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Energiewirtschaft im Oberland:Wettbewerb ums Walchenseekraftwerk

Walchenseekraftwerk mit Herbstlaub

Die Betreiberrechte für das Walchenseekraftwerk laufen 2030 aus. Schon jetzt gibt es mehrere Interessenten.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Auch die Stadtwerke München interessieren sich neben Uniper für einen Weiterbetrieb nach 2030. Als mögliche Partner schart das Unternehmen bereits kommunale Energieversorger aus der Region um sich.

Von Marie Heßlinger und Florian Zick

Die Wasserrechte für das Walchenseekraftwerk laufen 2030 aus. Die Eon-Tochter Uniper würde das knapp 100 Jahre alte Kraftwerk danach gerne weiter betreiben - mit gut 300 Gigawattstunden im Jahr ist die Stromerzeugung dort schließlich durchaus lukrativ. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Energiekonzern im Vergabeverfahren potente Mitbewerber haben wird: Denn auch die Stadtwerke München (SWM) kokettieren mit einer Übernahme des Kraftwerks.

Noch sind die SWM eher zurückhaltend mit Äußerungen. Aus der Firmenzentrale heißt es nur, als regionaler Energieversorger seien die Stadtwerke München grundsätzlich an erneuerbaren Energien interessiert. "Zu der neuen Situation am Walchenseekraftwerk werden wir sicherlich Überlegungen anstellen", so eine Pressesprecherin. Mehr ist dort nicht zu erfahren. So ganz am Anfang stehen die Überlegungen allerdings nicht mehr. Erst kürzlich gab es eine Gesprächsrunde mit Vertretern verschiedener Stadt- und Gemeindewerke aus dem Voralpenraum. Dabei ging es auch um eine gemeinsame Übernahme des Walchenseekraftwerks, in Form einer Art Konsortium.

Auch Walter Huber war bei der Besprechung dabei, der Chef der Stadtwerke Bad Tölz. Von einem Konsortium zu sprechen, sei etwas zu viel, sagt er. Es seien vielmehr lose Gespräche gewesen. Grundsätzlich seien aber alle kommunalen Energiebetriebe, die wie in Garmisch und Murnau an der Loisach oder in Bad Tölz an der Isar Strom aus Wasserkraft erzeugen, daran interessiert, sich am Walchenseekraftwerk zu beteiligen. Allerdings könne keines dieser Kommunalunternehmen den Betrieb des Kraftwerks alleine schultern, dafür sei alleine schon die Ablöse viel zu hoch. "Wir können da nur als Pilotfische mit dem großen Wal mitschwimmen", sagt Huber. Und der große Wal, das sind in diesem Fall eben die Stadtwerke München.

Wie viel man für die Übernahme des Walchenseekraftwerks hinlegen muss, ist schwer zu sagen. Bei der Privatisierung der Bayernwerke flossen 1994 rund 2,3 Milliarden D-Mark. Zu den Bayernwerken gehörte damals neben der Walchenseekraftwerk AG aber auch die Mittlere Isar AG, zu der mehrere Kraftwerke am Kanal der Mittleren Isar nördlich von München gehörten. Das Innkraftwerk bei Töging wechselte vor einigen Jahren für gut 250 Millionen Euro den Besitzer. Ob das ein guter Vergleichswert ist, vermag aber auch Theodoros Reumschüssel nicht zu sagen, der für das Walchenseekraftwerk zuständige Pressesprecher von Uniper. Sicher aber ist: Billig ist das Walchenseekraftwerk nicht.

Umweltschützer hoffen, durch die sich abzeichnende Konkurrenz im Bieterverfahren beim ökologischen Aspekt des Kraftwerkbetriebs etwas nachbessern zu können. Um den Stromertrag erhöhen zu können, wird schließlich Wasser aus der Isar und ihren Nebengewässern wie dem Rißbach Richtung Kraftwerk umgeleitet. Wegen der damit verbundenen Auswirkungen auf die Flusslandschaft hat der Isartalverein schon 1990 durchgesetzt, dass mehr Restwasser in der Isar verbleiben muss. Seitdem führt die Isar im Sommer dort mindestens 4,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, im Winter drei Kubikmeter. Das aber reiche noch nicht, sagt Erich Rühmer, der zum Jahreswechsel ausgeschiedene Vorsitzende des Isartalvereins. Auf ein konkretes Ziel will er sich nicht festlegen, "es braucht aber auf jeden Fall mehr Wasser", sagt Rühmer.

Uniper-Sprecher Reumschüssel glaubt nicht, dass ein anderer Betreiber des Walchenseekraftwerks mehr Rücksicht auf die Umwelt nehmen könne, als sie das täten. Die Restwasseraufstockung 1990, die Fischtreppe am Krüner Wehr, das Beweiden der Isarauen mit Ziegen, die den Bärenklau wegfressen sollen - all das seien schon große Zugeständnisse gewesen. Zudem sei das Walchenseekraftwerk ein riesiger Komplex. Insgesamt gehörten sechs Kraftwerke, zwölf Stauwehre und diverse Kanäle und Stollen dazu, die alle unterhalten werden müssten. Allein bis 2030 investiere Uniper einen zweistelligen Millionenbetrag. Und am Ende müsse die Stromerzeugung schließlich auch betriebswirtschaftlich noch rentabel sein.

In politischen Kreisen hat man bislang noch keinen Favoriten für den künftigen Betrieb des Kraftwerks. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans Urban spricht sich ohnehin für den sogenannten "Heimfall" aus, also einen Weiterbetrieb des Walchenseekraftwerks durch den Freistaat Bayern selbst. Aber auch Martin Bachhuber, Landkreis-Vertreter der CSU im Landtag, hält es für viel zu früh, um irgendeine Bewertung abzugeben. Nach 100 Jahren müsse man bei der Neuvergabe der Wasserrechte natürlich sehr genau hinschauen, sagt er. "Aber da ist jetzt keine Eile angesagt." Man dürfe da auch die Bürgermeister in der Walchenseeregion nicht übergehen, in der Jachenau und in Kochel am See. Diese spürten die Auswirkungen des Kraftwerkbetriebs in ihren Gemeinden schließlich ganz direkt, zum Beispiel bei den Stromleitungen. Klar aber sei, so Bachhuber, dass am Walchensee weiter Strom erzeugt werden soll. "Das steht außer Frage", sagt er.

© SZ vom 15.01.2021
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