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Leben im Alter:Bad Tölz prüft Standorte für neues Pflegeheim

Alten- und Pflegeheim Josefistift

Ob das Josefistift abgerissen wird, soll sich nach der Standortanalyse entscheiden. Wenn ja, dann soll auf dem Areal ein Seniorenzentrum entstehen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das alte Josefstift darf in seiner bisherigen Form nur noch zwei Jahre betrieben werden. Die Stadträte lassen nun alternative Grundstücke analysieren.

Die Uhr für das Josefistift tickt. Weil das Pflegeheim an der Bahnhofstraße seit 2011 nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften genügt, muss die Stadt nun binnen zwei Jahren entschieden haben, wo sie einen Neubau hinstellt und dafür auch in die Planung gegangen sein. Ansonsten erlischt die Genehmigung der Heimaufsicht im Landratsamt für den Betrieb des Josefistifts, die nur noch bis zum 31. August 2021 gilt. Unter diesem Zeitdruck beschloss der Tölzer Stadtrat am Dienstagabend, dass die Stadtverwaltung zuerst eine Standortanalyse von Grundstücken erstellen soll, die für ein neues Heim in Frage kommen. Dazu gehört auch das bisherige Areal an der Bahnhofstraße. Erst danach soll über einen Abriss des Josefstifts befunden werden. Auf dem Gelände soll dann eine Art Seniorenzentrum entstehen, was dem Ziel der Josefispital-Stiftung entspräche.

Dieser Übereinkunft ging eine längere, teils kontroverse Debatte voraus. Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, zunächst den Abriss des Pflegeheims und das Konzept für ein Seniorenzentrum zu beschließen, danach die Standortanalyse zu beauftragen. Allerdings zeichnete sich in etlichen Redebeiträgen ab, dass diese Vorgehensweise von der Mehrheit nicht gebilligt würde. Daraufhin beantragte Franz Mayer-Schwendner (Grüne), die Reihenfolge der beiden Schritte umzukehren, um überhaupt einen Beschluss zu fassen - der schlussendlich sogar einstimmig fiel.

Einige Stadträte hielten am alten Standort fest. "Ich sehe keine Notwendigkeit, ihn zu beerdigen, ohne dass wir einen neuen Standort haben", sagte Anton Heufelder (CSU). Ähnlich äußerte sich Willi Streicher (SPD). "Ich habe noch nichts Neues, da gebe ich das Alte nicht auf", sagte er. Einen Zeitdruck sah er nicht. Selbst wenn man erst in vier Monaten eine Fläche für das Josefistift habe, "verlieren wir auf der Zeitschiene nichts". Dem widersprach Bürgermeister Josef Janker (CSU) vehement und hielt das Schreiben des Landratsamtes in die Höhe. "Wir haben dringende Zeitnot, wir haben einen Bescheid, darin steht das Datum 31.8.2021", sagte er. Was wiederum Anton Mayer (CSU) abstritt: "Wir haben Not für einen Neubau, aber keine Not, den alten Standort aufzugeben."

Deutliche Kritik übte auch Christof Botzenhart (CSU), allerdings aus gegensätzlichem Grund. Er warf der Stadtverwaltung vor, seit dem Beschluss des Stadtrats im Mai "zwei Monate vertrödelt" zu haben. Damals hatte das Gremium mehrheitlich entschieden, einen Um- und Neubau des Pflegeheims an der Bahnhofstraße nicht vom Tisch zu nehmen. Zugleich sollten aber alternative Standorte geprüft werden. "Eine Untersuchung hätte man schon länger in Auftrag geben können", beanstandete Botzenhart. Diesen Vorwurf wies Bürgermeister Janker ebenfalls zurück. Außer dem Areal des Jugendcafés an der Hindenburgstraße, das für ein Altenheim vermutlich zu klein wäre, habe die Stadt auch das rund 6000 Quadratmeter große Grundstück an der Arzbacher Straße vorgeschlagen, wo früher einmal das Hotel des österreichischen Investors Geiger entstehen sollte. Und überdies eine 7000 Quadratmeter große Fläche zwischen General-Patton-Straße und Bundesstraße 13 auf der Flinthöhe. "Wir haben zwei Möglichkeiten vorgestellt, aber das war Ihnen im Stadtrat zu wenig", sagte der Bürgermeister. Aber man drehe gerne nochmals eine Runde mit zusätzlichen Flächen. Die Stadträte forderte Janker auf, bis Ende August ihre Vorschläge zu unterbreiten. Falko Wiesenhütter, Geschäftsleiter im Rathaus, soll diese Alternative dann in einer Matrix prüfen, ihre Vor- und Nachteile eruieren.

Wie ein Seniorenzentrum im bisherigen Pflegeheim an der Bahnhofstraße aussehen könnte, ist noch unklar. Ein Arbeitskreis aus Experten und Stadträten, der nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2020 seine Arbeit aufnähme, soll dann über ein Konzept beraten. Möglich wären zum Beispiel ambulante Betreuung, vielleicht eine weitere Tagespflege, die Ansiedlung der Caritas-Kontaktstelle "Alt und Selbständig", unter Umständen auch eine Kindertagesstätte. Margot Kirste (FWG) plädierte für eine andere Überschrift als "Seniorenzentrum" und regte "Bürgerprojekt" an. Denn wichtig sei, "dort ein soziales Miteinander von Jung und Alt zu schaffen", meinte sie. Peter Priller (Grüne) zweifelte am Bedarf für eine ambulante Senioren-Einrichtung. Die meisten älteren Menschen blieben so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden, sagte er.

Das Pflegeheim Josefistift mit derzeit 95 Plätzen dürfte indes kaum an seinem angestammten Platz bleiben. Als Gründe nannte Kämmerer Hermann Forster zum einen die hohen Kosten. Ein Aus- und Neubau am bisherigen Standort mit den geplanten 120 Pflegeplätzen und acht Kurzzeitpflegeplätzen käme auf rund 26,3 Millionen Euro. Zum anderen müssten die betagten Bewohner am Ende ihres Lebens jahrelang mit dem Lärm und dem Dreck einer Baustelle leben.