SZ-Naturserie:Dreckspatz? Von wegen!

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SZ-Naturserie: Der Feldsperling

Der Feldsperling

(Foto: Konrad Wothe)

"Da schau her": Durch den Frühling mit Konrad Wothe.

Von Stephanie Schwaderer, Penzberg

Die Welt ist voller Wunder, man muss sie nur sehen. Der preisgekrönte Naturfotograf und Tierfilmer Konrad Wothe aus Penzberg fängt die Schönheit der Natur vor unserer Haustür ein. In der SZ-Serie "Da schau her" präsentiert er Schätze, die es mit dem Frühling in der erwachenden Natur zu entdecken und zu bewahren gilt.

"Das ist ein Feldsperling beim Anflug auf einen Meisenknödel. Er pflegt sich ganz akribisch, denn ein gesundes Gefieder ist seine Lebensversicherung gegen seinen Hauptfeind, den Sperber. Ein Sandbad hin und wieder hilft ihm, Parasiten fernzuhalten. Von Dreckspatz kann also keine Rede sein.

Spatz ist nicht gleich Spatz. Der Feldsperling ist etwas kleiner als sein Vetter, der Haussperling, und wie dieser in fast ganz Eurasien zu Hause, von Portugal bis Kamtschatka. Das Besondere an diesem Vogel ist, dass Männchen und Weibchen gleich aussehen. Man erkennt sie am dunklen Wangenfleck und der schokoladenbraunen Kopfkappe.

Alle Spatzen lieben Gesellschaft. Sie sitzen gerne in Horden tschilpend im Busch oder in der Hecke. Und während die meisten anderen Vögel Eindringlinge sofort aus ihrem Revier vertreiben, brüten sie mit Vorliebe in Kolonien - in Baumhöhlen oder Nistkästen, gerne auch unterm Dachfirst.

Wir haben sieben Feldsperlingnester an unserem Haus und im Garten. Vergangenes Jahr waren aber nur fünf davon belegt. Die Spatzen verschwinden aus unserer Umgebung. Wie die meisten Kleinvögel sind sie bei der Jungenaufzucht auf Insekten angewiesen. Und deren Bestand ist massiv eingebrochen vor allem durch die Ackergifte.

Zurzeit kommen die Feldsperlinge noch gerne ans Futterhäuschen, genauer: an die Meisenknödel. Kerne aus der Schale mögen sie nicht. Wenn die Jungen geschlüpft sind, brauchen sie Insekten. Ob man ganzjährig füttern soll oder nicht, ist eine heftig umstrittene Frage. Ich bin da eher skeptisch. Wer auch im Sommer nicht darauf verzichten will, weil er die Vögel gerne aus der Nähe beobachtet, sollte auf jeden Fall Fettfutter mit Insekten kaufen, auch wenn es teurer ist."

SZ-Naturserie: Konrad Wothe hat sein Leben lang die Welt bereist, derzeit geht er zum Fotografieren vor die Haustür.

Konrad Wothe hat sein Leben lang die Welt bereist, derzeit geht er zum Fotografieren vor die Haustür.

(Foto: Stefanie Wothe/OH)
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