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Bad Tölz-Wolfratshausen:Piks für Piks zur Immunisierung

Mehr als 10.000 Menschen sind im Landkreis chon gegen Corona geimpft worden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Corona-Impfung im Landkreis schreitet voran. In den Seniorenheimen ist sie schon auf der Zielgeraden. Die beiden Impfzentren setzen zudem etwa 600 Spritzen pro Tag. Auch der Tölzer Bürgermeister hat eine bekommen.

Von Florian Zick

Er ist erst 43, topfit und ziemlich sportlich - aber eben auch Bürgermeister von Bad Tölz. Das hat Ingo Mehner bei der Prioritätenliste ziemlich weit nach vorne gespült. Anfang vergangener Woche wurde Mehner in der Tölzer Asklepios-Klinik deshalb gegen Corona geimpft. "Ich habe mich auch gewundert, als die SMS vom Impfzentrum kam", sagt er. Und auch, als er dann beim Impfen war, sei er überrascht gewesen, so Mehner. Obwohl die über 65-Jährigen noch nicht durchgeimpft sind, seien da viele andere in seinem Alter gewesen.

Nun könnte man spekulieren, dass viele Leute eine Immunisierung mit dem etwas in Verruf geratenen Impfstoff von Astra Zeneca ablehnen und deshalb nun schon die Mittvierziger an der Reihe sind. Aber daran liege es nicht, beteuert das Tölzer Landratsamt. Bei den bisher mehr als 1000 Impfterminen mit Astra Zeneca habe es nur eine Handvoll Personen gegeben, die eine Impfung mit diesem Präparat abgelehnt hätten. Dass auch jetzt schon jüngere Menschen geimpft werden, habe einen anderen Grund, so die Kreisbehörde. Neben dem Alter gebe es schließlich noch eine Reihe weiterer Faktoren, mit denen die Impfliste berechnet werde, den Beruf zum Beispiel oder eine chronische Erkrankung.

Notfallmediziner und Pflegepersonal haben ebenso Vorfahrt wie zum Beispiel Menschen mit einer Herzerkrankung. "Es wird also lediglich die Impfverordnung durchgesetzt", heißt es aus dem Landratsamt. Wer wie Bürgermeister Mehner in gehobener Position im öffentlichen Dienst arbeitet, kann also durchaus auch jetzt schon an der Reihe sein. Und weil diese Leute meist unter der derzeit noch geltenden Altershöchstgrenze von 65 Jahren liegen, können diese auch problemlos einen Pikser mit dem gut verfügbaren Impfstoff von Astra Zeneca bekommen.

Anders sieht es in den Seniorenheimen aus. Dort kam im Landkreis bislang nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer zum Einsatz. Trotzdem biege man dort inzwischen auf die Zielgerade ein, erklärt Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler). In 23 der 28 Einrichtungen im Landkreis seien die Bewohner und das Personal weitgehend durchgeimpft, in den übrigen fünf Heimen stehe noch die Zweitimpfung an. "Ich hoffe nun inständig", so der Landrat, "dass die Impfung ihre Wirkung zeigt und die Menschen entsprechend schützt." Niedermaier ist dafür vorsichtig optimistisch. Seit dem großen Corona-Ausbruch im Sankt-Ursula-Heim in Geretsried habe es immerhin keine neuen Infektionsherde in Pflegeheimen des Landkreises mehr gegeben.

Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner hat bereits das Vakzin von Astra Zeneca erhalten. Tags darauf konnte er eine Stadtratssitzung leiten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Eine logistische Herausforderung ist die natürliche Fluktuation in den Heimen. Denn in frei gewordene Zimmer ziehen immer wieder auch Senioren ein, die noch nicht geimpft sind. Das Landratsamt hat jüngst deshalb gezielt solche Fälle abgefragt. Die mobilen Impfteams werden nun zeitnah noch einmal die Einrichtungen anfahren, die sich gemeldet haben, um neu hinzugekommene Bewohner zu impfen. Dafür muss mitunter auch händisch die Software für die Impfreihenfolge korrigiert werden. Ein Schritt, der eigentlich vermieden werden sollte, um menschengemachte Ungerechtigkeiten oder Bevorzugungen zu vermeiden. "Hier ist das aber nötig, damit die Menschen nicht doppelt erfasst sind und am Ende womöglich einen Termin für eine andere Person blockieren", erklärt Niedermaier.

Was das Impftempo allgemein betrifft, so wurden vergangene Woche in den beiden Impfzentren in Wolfratshausen und Bad Tölz zusammen jeden Tag rund 600 Spritzen mit Vakzin gesetzt. Knapp 3600 Personen der über 80-Jährigen, die nicht in einer Pflegeeinrichtung leben, sind inzwischen zumindest zum ersten Mal geimpft. Zusätzlich wurde auch schon viel medizinisches Personal immunisiert. "Die Auswahl, wer geimpft wird, macht ganz allein die Software", erklärt Niedermaier. Nur, wenn Impfstoff übrig bleibe, würden aus der Liste der manuell erfassten Rettungsdienste Personen herausgegriffen und kontaktiert. Natürlich laufe man dabei Gefahr, von der Impfpriorisierung etwas abzuweichen, sagt der Landrat. Aber das sei besser, als Impfdosen verfallen lassen zu müssen.

Bis zum vergangenen Donnerstag wurden im Landkreis insgesamt rund 9700 Impfungen vorgenommen, 7945 mit Biontech/Pfizer, 400 mit Moderna und 1351 mit Astra Zeneca. Den Impfstoff aussuchen kann man sich dabei nicht. Ist man einmal auf einen Impfstoff gebucht, wird einem auch später nur wieder dieses Präparat angeboten, selbst, wenn man eine Impfung damit zunächst abgelehnt hat.

Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner hat indes nicht gezögert, als er die SMS vom Impfzentrum bekam. Auch er wurde mit Astra Zeneca geimpft. Leichte Schmerzen an der Einstichstelle, am nächsten Tag eine gewisse Mattheit - mehr sei nicht gewesen, berichtet er. Und auch die Stadtratssitzung am Tag nach der Impfung habe er anstandslos geleitet.

© SZ vom 01.03.2021/aip
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