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Coronavirus:Luft nach oben

Grüner Plan zur Corona-Krise: Zulagen für Helfer

Eine Krankenschwester prüft ein Beatmungsgerät. In der Wolfratshauser Klinik können auch schwerere Beatmungsfälle behandelt werden.

(Foto: dpa)

Die Kreisklinik Wolfratshausen ist besonders für Patienten, die beatmet werden müssen, ausgelegt. Dort gibt es 14 entsprechende Geräte und das nötige Fachpersonal. Noch ist die Lage ruhig - doch das kann sich schnell ändern.

Von Konstantin Kaip

Die Corona-Pandemie breitet sich trotz Ausgangsbeschränkungen im Landkreis weiter aus und hält auch die Mitarbeiter der Kreisklinik Wolfratshausen in Alarmbereitschaft. Noch aber ist die Lage in dem Krankenhaus am Moosbauerweg überschaubar, wie der Geschäftsführer Ingo Kühn berichtet. Am Montagnachmittag waren in der Klinik laut Kühn insgesamt fünf Covid-19-Patienten in Behandlung, zwei davon auf der Intensivstation. Beatmet werden musste keiner. Dazu gebe es elf Verdachtsfälle, die man beobachte, sagte der Geschäftsführer. "Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir noch sehr stabile Verhältnisse bei uns haben", erklärte auch der Ärztliche Direktor, Chefarzt der Anästhesie und Leiter der Intensivstation Josef Orthuber.

Dennoch sind die Ärzte darauf eingestellt, dass sich die Lage jederzeit ändern kann. "Wir stehen ständig bereit, dass in jeder Minute ein schwerer Beatmungsfall bei uns landen kann", sagt Kühn. Die Kreisklinik verfügt schließlich über eine Spezialabteilung für Weaning, in der Patienten von der Beatmung schrittweise entwöhnt werden. Daher gibt es in Wolfratshausen insgesamt 14 Beatmungsgeräte und auch das nötige Fachpersonal. Die Betreuung der Coronafälle in den drei Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen wird seit Kurzem vom Ärztlichen Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz in Murnau, Martin Dotzer, koordiniert. Laut der Vereinbarung, die Landrat Josef Niedermaier mit seinen Amtskollegen Andrea Jochner-Weiß und Anton Speer getroffen hat, können so im gesamten Oberland Krankenhäuser Patienten zugewiesen bekommen, sofern sie die Kapazitäten haben und anderweitig Engpässe bestehen. Noch sei das in Wolfratshausen nicht nötig gewesen, sagt Kühn. Aber: "Wir haben die Expertise, auch schwerere Beatmungsfälle zu behandeln." Zehn solcher Fälle könnte man laut dem Klinik-Geschäftsführer in Wolfratshausen gleichzeitig behandeln, "wenn es hochkommt bis zu 14".

Die Kreisklinik sei in ständigem Kontakt mit dem Katastrophenschutz im Landratsamt und auch mit der übergeordneten Führungsgruppe in Murnau, berichtet Kühn. "Wir machen Meldungen, wie viele Fälle wir haben und wie viele Betten noch frei sind." In der Kreisklinik gebe es eine Corona-Taskforce, zu der neben ihm drei Chefärzte, Vertreter des Bereichs Hygiene, der Verwaltungs- und Personalleiter und zwei Ärzte gehörten, die sich "um das operative Corona-Geschäft kümmern", wie Kühn sagt. "Wir beraten uns fast täglich." Besprochen werde dabei auch die Versorgung der Mitarbeiter mit Schutzausrüstung. Gerade habe man nachbestellt, sagt Kühn. "Momentan sind wir noch gut ausgestattet." Das trifft auch auf das Personal zu. Alle Mitarbeiter der Kreisklinik haben eine Urlaubssperre, die bis auf Weiteres gilt, wie Kühn sagt: "Solange die Corona-Krise anhält."

Dass das Virus das Krankenhaus noch eine ganze Weile beschäftigen wird, zeigt die Zahl der Krankheitsfälle, die trotz Ausgangsbeschränkungen leicht zunimmt, wie Kühn beobachtet. Todesfälle von Covid-19-Patienten habe es bislang in der Kreisklinik noch keine gegeben, berichtet der Geschäftsführer. Ein Corona-Patient mit schwerem Verlauf sei wegen anderweitiger Komplikationen an die Uni-Klinik nach München-Großhadern verlegt worden. "Noch ist es handlebar, noch könnten wir Patienten aufnehmen", beschreibt Kühn die momentane Situation an der Kreisklinik. Der vergleichsweise entspannte Arbeitsalltag könne sich aber "jeden Tag ändern", fügt er hinzu. "Wenn wir zehn Beatmungspatienten haben, sieht die Lage anders aus." Schließlich erfordere deren Betreuung eine besonders intensive Arbeit und stelle eine hohe Belastung für das Personal dar.

© SZ vom 07.04.2020/aip

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