Icking Notstand bei der Kinderbetreuung

Für das Haus der Kinder in Icking kann nicht genug Fachpersonal gefunden werden. Deswegen sucht die Gemeinde nun nach Notlösungen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Gemeinde findet keine Fachkräfte, um Kinder auch nach Schulschluss noch betreuen zu können. Nun sollen die Eltern nach geeignetem Personal suchen - oder die Aufgabe selbst übernehmen.

Von Claudia Koestler

"Katastrophe", "Horror" und "Worst-Case-Szenario" - das sind nur einige der deutlichen Worte, die am Mittwochabend im Ickinger Rathaus gefallen sind. Denn: Die Kommune findet kein Fachpersonal, das kommendes Schuljahr die Kinderbetreuung nach der Schule übernehmen könnte. Von 20 Kindern, die einen Platz benötigen, können nach derzeitigem Stand nur fünf nach Schulschluss im Ickinger Haus der Kinder untergebracht werden. Für die weiteren 15 fehlt es jedoch schlicht an geeignetem Personal.

Bereits zwei Mal habe die Gemeinde Stellenanzeigen geschaltet, das hat Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) zufolge aber keine einzige Bewerbung gebracht. "Der Markt ist leer gefegt", sagte sie. Deshalb muss nun ein Plan B greifen: Die Gemeinde sucht dringend nach Bürgern, die sich vorstellen können, einige Stunden in der Woche nach Unterrichtsschluss auf Grundschüler aufzupassen, entweder bis 14 Uhr oder bis 15.30 Uhr - die genaue Zeit wird noch erhoben. Weil das aber nach Ansicht von Eltern und einigen Gemeinderäten nicht ganz ohne pädagogische Führung funktionieren kann, sucht die Gemeinde nun zudem nach einem Sozialpädagogen oder Heilerziehungspfleger, der die Laienbetreuer bei ihrer - entgeltlichen - Arbeit unterstützen soll. Ein Schuljahr gilt es so zu überbrücken, denn Icking will 2020/2021 eine Offene Ganztagsschule einrichten.

Es war eine durchaus hitzige Debatte, die zu diesem Interimsweg geführt hat - insbesondere, als Bürgermeisterin Menrad nach der Stadtratssitzung betroffene Eltern zum Gespräch ins Rathaus bat. Mindestens eine Mutter hatte es schwer, ihre Tränen zurückzuhalten ob der Situation. Als Alleinerziehende mit zwei Jobs wisse sie nun nicht, wo von Herbst an ihr Kind nach der Schule beaufsichtigt werden könne, sagte sie. Andere äußerten ihr Unverständnis darüber, dass die Situation mit dem fehlenden Fachpersonal in Icking drei Wochen vor den großen Ferien so kulminiert. "Wir kommen gerade aus den USA, das war eine völlig andere Situation, ein völlig anderes Angebot dort", sagte eine Mutter. "Hier muss ich meinen Arbeitgeber in einem Monat sagen, ob ich im Herbst wieder Vollzeit einsteigen kann, bis dahin brauche ich Gewissheit, wo meine Kinder bleiben können."

Seit elf Jahren bietet Icking eine Nachmittagsbetreuung an. "Die Plätze waren auch immer ausreichend", sagte Menrad. Es sei auch stets gelungen, das entsprechende Personal zu finden. Doch der demografische Wandel und der Fachkräftemangel spitzt sich laut Menrad extrem zu. Dass die Gemeinde auf die zwei großen Anzeigenkampagnen keine einzige Bewerbung zurückerhalten habe, das sei neu. Dass die Stellenanzeigen ausschließlich regional und nicht überregional liefen, wie einige anwesende Eltern bemängelten, erklärte Menrad damit, dass die Kommune keinen Wohnraum zur Verfügung stellen könne. "Deswegen sind wir überregional nicht interessant", so Menrad. Hier Zuschüsse zu gewähren, bewertete Geschäftsleiter Stefan Fischer als schwierig, wie der Fall der Barmherzigen Schwestern in München derzeit zeige. Dort wertete das Finanzamt Mietzuschüsse für das Personal als geldwerten Vorteil, den es zu versteuern gilt. Zudem müssten Angestellte gleichbehandelt werden, sprich, die bereits vorhandenen Erzieher und Gemeindeangestellte hätten dann auch Anspruch auf Zuschüsse. Es bleibe, so Menrad und Fischer, nur die Möglichkeit der Mittagsbetreuung in der Schule. Zwar berge das die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft mit jenen Kindern, die noch einen Platz im Haus der Kinder ergattern konnten. "Aber besser als nix", so Menrad. Sollte es gelingen, einen Pool an Eltern, Großeltern oder an der Arbeit mit Kindern interessierten Bürgern von mindestens fünf Personen zu finden, "bliebe die Belastung im Rahmen", sagte die Rathauschefin.

Nun geht es zunächst darum, den zeitlichen Bedarf genau zu erfassen, während Eltern und Gemeinderäte aufgerufen sind, womöglich geeignete und interessierte Bürger anzusprechen, ob sie sich an ein oder zwei Nachmittagen vorstellen können, Kinder zu betreuen, bis deren Eltern sie abholen können. Parallel will die Verwaltung versuchen, einen Träger zu finden - der Wolfratshauser Kinder- und Jugendförderverein hat allerdings bereits abgelehnt. Auf Hinweis von Gemeinderäten und Eltern hin soll aber auch ein Sozialpädagoge gesucht werden, der die Betreuung der Kinder durch Laien fachlich begleiten und unterstützen kann. Der Elternbeirat will zur Notlösung in Sachen Betreuung am kommenden Dienstag, 16. Juli, einen gesonderten Informationsabend ansetzen.