Landwirtschaft in Icking:Von der Weide ins Kühlregal

Landwirtschaft in Icking: Jana Burlein mag es rustikal. In diesem Stil hat sie auch den Hofladen eingerichtet.

Jana Burlein mag es rustikal. In diesem Stil hat sie auch den Hofladen eingerichtet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Jana und Stephan Burlein verkaufen Eier und Fleisch direkt von ihrem Biohof in Attenhausen. Neuerdings führen sie einen eigenen Laden.

Von Veronika Ellecosta, Icking

Vor ziemlich genau einem Jahr war der Hofladen noch ein Pferdestall. Ein Jahr später sperrt Jana Burlein die Eingangstür auf, springt die drei Stufen hinunter und macht Licht an. Die Pferde sind jetzt weg, alle Spuren von ihnen getilgt. Stattdessen gibt es hier Zwetschgenmarmelade, Apfelsaft, Nudeln, alles in Bio-Qualität und mit einem Burleinhof-Etikett beklebt. In Säcke verpacktes Stroh verbreitet zarten Duft und auch die Bienenwachskerzen neben dem Eingang tragen eine Note bei. "Wir haben die Wände abschaben müssen und neu verputzt, um den Stallgeruch herauszukriegen", sagt Jana Burlein und schickt ein helles Lachen hinterher. Sogar die Fliesen habe sie selbst verlegt. Da wachse man über sich hinaus, sagt sie. In grünen Pantoffeln wuselt Jana Burlein durch den Raum und knipst den letzten Schalter an. Sogleich werden im Kühlschrank Rinderschulter und Suppenhuhn unter Vakuum ausgeleuchtet. Der kleine Hofladen auf dem Burleinhof hat nur an Freitagen geöffnet, aber für die Zeitung macht die Ickingerin eine Ausnahme.

Den Hofladen von Jana und Stephan Burlein im Ickinger Ortsteil Attenhausen gibt es nun seit fünf Monaten. Das Paar vermarktet dort, was am Hof produziert wird, das sind Eier, Obst und vor allem Fleisch von Geflügel und Rind. Jana Burlein ist angehende Hauswirtin, aus den Erträgen macht sie kleine Köstlichkeiten: Die Eier verarbeitet sie zu Spätzle und "Hehnastamperl", dem hauseigenen Likör, das Fleisch zu Rinderbrühe oder Hack, die Ernte von der Streuobstwiese kommt in Marmeladengläser. Sie habe schon immer eine Freude dran gehabt, Dinge selbst zu machen, erzählt sie. Das habe sie wohl von ihrer Oma. Ein Bürojob wäre nichts für Jana Burlein.

Landwirtschaft in Icking: Die eigenen Hennen liefern die Hauptzutat für die Pasta, den Honig bezieht Jana Burlein von einem Imker aus der Gemeinde. Im Kühlregal liegen Rind und Geflügel aus eigener Mast.

Die eigenen Hennen liefern die Hauptzutat für die Pasta, den Honig bezieht Jana Burlein von einem Imker aus der Gemeinde. Im Kühlregal liegen Rind und Geflügel aus eigener Mast.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Dass sie eigene Produkte direkt selbst vermarkten wollen, hat das junge Paar schon sehr früh entschieden und erst einmal mit Fleisch angefangen. 2020 war das, als sie den Betrieb von Stephan Burleins Eltern übernommen haben. Jana Burlein war da gerade mal 21 Jahre alt. Es hätte sich eben nicht gerechnet, den Hof als Mastbetrieb zu führen, erzählt sie, "wir sind ein kleiner Familienbetrieb". Also hätten sie das Fleisch ab Hof verkauft. 2021 kamen Legehennen dazu und ein Lebensmittelautomat in Dorfen. Währenddessen stiegen die Burleins auf biologische Landwirtschaft um. Dann haben sie ihren Betrieb nach Attenhausen verlegt, weil ein ehemaliger Pferdehof günstig zum Verkauf stand. Mit Hausstand und Vieh sind sie vom Hof der Schwiegereltern umgesiedelt.

