bedeckt München 24°

Siedlungsdruck:Wachsen mit Augenmaß

Justus Klement Bauamtsleiter Penzberg

"Wo darf noch gebaut werden?": Bauamtsleiter Justus Klement hält dies für die drängendste Frage.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Wie viele andere Kommunen im Münchner Umland spürt die Stadt Penzberg den Wohnungsdruck aus der Landeshauptstadt. Ein neuer Flächennutzungsplan soll die künftige Entwicklung festlegen

Von Alexandra Vecchiato

Der Wohnungsdruck von München auf die umliegenden Städte und Gemeinden ist enorm. Er ist auch in Penzberg zu spüren, wo Quadratmeterpreise von an die 1000 Euro längst keine Seltenheit mehr sind. Im Wahlkampf war ein bestimmendes Thema die Entwicklung der Kleinstadt. Wie soll Penzberg in den nächsten 20 bis 30 Jahren aussehen, lautet die zentrale Frage. Ein Planungsinstrument ist der Flächennutzungsplan (FNP) mit integriertem Landschaftsplan. Der Plan für die Stadt Penzberg stammt aus dem Jahr 2002 und bedarf dringend einer Aktualisierung. Der Stadtrat will sich dieser Mammutaufgabe stellen.

Gemäß des Paragrafen 5 des Baugesetzbuchs (BauGB) ist im Flächennutzungsplan für das gesamte Gemeindegebiet die sich aus der beabsichtigten städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Gemeinde in den Grundzügen darzustellen. Klingt sperrig, bedeutet konkret, dass der Stadtrat festlegt, wo etwa Wohngebiete, Grünzüge oder Sonderflächen entstehen beziehungsweise erhalten bleiben sollen. Mehr als 30 Änderungen hat der gültige FNP der Stadt Penzberg mittlerweile erfahren. Ein sicheres Indiz für Günter Fuchs, stellvertretender Bauamtsleiter, dass der Plan dringend aktualisiert werden muss. Fuchs wird dieses Verfahren von Seiten der Verwaltung begleiten. Er rechnet damit, dass circa vier Jahre ins Land ziehen werden, bis die Neufassung vorliegt. Erstellt wird der FNP von externen Fachleuten, die der Stadtrat auswählt. Mehrere Büros stehen sich in einem Auswahlverfahren gegenüber. Vorab möchte sich das Gremium auf einen Fragenkatalog verständigen, den die Bewerber für den Job vorgelegt bekommen. Der Katalog ist Thema der nicht öffentlichen Sitzung an diesem Dienstag, 15. September, im Penzberger Bauausschuss (18.15 Uhr, Rathaus).

Geplant ist, die Bürger an dem Prozess mehr als üblich zu beteiligen. Sie können normalerweise während der öffentlichen Auslegung des Plans Kritik und Wünsche äußern. Nun soll es eine große Veranstaltung geben, in der sich die Planungsteams vorstellen - wenn Corona es zulässt. Laut Bauamtsleiter Justus Klement könnte es eine Bürgerwerkstatt geben. Externe Moderatoren sollen das Verfahren begleiten.

Ehe die Experten ins Detail gehen können, brauchen sie eine umfassende Datengrundlage. Es geht nicht nur um die Festlegung neuer Wohngebiete. Themen wie Hochwasserschutz, FFH-Flächen, Areale für Fotovoltaik-Anlagen oder Deponieflächen sind ebenfalls zu berücksichtigen. "Die Hauptdiskussion wird sich allerdings darum drehen: Wo darf man noch bauen?", ist sich Klement sicher. Bei dieser Frage sei vor allem damit zu rechnen, dass private und Interessen des Gemeinwohls aufeinanderprallen werden. Klement erinnert an einen Beschluss des Stadtrats vom November 2019, dass die Innenentwicklung einer Bebauung im Außenbereich vorzuziehen sei. "Es wird sich viel um das Maß einer vernünftigen Verdichtung drehen", betont der Bauamtsleiter.

Penzberg wird weiter wachsen - davon ist Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) überzeugt. Schon jetzt seien Baugebiete in Planung, die der Stadt in fünf bis sechs Jahren an die 2500 neue Einwohner bescheren könnten. "Das wäre ein brutales Wachstum", sagt Korpan. Sein Idealweg wäre diese Entwicklung gezielt zu lenken. Für ihn brauche es in Penzberg sowohl günstige Mietwohnungen wie die Doppelhaushälfte oder das Einfamilienhaus. "Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass neue Wohngebiete neue Infrastruktur, wie Abwasserkanäle, Schulen und Kindertagesstätten nach sich ziehen", sagt Korpan. Ganz zu schweigen für Senioren-Einrichtungen. "Das wird eine Mammutaufgabe. Da wird sich jede Fraktion bewegen müssen, um konstruktiv zu einem neuen Flächennutzungsplan zu kommen."

Ähnlich sieht es die Grünen-Fraktionssprecherin Kerstin Engel. "Zunächst ist es wichtig, dass der Stadtrat sich einig wird, wohin wir wollen", sagt sie. Ganz klares Ziel muss es sein, Flächen zu sparen und schützenswerte Grünzüge zu erhalten. "Wir müssen uns auf Leitlinien verständigen und sie den Planern vorgeben."

Die künftige Entwicklung Penzbergs war auch ein Schwerpunkt im Wahlkampf von Penzberg Miteinander (PM). "Wir möchten nicht weiter Bauland in den Außenbereichen ausweisen, sondern in der Stadt verdichten", sagt Fraktionssprecher Markus Bocksberger. "Allerdings auch das nicht um jeden Preis." Ziel müsse ein "gesunder Kompromiss" sein. Das Wachstum bei einem Stand von 18 000 Einwohner einzufrieren, werde nicht machbar sein. PM ist die einzige Fraktion, die bereits im Vorfeld Fragen für den Katalog eingereicht hat. "Das finden wir sehr wichtig. Die anderen Fraktionen werden sicher noch nachziehen", sagt Bocksberger.

Unverständlich finden beide, warum der Fragenkatalog an die sich bewerbenden Planungsteams nicht öffentlich diskutiert werden soll. "Wir haken nach", verspricht Engel.

© SZ vom 15.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite