Weihnachten:Jahresendmarkt statt Christkindlmarkt - das wäre die Lösung im Namensstreit

Lesezeit: 1 min

Christkindlmarkt am Rindermarkt in München, 2013

Christkindlmarkt am Rindermarkt in München, 2013 Erleuchtete Weihnachtspyramide auf dem Christkindlmarkt am Münchner Rindermarkt.

(Foto: Robert Haas)

Dann könnte man die wirklich brisanten Fragen rund um die Adventszeit klären.

Glosse von Andreas Schubert

Weil einst in der DDR der Engels als cooler galt als die Engel, nannte man Letztere angeblich - um religiöse Massenberauschung zu vermeiden - nicht kurz, aber knackig Jahresendflügelfigur. Ob das nun stimmt oder nicht: Ein hübscher Name, der dabei helfen könnte, die alljährliche Sprachverwirrung zur Weihnachtszeit ein für alle Mal zu beenden. Denn jetzt sind allerorten wieder diese grell illuminierten Budenansammlungen geöffnet, die mal Christkindl-, mal Advents-, mal Weihnachtsmarkt heißen. Und obwohl sie alle für dasselbe Glühweinkopfweh zum Jahresende stehen, wird oft darüber gestritten, wie es nun richtig heißt, besonders in München, das jahresendzeitbedingt jetzt noch mehr leuchtet als sonst schon.

Manche Traditionsbewahrer würden gerne alle des Bayernlandes verweisen, die einen hiesigen Christkindlmarkt zum Weihnachtsmarkt verpreußen. Oder schlimmer noch: als Wintermarkt ausweisen. Letzteres haben sie sich schon vor Jahren am Münchner Flughafen getraut, mit der Begründung, der Markt dauere schließlich länger als die Weihnachtszeit.

Das klingt nachvollziehbar und durch und durch korrekt - nicht jedoch für ein paar rechtsgesinnte Online-Trolle. Von denen wollte vor Kurzem einer ausnahmsweise mal ins Ausland fliegen (man fragt sich, wohin - nach Österreich vielleicht?), sah am Airport das Schild und postete auf Facebook seine Empörung in die Welt: Untergang des Abendlandes und so. Ein bräunlich-dümmlicher Shitstorm - endlich passt das Wort mal - ließ nicht lange auf sich warten.

So etwas hat auch ein Flughafen nicht verdient. Es wäre aber nie passiert, wenn die Märkte deutschlandweit nach DDR-Vorbild zum Beispiel Jahresendmärkte hießen. Jeder, egal woher er kommt, wüsste, was gemeint ist, Debatten wären überflüssig und man könnte endlich brisantere Fragen klären: Bringt das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke? Begleitet den Nikolaus eigentlich der Krampus oder der Knecht Ruprecht? Oder kommt er gar mit Elfen daher?

Man sieht schon: Bis zum Fest der Liebe gibt es noch viel Stoff für Konflikte. Und in diesem Fall funktioniert auch der Jahresendgeschenkelieferant als streitschlichtender Terminus nicht. Der ist schon für die Weihnachtselfen der Paketdienste reserviert.

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