendungen hat die Kriminalpolizei Weilheim nun ebenfalls in die Anzeige aufgenommen. Zum aktuellen Ermittlungsstand äußert sie sich nicht. Wagner selbst reagiert auf die Drohgebärden betont ruhig. "Ich nehme so etwas schon ernst", sagte er der SZ, "versuche es allerdings nicht überzubewerten." Aufgrund der Corona-Pandemie sei die Stimmung jedoch aufgeheizter als in den Jahren zuvor. Jeder Einschüchterungsversuch sei inakzeptabel, sagte er der SZ, und müsse von allen Demokratinnen und Demokraten zurückgewiesen werden. Wagner hat vermehrt darauf aufmerksam gemacht, dass an den unangemeldeten Protestmärschen gegen Corona-Maßnahmen auch Rechtsextreme teilnehmen.

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