Positives Resümee der Polizei:Sperrzeiten am Kesselberg zeigen Wirkung

Positives Resümee der Polizei: Motorradfahrer lieben den Kesselberg, dürfen aber zwischen 15 und 22 Uhr dort nicht mehr hinauffahren.

Motorradfahrer lieben den Kesselberg, dürfen aber zwischen 15 und 22 Uhr dort nicht mehr hinauffahren.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Die Zahl der Motorradunfälle ist seit dem Fahrverbot deutlich zurückgegangen. Die Regeln gelten auch im kommenden Jahr.

Von Petra Schneider, Kochel am See

Seit Jahren wird versucht, die gefährliche Situation am Kesselberg zu entschärfen. Bereits 1978 wurde ein Verbot von Bergauffahrten für Motorradfahrer an Wochenenden und Feiertagen erlassen, das Straßenbauamt brachte Rüttelstreifen und Fahrbahnteiler auf, die Kontrollen wurden verschärft. Durchschlagenden Erfolg hatte all dies nicht, die Unfallzahlen blieben hoch. In dieser Saison wurden die Sperrzeiten nun noch einmal ausgeweitet: Zwischen April und Ende Oktober galt an allen Tagen ein Verbot von Bergauffahrten mit dem Motorrad von 15 bis 22 Uhr auf dem Streckenabschnitt zwischen Altjoch und Urfeld. Die Zwischenbilanz des zweijährigen Pilotversuchs fällt gut aus: Die Zahl der Motorradunfälle war heuer deutlich niedriger als im Vergleichszeitraum 2018 bis 2022.

Die allermeisten Motorradfahrer hielten sich an die Sperrzeiten, Verstöße seien "überschaubar" gewesen, erklärte Steffen Wiedemann von der Polizei Kochel bei einem Pressegespräch der Unfallkommission am Dienstag. Allerdings lasse sich ein "Verdrängungseffekt" beobachten: Sportfahrer, die das mehrmalige Befahren der Serpentinen als Ziel verstehen, wichen nun oftmals in das Sylvensteingebiet oder Richtung Sudelfeld aus.

Die Motorrad-Unfälle sind von mehr als 20 im Jahr auf zwölf gesunken

Am Kesselberg gab es in den Jahren 2018 bis 2022 durchschnittlich 28,4 Unfälle jährlich, bei fast 21 davon waren Motorradfahrer beteiligt. In dieser Saison ist die Gesamtzahl auf 21 gesunken, die Motorradunfälle auf zwölf. Wurden in den Jahren zuvor 73 Prozent der Unfälle von Motorradfahrern verursacht, waren es heuer 57 Prozent. Auffällig ist, dass bei Unfällen sehr häufig Fahranfänger involviert waren. "Die Hälfte waren junge Motorradfahrer bis 20 Jahre", erklärte Wiedemann. Insgesamt sei die Tendenz aber erfreulich. "Wir haben mit den Sperrzeiten die Zwecke erreicht". Diese gelten zwischen 15 und 22 Uhr, weil sich an den Zahlen der Vorjahre ablesen ließ, dass 78 Prozent aller Unfälle in diesem Zeitraum passieren.

Die Fahrverbote seien von den Motorradfahrern weitestgehend eingehalten wurden, sagte Wiedemann. Verstöße, die mit 50 Euro geahndet werden, seien "überschaubar" gewesen. Zwei bis drei "Wiederholungstäter" habe es gegeben, die dann mit 130 Euro inklusive Gebühren zur Kasse gebeten wurden. Generell müsse man unterscheiden zwischen Tourenfahrern, die den Kesselberg als Abschnitt einplanen, und Sportfahrern, die mit hochmotorisierten "Monstermaschinen", nicht selten "20 mal den Kesselberg rauf und runter fahren". Diese Gruppe weiche nun auf andere Strecken aus. Vor allem am Sylvenstein, auf der B 307 zwischen Vorderriß und Kaiserwacht, sowie der B 13 südlich der Bretonenbrücke sei eine "erhebliche Zunahme von Motorradfahrern feststellbar", sagte Wiedemann. Bislang sind die Unfälle dort aber nicht mehr geworden; im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen sogar von durchschnittlich neun auf sieben gesunken. Dies sei vor allem der massiven Überwachung zu verdanken, die die "Kontrollgruppe Motorrad" an Hotspots in ganz Oberbayern durchführe.

Auch der Lärm hat abgenommen, sagen die Anwohner

Die täglichen Sperrzeiten ab Nachmittag für Bergauffahrten werden in der kommenden Saison auf jeden Fall noch gelten. Denn belastbare Rückschlüsse ließen sich erst nach einer zweiten Probephase ziehen, um andere Faktoren auf das Unfallgeschehen, wie etwa das Wetter, auszuschließen. Ende Oktober 2024 endet das zweijährige Pilotprojekt. "Dann werden wir sehen, wie es weitergeht", sagte Lars Werner von der Polizei Bad Tölz. Weil der Kesselberg eine Bundesstraße sei, müsse mit den zuständigen Behörden Rücksprache gehalten werden. Verbesserungen haben sich offenbar auch in Bezug auf den von Anwohnern viel beklagten Motorradlärm ergeben. Im Rahmen der ADAC-Kampagne "Leise kommt an", an der sich auch die Gemeinde Kochel beteiligt, waren an den Zufahrtsstraßen Richtung Kesselberg Banner aufgestellt worden. "Die Rückmeldungen der Bevölkerung haben ergeben, dass es mit dem Lärm besser geworden ist", sagte Wiedemann.

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