Start ins Jahr 2024:Von Wasserbüffeln und Naturdetektiven

Start ins Jahr 2024: Noch ist das Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern eine Großbaustelle. Der Mittelrisalit ist komplett eingerüstet.

Noch ist das Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern eine Großbaustelle. Der Mittelrisalit ist komplett eingerüstet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Nach den schweren Hagelschäden schaut das Team des Zentrums für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern nach vorne und legt ein vielseitiges Bildungsprogramm für alle Altersklassen vor.

Von Alexandra Vecchiato, Benediktbeuern

Benedikt Hartmann kann wieder lachen. Nach den schweren Hagelschäden Ende August 2023 präsentieren der Leiter des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern und sein Team das Bildungsprogramm für dieses Jahr - und das kann sich sehen lassen. "Für mich ist das heute ein wahnsinnig schöner Termin", sagte Hartmann bei der Präsentation. "Wir sind vielfältig und vielseitig unterwegs." Neben Klassikern wie der "Natursommer in Loisachtal" gibt es vom Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche über spirituelle Angebote und berufliche Fortbildungen ein breites Spektrum an Angeboten, darunter eine Wasserbüffel-Safari.

Der Maierhof, in dem das ZUK residiert, gleicht immer noch einer Großbaustelle. Gleichwohl ist in den vergangenen Monaten viel vorangegangen. Diesen Teil des Klosters Benediktbeuern hatte es besonders schwer erwischt beim Hagelsturm am 26. August 2023. Mehr als dreieinhalb Hektar Dachfläche müssen instandgesetzt werden. Wie Hartmann berichtet, sind die Dächer auf der West-, Ost- und Nordseite eingeschalt. Der Mittelrisalit hat immer noch ein Notdach. Dort könne, je nach Witterung, durchaus wieder Nässe eindringen. Überhaupt das Wasser. Fast jede Woche kommt ein neuer Schaden ans Tageslicht. Hartmann erzählt von gelben Flecken, die sich plötzlich an der Decke zeigen würden. "Das nervt schon", sagt er. Der Westflügel sei komplett entkernt. "In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wo überall Wasser eingedrungen ist. Das heißt: Ich hoffe, dass das nur Monate dauert."

Start ins Jahr 2024: Von einem neuen Holzturm aus haben die Besucher des ZUK einen Rundumblick ins Moor.

Von einem neuen Holzturm aus haben die Besucher des ZUK einen Rundumblick ins Moor.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Über die Höhe des Schadens mag er nicht sprechen, solange keine klare Aussage getroffen werden kann. Dass es sich um einen hohen sechsstelligen Betrag handeln werde, der den ZUK-Haushalt sprengt, dürfte klar sein, meint Hartmann. Eines könne er berichten: Nach dem Hagel war auch das Naturlehrgebiet zerstört. Dort habe man für 60 000 Euro neue Bäume und mehr, etwa einen Holzaussichtsturm, schaffen können. "Mit Unterstützung des Landratsamts."

Immerhin kann das ZUK Gäste wieder beherbergen, auch wenn das Gästehaus nicht zur Verfügung steht. 25 Zimmer von insgesamt 43 sind hergerichtet. Drei von 15 Tagungsräumen können genutzt werden. "Wer zu uns kommt, muss aber immer noch flexibel sein", sagt Hartmann - eben wegen der plötzlich auftretenden Wasserschäden.

Für jeden gibt es ein Angebot

Aber genug von Baustelle und Hagel. Der Großteil des Bildungsprogramms findet nämlich im Freien statt. Für Veranstaltungen drinnen könne das ZUK unter anderem auf das Aktionszentrum und die Jugendherberge zurückgreifen, erzählt Doris Linke (Bereichsleitung Bildung). "Eine wunderbare Kooperation." Die Corona-Pandemie habe das ZUK-Team gelehrt flexibel zu sein. Kreativität sei gefragt. Linke verweist auf einige Highlights im Programmheft. Dazu zählt, die sogenannten Substainable Development Goals der Vereinten Nationen im Schulunterricht zu verankern. Das sind 17 weltweit vereinbarte Ziele zur nachhaltigen Entwicklung wie etwa Maßnahmen zu Klimaschutz, hochwertige Bildung oder nachhaltiger Konsum und Produktion. Bereits Ende Februar, 28. und 29., gibt es dazu eine Fortbildung für Lehrer, Umweltpädagogen und Sozialpädagogen. Auf dem Programm steht ebenfalls die Jugendkonferenz Benediktbeuern unter dem Motto "Klimapower!" von Montag, 29. April, bis Mittwoch, 1. Mai.

Die Grundlagen von "Naturschutz" müssten kommuniziert werden, sagt Gebietsbetreuer Jonathan Hehr. Erst, wenn Menschen mit dem dafür nötigen Bewusstsein und Akzeptanz vertraut seien, würden sie das schützen, was sie wertschätzten. Ein Schwerpunkt im Bereich "Naturschutz" ist alten Obstsorten und Streuobstwiesen gewidmet. Exkursionen, ein Tag des offenen Gartens und mehr findet sich im Bildungsprogramm des ZUK. Wer mehr über den Vogel des Jahres 2024, den Kiebitz, lernen möchte, sollte ebenfalls im ZUK vorbeischauen.

Unterwegs mit dem Raumschiff Erde

Andrew Blackwell (Umweltjugendbildung) indes möchte auf zwei Angebote für Kinder aufmerksam machen. Zum einen ist das die Ferienfreizeit "Unterwegs mit dem Raumschiff Erde" für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Fünf Tage dauert das Natur-Abenteuer im August. Zum anderen sind es die ZUK-Naturdetektive, eine fixe Gruppe von Kindern, die sich das ganze Jahr regelmäßig trifft.

Zum Schluss ist Benedikt Hartmann eines noch wichtig. Bildung dürfe nicht am Geldbeutel festgemacht werden, sagt er. Im Klartext: Wer sich eine Teilnahme finanziell nicht leisten könne, soll sich melden. "Dann machen wir was möglich", betont Hartmann - auch wenn das ZUK gerade selbst ganz dringend Sponsoren brauche. Da die Einnahmen des vom Hagel zerstören Gästehauses fehlten, müssten die Kosten für das Bildungsprogramm auf anderem Wege gestemmt werden.

Wer mehr zum ZUK-Bildungsprogramm 2024 erfahren möchte, für den lohnt ein Blick auf die Homepage ww.zuk-bb.de. Unter "Veranstaltungskalender" kann man die einzelnen Kurse, Vorträge, Exkursionen und mehr buchen.

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