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Bad Tölz saniert die Altstadt:Neuer Glanz für ein altes Viertel

Der Ortsteil Gries in Bad Tölz ist ein alter verwinkelter Stadtteil, der jetzt aufgeputzt und verschönert werden soll.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bad Tölz will das unter Ensembleschutz stehende Quartier "Im Gries" aufwerten und plant etliche Verschönerungen. Darüber soll es Gesprächsrunden mit Immobilienbesitzern, Vereinen und Bürgern geben.

Von Klaus Schieder

Mit seinen schmalen Giebelhäusern, die sich eng aneinander schmiegen, den Gassen und Gässchen, den Brunnen und verborgenen Winkeln wirkt das Tölzer Viertel "Im Gries" beinahe so heimelig wie ein altes Adventskalenderbild. Das Quartier zwischen der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt und dem Zentralen Busbahnhof an der Isar beheimatet kleine Geschäfte und Handwerksbetriebe, auch einige Künstler haben sich dort angesiedelt. Das unter Ensembleschutz stehende Gries soll nun hergerichtet werden. Die Neugestaltung reicht vom Straßenbelag über die Möblierung bis zu einer neuen Lichtkonzeption. Das Viertel sei schließlich "ein wichtiger Teil des Altstadtgefüges", sagte Florian Ernst vom städtischen Bauamt am Dienstagabend im Bauausschuss des Stadtrats.

Unter Ensembleschutz steht das Gries vor allem deshalb, weil sich in ganz Bayern kaum noch eine so komplett erhaltene, ehemalige Handwerkersiedlung finden lässt. Ob die ersten Häuser dort vor, mit oder nach der benachbarten Marktstraße aus dem 13. Jahrhundert gebaut wurden, ist nicht einwandfrei geklärt. Sicher ist, dass Flößer, Kalkbrenner, Köhler und Fischer, die trotz ihres eher kleinen Einkommens ein eigenes Haus haben wollten, auf diesem Kiesschwemmland bauten. Das größte Gebäude ist das Bruderhaus in der Krankenhausstraße 32, das im Jahr 1498 errichtet wurde.

Die Neugestaltung im Gries findet Ernst zufolge im Zuge des "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes" (ISEK) für Bad Tölz statt, das im Februar im Stadtrat vorgestellt wird. Der künftige Stadtbaumeister nannte als Verbesserungsmaßnahmen unter anderem ein barrierearmes Pflaster, eine klar definierte Ableitung von Niederschlagswasser wie Regen und Schnee, neu angeordnete Parkplätze, moderne Stadtmöbel wie etwa Fahrradständer oder Ruhebänke, eine bessere Beleuchtung, optimierte Straßenübergänge. Auch ein Tempolimit soll geprüft werden. Das Planungsgebiet umfasst die Zone zwischen Fischergasse, Am Bach, Krankenhausstraße, Konradgasse, Am Graben, Botengasse und Frauenfreithof. Ausgenommen ist allerdings der Jungmayrplatz vor dem Café Heimat, denn dieses Areal wurde schon hergerichtet.

"Wir diskutieren bereits seit einiger Zeit über die Sanierung im Bereich Gries", sagte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Ein großes Thema sei dabei der Straßenbelag. Die Stadt fände es "schön, ein neues Pflaster zu machen, aber das ist bei den Anwohnern nicht beliebt". Die wünschen sich offenbar eher Asphalt, wie ihn manche Gassen bedecken, doch "wir werden versuchen, sie zu überzeugen", sagte Fürstberger. Außerdem überlege man, ob die schmalen Gehsteige bleiben sollen. Sie werden von Fußgängern mangels Breite kaum benutzt, dienen mit ihren Bordsteinen allerdings dazu, dass die Autos nicht zu nahe an die Häuser heranfahren. Und schließlich prüfe man auch, ob die Mülltonnen so wie bisher auf der Straßen stehen sollen. Da gebe es "teilweise andere Möglichkeiten", so der Bauamtsleiter.

Die Neugestaltung könnte jedoch Widerstand auslösen. Das Problem: Die Maßnahmen fallen unter die Straßenausbaubeitragssatzung, die Haus- und Grundeigentümer müssen also mitzahlen. Allzu saftige Summen dürften auf sie jedoch nicht zukommen, wie Fürstberger ausführte. Die Bebauung im Gries sei dicht, weshalb es viele Besitzer gebe - die Rate für den Einzelnen falle umso geringer aus. Außerdem beteiligten sich die Tölzer Stadtwerke an den Kosten. Und die Kommune selbst werden sich um Mittel aus der Städtebauförderung bemühen. Zum Beispiel für eine neue Pflasterung. Dafür möchte man nicht die Anlieger finanziell belasten, denn "das will dann ja die Stadt". Wie viele Eigentümer im Gries betroffen sind, konnte der Bauamtsleiter nicht genau sagen.

Die Stadt will peu à peu vorgehen. In einem ersten Schritt möchte sie zunächst die Grundbesitzer persönlich informieren. Danach sollen in einer Arbeitsgruppe die Gespräche mit wichtigen Protagonisten geführt werden: dem Historischen Verein, dem Unternehmerverein "Wir für Tölz", den Gastronomen im Gries, den Dienstleistungsbetrieben, den Anwohnern, den Immobilienbesitzern. Eine Impulsgruppe mit 20 Mitgliedern soll in zwei Gesprächsrunden letztlich die Planungsziele definieren. Die Moderation hat dabei das Stadtplanungsbüro Leuninger & Michler aus Kaufbeuern. Vorgesehen ist auch ein Stadtspaziergang für Bürger.

Margot Kirste (FWG) pochte auf Transparenz. "Es ist wichtig, die Bürger von Anfang an mit einzubeziehen, weil es ein so sensibler Stadtteil ist", sagte die Stadträtin. Um das Gries aufzuwerten, sollte man auch darüber nachdenken, den Verkehr völlig herauszuhalten und vielleicht eine neue Tiefgarage anzulegen. Für Fürstberger dürfte dieser Vorschlag nicht auf das Wohlwollen der Hauseigentümer stoßen: "Wenn wir den Verkehr und das Parken herausnehmen, dann sagen sie, dass sie ihre Wohnungen nicht mehr vermieten können." Die Anregung von Michael Lindmair (FWG), die Fußgängerquerung auf der Lenggrieser Straße zwischen Busbahnhof und Jungmayrplatz zu erleichtern, mochte der Bauamtsleiter nicht aufgreifen. Die beiden Inseln für Passanten funktionierten "außerordentlich gut", erwiderte er.

© SZ vom 11.01.2018
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