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Neues Berufsbild:Der Leih-Sohn für mehr Lebensfreude

Freund und Helfer: Der Ickinger Dominik Dokoupil hat seine Freude daran, Senioren zu helfen, zum Beruf gemacht.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Ickinger Dominik Dokoupil ist der erste zertifizierte "Senioren-Assistent" in der Region. Mit individueller Unterstützung will er älteren Mitbürgern helfen, ihren Alltag zu meistern.

Von Claudia Koestler

Es gibt da diese Diskrepanz, und die ist alles andere als banal: Die Rente oder die Pension ist erreicht, endlich Zeit, das Leben zu genießen. Doch die Kinder sind außer Haus, der Ehepartner ist vielleicht nicht mehr fit, der Freundeskreis nicht mehr so groß und aktiv wie früher. Die soziale Teilhabe wird plötzlich weniger, und mit der fehlenden Ansprache sinkt auch der Lebensmut und die Gesundheit leidet. Ein Pflegedienst aber ist in solchen Fällen fehl am Platze, und nicht überall können Familienmitglieder oder Nachbarn einspringen. An den Umzug in ein Altenheim wollen die meisten aber dann noch nicht denken.

Genau hier setzt ein junger Ickinger an - mit einer Geschäftsidee: Dominik Dokoupil nennt sich "Senioren-Assistent", und bietet an, ältere Personen im Isartal stundenweise zu unterstützen. Er kümmert sich um Alltagsthemen genauso wie um die Freizeitgestaltung, geht mit zum Einkaufen oder ins Museum, fährt Senioren zum Schwimmen oder zum Arzt, erledigt Aufträge und macht Besorgungen. Oder er hört einfach nur zu - und entlastet damit Angehörige. Gesellschafter nannte man früher solche Menschen, heute ermöglichen sie soziale Teilhabe und das selbstbestimmte Leben in gewohnter Umgebung. Dokoupil ist aber auch Pionier: Er bietet als einziger bislang einen solchen Dienst in der Region an, nachdem er kürzlich seine Ausbildung zum Seniorenassistenten in München abgeschlossen hat.

Seinen Beruf sieht er als Berufung. "Ich habe immer schon den Umgang mit älteren Menschen genossen", sagt er. Der 31-jährige Vater zweier Kinder stammt aus Walchstadt, wuchs in Wolfratshausen auf und wohnt seit vier Jahren mit seiner Familie wieder in Icking. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Gärtner für Gemüsebau und arbeitete lange in der Schlossgärtnerei Weidenkam - auch in deren Laden in Wolfratshausen, den er schließlich leitete. Schon da kam er gerne mit den Kunden ins Gespräch, und wenn ihn ein Senior fragte, ob er behilflich sein könne, die Einkäufe zu bringen, so habe ihm das stets Spaß gemacht, erzählt er.

Während seiner Elternzeit kam dann der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung. "Ich habe mich gefragt, was mache ich wirklich gerne?" rekapituliert er. Dabei kam ihm der Umgang mit Menschen, insbesondere älteren, in den Sinn. Doch in die Pflege wollte er nicht gehen. "Ich habe mich dann einfach schlau gemacht, was es denn sonst so für Möglichkeiten gibt." So stolperte über die Help-Akademie in München, eine staatlich anerkannte und zertifizierte Einrichtung zur Ausbildung von Senioren-Assistenten, die gerade den 100. Absolventen bundesweit verabschiedet hat. Dokoupil schrieb sich ein, bestand die Prüfungen und wagte den Sprung in die Selbständigkeit.

Die Kosten für seine Unterstützung, die er im Isartal und bis Eurasburg anbietet, liegen mit 49 Euro pro Stunde inklusive Mehrwertsteuer unterhalb der gängigen Sätze für Handwerker. Wie lange man ihn bucht, ist flexibel. Wer Dokoupil jedoch mehr als fünf Stunden am Stück braucht, dem bietet er eine Pauschale an. Noch werden die Kosten für Senioren-Assistenten in Bayern nicht von den Kassen übernommen. Immerhin aber lassen sich Dokoupils Dienste steuerlich absetzen. Zwei Kunden hat er aktuell bereits, doch seine Arbeitszeit würde auch für bis zu sieben Kunden reichen. "Sollte die Anfrage größer werden, dann würde ich vom Einzelunternehmer zum Unternehmer werden, der sich Angestellte sucht."

Eines ist ihm allerdings wichtig: Die Abgrenzung zur Pflege und auch zu anderen Dienstleistern. "Ich kann und darf keine medizinischen Leistungen bringen, und ich werde auch nicht gärtnern oder putzen." Aber er will ein Netzwerk von vertrauenswürdigen Partnern aufbauen, die er im Bedarfsfall empfehlen kann. Sein Metier hingegen ist die Hilfe im Alltag, um die schönen Dinge genießen zu können. Was genau das für jeden im Einzelnen ist, findet er am besten in einem persönlichen Gespräch heraus. Nur in einem Punkt stößt Dokoupil noch an Grenzen: "Ich kann leider nicht Schach spielen." Aber vielleicht bringt ihm genau das ja einer seiner Klienten bald bei.

Mehr Informationen unter Telefon 0174/1620672 oder per E-Mail an dominik-dokoupil@gmx.de

© SZ vom 01.09.2020

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