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Vogelgrippe am Starnberger See:Weihnachtsgans in Gefahr

Auf der Weide sind sie gefährdet, im Stall ist es ihnen zu eng. Robert Mayr hat seine Gänse deshalb frühzeitig geschlachtet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Virus ist im Landkreis angekommen: Nun müssen Halter die Ausbreitung auf ihr Geflügel verhindern. Manch einer hat seine Vögel schon geschlachtet.

Die Vogelgrippe hat nun auch den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erreicht. Eine Wildente, die in Ambach (Gemeinde Münsing) am Starnberger See von einem Spaziergänger gefunden worden war, wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut positiv getestet, wie das Landratsamt am Freitag mitgeteilt hat. Vögel müssen seit 18. November ohnehin in ganz Bayern im Stall bleiben. Während Hühnerhalter das relativ leicht umsetzen können, weil ihre Ställe verhältnismäßig viel Fläche pro Huhn vorsehen, tun sich Halter von Gänsen und Enten schwerer.

Deren Ställe sind meist kleiner, denn die Tiere bleiben sonst den ganzen Tag über draußen und schlafen nur im Stall. So sind sie aber auch besonders gefährdet. Denn ein kranker Wildvogel, der über die Gänseschar hinweg fliegt und dabei etwas fallen lässt, kann schnell einen ganzen Bestand mit der hochansteckenden, tödlichen Geflügelpest infizieren. Darum genehmigt das Landratsamt keine Ausnahmen.

Aber auch in den Ställen droht Gefahr: Um zu merken, ob sich Gänse oder Enten angesteckt haben, laufen in den Beständen "Sentinel"-Hühner mit: Hühner werden schneller und heftiger krank als Wasservögel, die oft kaum Symptome zeigen, erklärt Marlis Peischer, Sprecherin des Landratsamts. Wird bei einem solchen Wachhuhn das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen, muss der gesamte Bestand gekeult werden, auch die Gänse und Enten können dann nicht mehr verkauft und verzehrt werden. Außerdem laufe "die ganze Maschinerie" an, sagt Peischer, mit einem Sperrbezirk rund um den Betrieb. Nichts, was mit Vögeln zu tun habe, dürfte dann noch hinein oder hinaus.

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Die Stallpflicht gilt deshalb für Hausgänse und -enten ebenso wie für Hühner. Manche Gänsehalter schlachten lieber gleich ihren Bestand. So hat es Robert Mayr gehandhabt, der "Toni-Bauer". Um den Tieren das Eingesperrtsein zu ersparen, hat er seine 150 Gänse und 60 Enten geschlachtet und tiefgefroren. Alle Tiere des kleinen Geretsrieder Betriebs waren seit langem vorbestellt, als Weihnachtsbraten. Viele Kunden hätten die Tiefkühl-Vögel auch schon abgeholt, sagt Mayr. Die Schlachtung etwa drei Wochen früher als sonst bezeichnet er als reine Vorsichtsmaßnahme. Beim ersten Alarm habe man damit begonnen. Die vorgezogene Schlachtung sei das einzig Richtige gewesen. Die Kunden, meist langjährige Stammkunden, hätten das verstanden. Am Gewicht der Gänse hätte sich in der kurzen Zeit auch nichts mehr geändert, denn beim Toni-Bauern wird das Geflügel nicht gemästet, sondern weidet auf der Wiese und bekommt zusätzlich etwas Getreide.

Während Mayr die Stallpflicht als Vorsichtsmaßnahme durchaus begrüßt, sind andere Halter nicht so einsichtig, berichtet Peischer. Manche hätten vielleicht auch nicht verstanden, dass die Anordnung auch für sie gilt. Am Freitagnachmittag jedenfalls waren die Amtstierärzte Anton Wurm, Leiter des Veterinäramts, und Georg Unterholzner unterwegs, um solche aufzusuchen, die ihr Geflügel noch nicht eingesperrt hatten. Wer seine Tiere nach dem Gespräch mit den Veterinären immer noch hinauslasse, müsse mit einem Bußgeld rechnen, sagt Peischer. Denn die Gefahr, dass sich die Krankheit doch noch unter Hausgeflügel ausbreitet, wächst, wenn die Tiere draußen sind.

Die Verbraucher gehen mit der Geflügelkrankheit diesmal gelassener um als 2006, von Hysterie oder gar Panik ist nichts zu merken. Das liege daran, dass das Virus für Menschen nicht ansteckend ist, vermutet Peischer. Es liegt aber auch am Vertrauen in die Behörden und die Geflügelzüchter. "Ich mache mir keine Gedanken, weil ich mein Geflügel regional kaufe", sagt die Kundin Eva Reiser auf dem Wolfratshauser Wochenmarkt. "Außerdem weiß man, dass unsere Ämter schnell handeln." Ingrid Funke, die ebenfalls einkauft, sieht es ähnlich: "Die Vogelgrippe ist ja für Menschen nicht gefährlich. Außerdem gehe ich davon aus, dass sich die Geflügelhalter an die Schutzmaßnahmen halten." Rosemarie Klotz vom Geflügelhof Fischer bei Schongau ist erstaunt, dass die Vogelgrippe gar kein Thema ist. Sie verkauft auf dem Wolfratshauser Markt unter anderem Eier und Geflügelfleisch. "Ich habe mich selbst gewundert, dass die Leute bisher nicht gezögert oder nachgefragt haben, wie es bei uns ausschaut", sagt sie. Die Krankheit selbst mache ihr keine Sorgen, "weil unser Geflügel schon im Stall ist. Das ist ja Vorschrift. "

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