50 Jahre Kreisklinik Wolfratshausen:"Nutzen Sie dieses Krankenhaus!"

50 Jahre Kreisklinik Wolfratshausen: Moderatorin Sybille Krafft (2. v. li.) im Gespräch mit Barbara Mehlich (li.), Annegret von Andrian (2. v. re.) und Krankenschwester Doris Behringer.

Moderatorin Sybille Krafft (2. v. li.) im Gespräch mit Barbara Mehlich (li.), Annegret von Andrian (2. v. re.) und Krankenschwester Doris Behringer.

(Foto: H. Pöstges)

Bei der Feier des Jubiläums richtet der Landrat einen Appell an die Bürger - dem Standort drohten Privatisierung und Verlust der Notfallmedizin.

Von Wolfgang Schäl, Wolfratshausen

Es war eine heikle Aufgabe: Ein halbes Jahrhundert Medizingeschichte auf eine zweieinhalbstündige Veranstaltung zu komprimieren, dabei die wirtschaftlich immer schwierigeren Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen zu erläutern und in lockerer Atmosphäre das Selbstverständnis einer Belegschaft zu vermitteln, die jedes Jahr Tausende Patienten versorgt. Die schwierige Gestaltung des Jubiläums der Kreisklinik ist am Samstag in der Loisachhalle überzeugend gelungen, dank kompakter Programmbeiträge, musikalischer Auflockerung durch die Mixed Voices, aber auch dank dreier Garanten für gute Laune: Der Kabarettist Josef Brustmann trug zur entspannten Atmosphäre ebenso bei wie die beiden unverwüstlichen Spaßmacher Wiggerl Gollwitzer, der mit Zylinder und albernen schwarzen Puffärmeln auf die Bühne trat, und Franz Foitzik, der mit verbundenem Knie auf Krücken jammernd durch den Abend humpelte - ein Running Gag zum Thema "50 Jahre Kreisklinik Wolfratshausen". Wie es dort vor fünf Jahrzehnten ausgesehen hat, dokumentierte ein Filmbeitrag aus dem Jahr 1971, den die Vorsitzende des Historischen Vereins und TV-Journalistin Sybille Krafft im Archiv des Bayerischen Rundfunks aufgetan hatte.

Es seien bewegte 50 Jahre gewesen, sagte Landrat Josef Niedermaier (FW), als oberster Dienstherr für die Geschicke des Krankenhauses verantwortlich. Allein in den vergangenen 15 Jahren habe der Landkreis in die Einrichtung 35 Millionen Euro investiert, habe sie planvoll erweitert und zum akademischen Lehrkrankenhaus der Münchner Universität gemacht. In seinem historischen Rückblick ging Niedermaier auf den Krankenhaus-Neubau im Jahr 1966 zurück, der jetzt Anlass für die Jubiläumsfeier war. Er erinnerte aber auch an das Jahr 1823, als der Grundstein gelegt wurde für die "Kranken-, Armen- und Leichenanstalt", die denkmalgeschützt, aber marode an der Sauerlacher Straße nach wie vor existiert. 1914 wurde der heutige alte Teil der Kreisklinik an der Gebhardtstraße eröffnet, "in strategisch günstiger Lage zu Bahnhof und Friedhof", damals noch mit einer "Irrenzelle" ausgestattet. 1925 wurde dieser Bau durch einen Ostflügel erweitert, bis dann 1966 der komplette Neubau mit 238 Betten seinen Betrieb aufnahm. Mittlerweile sei es leider schwierig geworden, dieses "Kronjuwel" der medizinischen Versorgung zu erhalten, eine Gesundheitsreform jage die nächste, es bestehe immer die Gefahr, dass die Kreisklinik zu einem Privatkrankenhaus ohne Notfallversorgung umgewandelt werde, sagte der Landrat. Seine Sorge um den Fortbestand kleidete er in den Appell: "Nutzen Sie diesen Standort."

Edmund Stoiber (CSU) verbindet mit dem Krankenhaus nicht nur Politisches, sondern auch Persönliches - seine Kinder Dominic und Veronika sind dort geboren. Stoiber erinnerte an die "dramatischen Auswirkungen der Kreisreform", die aber nie dazu geführt hätten, das Kreiskrankenhaus zur Disposition zu stellen. Das dürfe auch heute nicht geschehen, es müsse in öffentlicher Hand bleiben, rief Stoiber unter dem Beifall der versammelten Belegschaft. Er werde die Interessen der Kreisklinik immer unterstützen - "falls Sie mich brauchen, wissen Sie ja, wo ich wohne".

Stefan Schmidbauer, Ärztlicher Direktor der Kreisklinik und Chef der Chirurgie, würdigte die Leistungen der Ärzte und des Pflegepersonals. Seit 50 Jahren stehe es an 365 Tagen rund um die Uhr zur Verfügung, "17 000 Menschen vertrauen sich unseren Mitarbeitern jedes Jahr an." Deren Kooperationsbereitschaft verdiene hohe Anerkennung, denn ein Krankenhaus funktioniere nur im Team. Seit 1966 sei die Klinik immer wieder saniert, erweitert und umgebaut worden, sodass man heute kurze Wege und rasche Abläufe im Betrieb gewährleisten könne. Dies sei gerade in einer überschaubaren Einrichtung wie der in Wolfratshausen möglich, aber auch nötig angesichts der veränderten Rahmenbedingungen.

Die durchschnittliche Verweildauer pro Patient beträgt Schmidbauer zufolge heute zwischen fünf und sechs Tagen, zur Zeit seiner Ausbildung sei dies noch das Dreifache gewesen. Natürlich habe man es in einem Krankenhaus immer auch mit Stress, Leid, Angst und Tod zu tun, und gewiss laufe nicht immer alles perfekt, räumte der Chefarzt ein. "Aber wir versuchen, uns im Interesse der Sicherheit unserer Patienten weiterzuentwickeln." Dies gelinge insbesondere "durch interdisziplinäre Therapiepläne und ein gut etabliertes Netzwerk mit den praktischen Ärzten".

Schmidbauers Fazit: "Wir sind stolz auf unsere Klinik."

© SZ vom 02.05.2016
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