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Königsdorf:Anklage im Mordfall Höfen

Großeinsatz der Polizei nach der Tat in Höfen. Das brutale Verbrechen hat die Menschen im Landkreis und in Deutschland entsetzt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Staatsanwaltschaft legt vier polnischen Staatsangehörigen Mord, erpresserischen Menschenraub und besonders schweren Raub zur Last. Der Prozess soll im ersten Halbjahr 2018 beginnen.

Der brutale Raubüberfall mit zwei Ermordeten und einer Schwerstverletzten in Höfen bei Königsdorf entsetzte zu Beginn des Jahres nicht nur den Landkreis, sondern ganz Deutschland. Nun hat die Staatsanwaltschaft München II Anklage erhoben, und zwar gegen vier polnische Staatsangehörige im Alter von 24 bis 49 Jahren. Bei ihnen handelt es sich um jene Personen, die die Polizei im März und April mit teils internationalem Haftbefehl gesucht und schließlich als dringend tatverdächtig festgenommen hatte: Eine 49-jährige Pflegekraft, ihr sechs Jahre jüngerer Bruder, ihr heute 24-jähriger Sohn sowie ein 33-jähriger Bekannter der drei. Ihnen legt die Staatsanwaltschaft Mord, erpresserischen Menschenraub und besonders schweren Raub zur Last.

Nach Angaben von Oberstaatsanwältin Andrea Mayer wird drei der vier Angeklagten konkret vorgeworfen, in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 2017 in das Haus einer damals 76-jährigen Königsdorferin im Ortsteil Höfen eingebrochen zu sein. Dort sollen die drei Männer unter massiver Gewaltanwendung die verwitwete Hausbesitzerin sowie eine ebenfalls 76-jährige Frau aus dem Raum Frankfurt und einen 81-jährigen Mann aus NRW, die sich zu Besuch in dem Haus aufhielten, überwältigt haben. Die Täter entwendeten Bargeld in fünfstelliger Höhe sowie diverse Schmuck- und Wertgegenstände. Ihre Opfer ließen sie in hilflosem Zustand zurück. Infolge der erlittenen, schweren Misshandlungen starben die beiden Besucher vermutlich noch in der Tatnacht. Die Hausbesitzerin wurde am Abend des 25. Februar, also rund drei Tage später, schwer verletzt und in akuter Lebensgefahr in dem Anwesen aufgefunden, nachdem Nachbarn die Polizei verständigt hatten.

Die vierte Angeklagte war im Jahr zuvor in dem Höfener Haus tätig gewesen. Sie pflegte den Ehemann der Hausbesitzerin. Ihr wirft die Staatsanwaltschaft vor, sie habe den Plan für den Einbruch entwickelt und abgesprochen. An der möglichen Beute sollten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft alle vier Personen gleichermaßen beteiligt werden.

Das Gewaltverbrechen in dem bis dahin ruhigen, ja beschaulichen und etwas abseits gelegenen Weilers hatte große Unruhe hervorgerufen. Polizeipräsident Robert Kopp sprach von einem "überaus schockierenden und brutalen Verbrechen", wie es in der Region zumindest in jüngster Zeit beispiellos sei, Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel von einem Gefühl der Ohnmacht. Die Bürger waren stark verunsichert. Die Polizei setzte daraufhin Streifen, Hunde und auch berittene Beamte ein, um eine starke Präsenz zu zeigen. Derweil arbeitet die Soko Höfen mit Hochdruck und akribisch an der Lösung des Falls.

Die Ermittlungen konzentrierten sich bereits kurz nach der Tat auf die Annahme, dass das Haus nicht zufällig ausgewählt worden war. DNA-Treffer und die Auswertung von Telekommunikationsdaten führten schließlich auf die Spur der Angeklagten. Rund fünf Wochen nach der Tat wurde schließlich der letzte Tatverdächtige, der Bruder der Pflegekraft, der bereits wegen Einbruchs in Deutschland vorbestraft ist, im polnischen Stettin festgenommen.

Nach Auskunft der Gemeinde habe sich das überlebende Opfer, die Hausbesitzerin, inzwischen körperlich erholt. Seelisch aber habe das Verbrechen Spuren hinterlassen. Sie sei derzeit zurück in gewohntem Umfeld und werde betreut.

Alle vier Beschuldigten befinden sich bereits in Deutschland in Untersuchungshaft. Der Prozess wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2018 stattfinden.