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Debatte um Wolfratshauser Krankenhaus:"Kein Alibistandort"

Mitarbeiter der Kreisklinik halten derzeit jeden Tag zwischen 16 Uhr und 18 Uhr eine Mahnwache ab.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Landrat Niedermaier schreibt erneut an die Klinik-Belegschaft

In der Debatte um die Zukunft der Kreisklinik in Wolfratshausen hat sich Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) erneut mit einem Schreiben an die Belegschaft des Krankenhauses gewandt. Darin beklagt er, dass der Erhalt kleiner Krankenhäuser durch gesetzliche Vorgaben, komplizierte Finanzierungsregeln und andere regulatorische Maßgaben wissentlich erschwert werde. Dadurch solle der auf Bundesebene angestoßene Strukturwandel zugunsten großer Häuser vorangetrieben werden. "Aber wir wollen und werden uns diesem Druck nicht beugen", so Niedermaier.

Für ihn habe der Erhalt der Kreisklinik absolute Priorität, versichert der Landrat in seinem Schreiben - "und zwar nicht als Alibistandort, sondern als stationäres Haus der Grund- und Regelversorgung". Es zeichne sich allerdings jetzt schon ab, dass man nicht untätig bleiben dürfe, "sonst laufen wir Gefahr, dass es uns in ein paar Jahren vom Platz fegt, ohne dass wir etwas dagegen tun können", so Niedermaier. Man müsse also einen Weg finden, um "das System zu überlisten".

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Landrat Josef Niedermaier will die Kreisklinik in eine sichere Zukunft steuern - doch sein eingeschlagener Kurs ist sehr umstritten.

Niedermaier will sich kommende Woche deshalb vom Kreistag für Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern legitimieren lassen. Für diese Verhandlungen gebe es ein paar unverrückbare Positionen, schreibt Niedermaier, etwa eine 24/7-Notaufnahme, wie sie nun auch wortwörtlich in der aktualisierten Beschlussvorlage für den Kreistag drin steht. Über die genaue Form der Zusammenarbeit kann Niedermaier allerdings noch nichts sagen, "weil immer zwei zum Tanzen gehören" und der künftige Partner eben noch nicht feststehe. Klar ist allerdings, dass dieser "strategische Partner" das Krankenhaus künftig auch betreiben soll.

In den Rathäusern in Wolfratshausen und Geretsried hat man Bedenken, dass in der Kreisklinik künftig noch das gleiche Leistungsspektrum angeboten wird, wenn sich der Landkreis dort als Betreiber zurückzieht. In einer gemeinsamen Sondersitzung wollen die beiden Stadträte am Montagabend deshalb eine Resolution verabschieden, die den Verbleib der Kreisklinik in kommunaler Hand zum Ziel hat.

Unverändert werden auch die Pläne für ein Bürgerbegehren vorangetrieben, sollte die Kreisklinik doch veräußert werden. Der Unterstützerverein "Freunde der Kreisklinik Wolfratshausen" kommt als Initiator aber nicht infrage, wie von der Wolfratshauser CSU vorgeschlagen. Der Verein will sich aus politischen Angelegenheiten lieber heraushalten.

© SZ vom 12.05.2021 / zif
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