Nun also der Hofladen. Zum einen, weil Jana Burlein das Selbermachen schätzt. Aber auch und vor allem, weil Kundenkontakt wichtig ist, wenn man seine Produkte selbst vermarktet. Und Jana Burlein kann das: "Ich bin schon wer, der gerne mit Menschen ins Gespräch kommt", erzählt sie. Die Kundinnen und Kunden schätzten das Einkaufserlebnis im Hofladen, den Strohgeruch und die naturnahen Produkte.

Die Idee kam Jana Burlein vergangenes Jahr in der Hauswirtschaftsschule, wo sie den Hofladen zu ihrem Meisterstück bestimmte. "Ich habe mir gedacht: Jetzt können wir das endlich anpacken. Mein Meisterprojekt hat ,Biohofladen mit Eröffnungsfeier' geheißen", lacht sie. Ein Meisterprojekt, zugeschnitten auf Jana Burlein, den Hof und die wirtschaftlichen Ambitionen. Da war es gerade März geworden und Jana Burlein hatte bis Oktober Zeit, den Pferdestall zu einem Hofladen umzugestalten. Das Zeitfenster gab die Meisterschule vor. Alle haben mitgeholfen, sagt sie fröhlich, den Laden haben sie ohne fremde Hilfe aufgebaut. Zur Eröffnungsfeier kamen 250 Menschen.

Landwirtschaft in Icking: Jana Burlein hat das ein oder andere Eck mit Trockenblumen dekoriert.

Jana Burlein hat das ein oder andere Eck mit Trockenblumen dekoriert.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Heute leben etwa zehn Mastochsen auf den Burleinhof, daneben Mastgeflügel und 500 Legehennen. Weil der Betrieb Bioland-zertifiziert ist, gibt es Vorgaben etwa für die Tierhaltung. Die Legehennen, Masthähne und -enten leben in einem mobilen Stall. Alle zwei bis drei Wochen versetzt Stephan Burlein den Auslauf auf den Wiesen, das schont auch den Boden. Die Ochsen werden vom Biometzger geschlachtet und zerlegt, für das Geflügel kommt eine mobile Schlachterei auf den Hof. "Die Tiere werden dann vor Ort eingefangen. Das bedeutet für alle weniger Stress."

Nach der Schlachtung verpackt Jana Burlein die Teile und vakuumiert sie, oder verarbeitet das Fleisch weiter. Neben den eigenen Produkten bezieht sie Honig und Wachskerzen vom örtlichen Imker, Kaffee aus einer Rösterei in Seeshaupt, Kartoffeln aus Endlhausen. Und Mehl, Müsli und Porridge liefert die Off-Mühle in Sindelsdorf. "Früher hieß das Haferbrei, heute ist es voll modern", sagt Jana Burlein mit einem Augenzwinkern.

Die Burleins möchten Ausbildungshof werden

Im Hofladen laufen aber auch viele Fäden des Betriebs zusammen. Neben der Buchhaltung für den Laden kümmert sich die Ickingerin um die Bestellungen, liefert selbst aus, auch der Regiomat in Dorfen will befüllt werden. Zu ihren Aufgaben gehört dann auch das Kochen und Einkochen, gerade ist viel los im Leben von Jana Burlein.

Landwirtschaft in Icking: Im heutigen Hofladen war früher ein Pferdestall.

Im heutigen Hofladen war früher ein Pferdestall.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Aber am allerwichtigsten ist ihr die letzte Prüfung zur Hauswirtin im Februar. Dafür fährt sie nach wie vor einen Tag in der Woche nach Augsburg, Zeit zum Lernen braucht Jana Burlein auch. Ihr Meisterdiplom will sie dann im Hofladen aufhängen, an der Wand hinter der Ladentheke hat sie einen Platz freigehalten. Und wenn die Prüfung bestanden ist, kann es mit dem Hofladen richtig losgehen. "Ich sage immer: Das Meisterprojekt ist fertig, aber für mich ist es ein Herzensprojekt, und jetzt beginnt es gerade", sagt Jana Burlein. Später einmal möchte sie am Burleinhof ausbilden. Aber erst einmal die Meisterprüfung.

Burlein Bio-Hofladen, Dorfstraße 17, Icking, geöffnet freitags 9 Uhr bis 12.30 Uhr, 13.30 Uhr bis 17 Uhr.

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