Geflüchtete in Wolfratshausen:Helfen statt hetzen

Geflüchtete in Wolfratshausen: Von der Geflüchteten-Unterkunft blickt man aufs Wohngebiet Farchet.

Von der Geflüchteten-Unterkunft blickt man aufs Wohngebiet Farchet.

(Foto: Felicitas Amler/oh)

Die ukrainischen Roma-Familien brauchen Zuwendung und Unterstützung. Rassistische Vorwürfe machen die Situation nur schlimmer.

Kommentar von Felicitas Amler, Wolfratshausen

Bei strittigen Themen empfiehlt es sich meist, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Also - wie sieht es denn rund um die Mehrzweckhalle Farchet aus? An einem ganz normalen Dienstag zum Beispiel.

Alles zugemüllt? Nun ja, manche wären froh, wenn es an der kommunalen Containeranlage, an der sie ihr Altglas entsorgen müssen, so aussähe wie auf dem Gelände zwischen der Akeleistraße und dem Wald.

Man kann sich nicht raustrauen? Hm - vor dem Gebäude stehen zwei Männer vom Sicherheitsdienst und machen Zigarettenpause. Ein junger Mann kommt vom Kanal her gejoggt, auf direkte Ansprache gibt er unbeholfen, aber freundlich bemüht zu verstehen, dass er nicht Deutsch kann. Er schaut sich um: Da! Er zeigt auf einen Jungen, der gerade aus der Halle kommt, und erklärt gestikulierend, man solle sich an den wenden. Der Junge ist, wie sich schnell herausstellt, 14 Jahre alt, spricht gebrochen Deutsch, freut sich erkennbar über den kleinen Austausch und erklärt, er lerne Deutsch in der Schule in Waldram. Seine Familie, das seien "Mama und Papa" und - er nimmt die Hände zu Hilfe: drei Geschwister. Ob sie Roma seien? Er lächelt: "Ja!"

Bewohner verrichten ihre Notdurft im Wald? Oh ja, da liegt ein großer Kothaufen. Moment - ist unverkennbar von einem Hund. Und Hunde, die hier entlanggeführt werden, stammen wohl eher aus gutbürgerlicher deutscher Haltung.

Es wird geklaut? Klar, das könnte man nicht so ohne Weiteres sehen. Aber Roma und Stehlen - ist das nicht eines der miesesten, am tiefsten sitzenden rassistischen deutschen Vorurteile? Aus einer Zeit, die wir jetzt mal genauso wenig nennen wollen wie das Z-Wort.

Wer "weder rechts noch ein Rassist" ist - wie die vehement gegen die ukrainischen Geflüchteten hetzende Nachbarin - müsste eigentlich merken, was hier los ist.

Hier leben Menschen. Viele Menschen mit vielen Kindern. Viel zu lange unter viel zu schwierigen, anstrengenden Bedingungen. Ohne sozialpädagogische Betreuung. Lediglich bewacht von schwarz uniformierten Sicherheitsleuten. Und umgeben von einer Nachbarschaft, die ihnen offenbar in Teilen feindschaftlich gesonnen ist.

Wer mehr über die Menschen in der Halle wissen möchte, spreche mit Asylhelferin Ines Lobenstein. Sie hat mit ihrem Team Ehrenamtlicher dafür gesorgt, dass einmal pro Woche Ramadama ist am Geflüchteten-Heim. Und sie hofft, von Januar an regelmäßige Bastelstunden für die Kinder organisieren zu können. Dazu fehlen allerdings noch ein paar helfende Hände. Wäre es nicht schön, wenn die aus der Nachbarschaft kämen? Dann könnten manche eine Erfahrung machen, von der Lobenstein erzählt: "Spricht man die Leute an, antworten sie mit einem Lächeln." Probieren muss man's halt.

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