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Warenhäuser in der Innenstadt:Hat sich das Warenhaus überholt?

Ein gewachsener Standort, einst hatte hier der Kaufmann Roman Mayr seine Verkaufsräume. Vor der Tür staut es sich. Und drinnen dasselbe: Zwölf Rolltreppen transportieren die Menschen zwischen sechs Stockwerken hoch und runter. Wenn es Berieselungsmusik geben sollte, dann ist sie nicht zu hören; die Schritte, die Stimmen, das Tütenknistern von Tausenden Kunden überdeckt alles. Gürtel der Trendmarke Hüftgold gibt es, im Gang neben den Calvin Klein-Dessous eröffnet sich die Lego-Welt. Vor Schuhen der Marke Pantofola D'oro steht ein Kunde, vielleicht Mitte 20, und tippt die Daten der Schachtel in sein Smartphone: Wo gibt es das vielleicht ein paar Euro billiger? Das ist ein Problem für die Häuser, und manche Experten sagen auch, wenn sie so etwas sehen: Der Kaufhof-Slogan aus den 1960er Jahren: "Tausendfach - alles unter einem Dach" habe sich überholt.

Immobilien in München

Die spektakulärsten Deals der vergangenen Jahre

Tatsächlich ist der Umsatz in den deutschen Warenhäusern deutlich zurückgegangen: In den 1970er Jahren gaben die Deutschen jede achte Mark in Warenhäusern aus, heute nur noch jeden 40. Euro. Wer Unterwäsche gern ohne Kinderlärm aussucht, der kann in der Fußgängerzone zu den Fachgeschäften gehen oder ins Internet. Aber die Warenhäuser machen immer noch ein gutes Geschäft an Top-Standorten - zumal, wenn sie alles anbieten. Wie im Kaufhof. Ein wenig abgetrennt, gibt es dort auch Waren der Kategorie "täglicher Bedarf": Glühbirnen, Druckerpatronen, Radlflickzeug, USB-Kabel. Das, was man eben schnell mal braucht, gerade um halb acht am Abend. Schließlich der Service: Gerade alleinstehende Männer wissen es zu schätzen, dass wie hier im zweiten Stock am Stand des Strickwarenherstellers Maerz lebenserfahrene und kritische Kundenberaterinnen mit ehrlichem Blick sagen: "Die Farbe steht ihnen nicht so gut."

Luxus geht extra

Stände mit bekannten Marken oder gänzlich abgetrennte Bereiche, das ist gerade bei der Mode eine Entwicklung, die alle durchmachen. Sehr weit getrieben hat das Markenkonzept der Oberpollinger, der einst zu Karstadt gehörte, mittlerweile aber herausgelöst ist aus dem großen Verbund. Louis Vuitton und Prada steht am Eingang, manche der Luxusartikler haben kleine Absperrbänder vor ihren Zugang gestellt: Exklusivität statt Wühltisch, das ist das Konzept des Hauses, das kürzlich für 80 Millionen Euro verschönert wurde.

Münchner Milliardenspiel Geliebte Hasszone
Münchner Innenstadt

Geliebte Hasszone

Mit der Fußgängerzone in der Münchner Innenstadt ist das so eine Sache: Man schimpft, dass es zu laut sei und zu viel Konsum gebe. Doch das war zwischen Stachus und Isartor noch nie anders.   Von Wolfgang Görl

Zur Zielgruppe zählen zahlungskräftige Touristen aus aller Welt. 257 Euro geben sie am Tag in München aus, während Deutsche nur auf 101 Euro kommen, hat die Handelsberatung BBE jüngst ermittelt. Die Einkaufsfreudigsten: Touristen aus dem arabischen Raum. 351 Euro lassen sie im Schnitt in der Münchner Innenstadt. Mehr als jeder vierte befragte Einkaufstourist, egal ob aus Deutschland oder aus dem Ausland, besucht dabei Kaufhof und Karstadt. Das seien "wahre Touristenmagnete", urteilt die Beratungsfirma. Im Oberpollinger tönt an diesem Nachmittag über Lautsprecher tatsächlich Arabisch. Vielleicht wird ein Kind gesucht oder Werbung gemacht, man weiß es nicht.

Es gibt eigentlich alles

Weiter, vorbei am Brunnenbuberl und über die Sonnenstraße, links der große Stachus-Kaufhof und vorne dann der Karstadt am Bahnhof. Die allerteuersten Modemarken haben sie hier nicht - "beim Oberpollinger müssten Sie fragen", heißt es. Aber sonst gibt es in dem 1905 unter dem Namen Tietz begründeten Kaufhaus eigentlich alles. 300 000 Produkte auf 40 000 Quadratmetern - es ist die umsatzstärkste aller deutschen Karstadt-Filialen und dem Vernehmen nach auch gut in den schwarzen Zahlen. Was man immer dazu sagen muss bei Karstadt, wo die Mitarbeiter nach Insolvenz und andauerndem Eigentümer- und Geschäftsführerwechsel mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen haben. Ganz im Gegensatz zu Kaufhof, der seit 20 Jahren mit ruhiger Hand von Lovro Mandac geführt wird.

Geschäftsführer Hans-Jürgen Gladasch ist dennoch selbstbewusst und stolz auf sein "Vollwarenhaus". Gerade von den Bahnpendlern wird sein Haus angesteuert, 30 000 bis 40 000 Kunden kommen so auch unter der Woche jeden Tag, zum Trachtenplatzl, in die riesige Damenwäscheabteilung oder um Stoffe zum Selbernähen zu besorgen. "Wir sind in einer komfortablen Situation", sagt er, "wie auch die Konkurrenz." Gladasch ist auch im Vorstand des Einzelhandelsverbandes, seine Erkenntnis: Jedes Haus ist eigen, gerade durch die Patina, wie ein Restaurant. Der eine mag dieses lieber, der andere jenes. Und weil genügend Publikum da ist, gibt es auch genügend Geschäfte für jeden.

Handelsexperte Hessert schätzt das Haus auf 100 Millionen Euro Jahresumsatz. Wieso sollte man so etwas schließen? Wenn Mars und Venus zusammen kämen, bliebe allein die Frage: Unter welchem Namen sollen die Häuser laufen?