Wolfratshausen:Gemeinsam über den Winter kommen

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Wolfratshausen: "WOR steht zusammen": Ingrid Schnaller, Ines Lobenstein und Ulrike Krischke (von links) haben eine neue Initiative gegründet.

"WOR steht zusammen": Ingrid Schnaller, Ines Lobenstein und Ulrike Krischke (von links) haben eine neue Initiative gegründet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ines Lobenstein, Ulrike Krischke und Ingrid Schnaller rufen zu Spenden für ihre Initiative "Von Mensch zu Mensch" auf. Ängste wegen der hohen Energie- und Lebenshaltungskosten sollen abgebaut werden.

Von Felicitas Amler, Wolfratshausen

In der Stadt Wolfratshausen soll möglichst niemand Sorge haben, "über den Winter zu kommen". Dieses Ziel verfolgen drei politisch und gesellschaftspolitisch engagierte Frauen. Obdachlosenbetreuerin und Flüchtlingshilfe-Koordinatorin Ines Lobenstein, Seniorenreferentin Ulriche Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen) und SPD-Vorsitzende Ingrid Schnaller haben gemeinsam die Initiative "Von Mensch zu Mensch" gegründet. Der Untertitel "WOR steht zusammen" soll deutlich machen, worum es im Kern geht. Um Solidarität, wie Krischke sagt; um ein Miteinander, wie Lobenstein formuliert; darum, "die Leute nicht allein zu lassen", so Schnaller.

Die Aktion, die vorerst für ein Jahr geplant ist, ruht auf zwei Säulen. Wolfratshauser Bürgerinnen und Bürger, welche die staatliche Energiekostenpauschale von 300 Euro nicht brauchen, können diese an "Von Mensch zu Mensch" spenden. Die Initiative, der sich bereits die christlichen Kirchen und alle im Stadtrat vertretenen Gruppierungen bis auf die "Wolfratshauser Liste" angeschlossen haben, verteilt die Spenden an Menschen, die die das Geld dringend brauchen. Die Abwicklung läuft über die Caritas und die evangelische Kirche. Krischke erklärt, die Stadt Aachen verfolge ein ähnliches Konzept. In Wolfratshausen sollen Familien mit zwei Kindern einmalig 100 Euro, solche mit mehr Kindern 150 Euro erhalten. Empfangsberechtigt seien alle, die ohne eigenes Verschulden in Not geraten sind, nicht aber durch eine Straftat. Ausgenommen seien Bürgerinnen und Bürger, die bereits Sozialleistungen beziehen. Die persönlichen Daten der Hilfesuchenden seien geschützt, versichern die Initiatorinnen.

Alle drei berichten, dass sie bereits von Empfängern der 300-Euro-Pauschale angesprochen worden seien, die das Geld gern weitergeben möchten. Natürlich sei es willkommen, wenn jemand einen höheren Betrag in den Topf geben wolle. Umso mehr, als dieser noch einem zweiten Zweck dient. Auf Anregung der Eigentümer des Gasthauses Humplbräu, der Familie Fagner, wird dort künftig zweimal pro Woche ein günstiger Mittagstisch angeboten: "WOR is(s)t zusammen". Von 17. November an gibt es jeweils donnerstags und freitags wahlweise ein vegetarisches und ein fleischhaltiges Essen mit frischem Gemüse zu zwei Euro. Der für das Humplbräu kostendeckende Preis beträgt acht Euro, die Differenz von je sechs Euro steuert wiederum "Von Mensch zu Mensch" bei. Da aber jede und jeder das Essen einnehmen kann, hoffen die Initiatorinnen auf freiwillige Mehrzahlungen. "Jeder, der spenden möchte, könnte zum Beispiel zehn Euro bezahlen", sagt Lobenstein. Der Tisch solle offen sein und damit eine zwanglose Mischung verschiedener Menschen ermöglichen, sagt Schnaller.

Beide Unterstützungsformen sollen vor allem Ängste abbauen, das betonen die Initiatorinnen. Oft seien Ängste ja größer als das, was dann tatsächlich eintrete, so Lobenstein. Wichtig sei, dass die Leute wüssten: "Ich habe eine Option."

Einen Grundstock hat "Von Mensch zu Mensch" bereits aus vorhandenen Spendenkonten für sozialen Bedarf bei der evangelischen Kirche. Außerdem hätten sie alle "persönlich was reingetan", sagen Schnaller, Krischke und Lobenstein. Ansonsten hofften sie "auf die Gemeinsamkeit", hätten bereits Unterstützung durch die große Nachbarschaftshilfe "Bürger für Bürger" und den Kinder- und Jugendförderverein. Andere Vereine sollen nach und nach angesprochen werden. Sie hätten aber jetzt, rechtzeitig zum Winter, einfach schon einmal anfangen wollen, so die drei Frauen.

Auf der bereits eingerichteten Homepage der Initiative sind alle Informationen nachzulesen. Dort heißt es: "Wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat ist, egal wie sparsam man ist, dann stehen wir zusammen." Die lebensnotwendigen Kosten seien enorm gestiegen und zusammen mit den ohnehin schon hohen Mieten sei dies "eine echte Herausforderung für Teile unserer Stadtbevölkerung". Unter einem Menüpunkt wird jeweils die Summe der eingegangenen Spenden veröffentlicht; bis Sonntagmittag waren es 620 Euro.

www.worhilft.de

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