Kritik:Zusammen träumen

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Kritik: Vincent Peirani erweitert revolutionär die Möglichkeiten seines Instruments: des Knopfakkordeons.

Vincent Peirani erweitert revolutionär die Möglichkeiten seines Instruments: des Knopfakkordeons.

(Foto: TJ Krebs)

Vincent Peiranis neues Trio "Jokers" in der Unterfahrt.

Von Oliver Hochkeppel, München

Ja, es stimmt: Der französische Knopfakkordeon-Zauberer Vincent Peirani hat sich mit seinem neuen Trio Jokers (und auf dem gleichnamigen gerade erschienenen Act-Album) erstmals explizit der Rockmusik zugewandt und an seinem Instrument - als ob er dessen Ausdrucksmöglichkeiten nicht schon früher revolutionär erweitert hätte - elektronische Effekte ausprobiert. Paradoxerweise ergab sich daraus bei seinem Live-Auftritt in der Unterfahrt eine umso poetischere, auf Klangbilder konzentrierte und von Virtuosität abgewandte Musik.

Was zuvorderst damit zu tun hat, dass sich mit ihm, dem italienischen (aber auch in Paris lebenden) Gitarristen Federico Casagrande und dem israelischen, lange in den USA lebenden und nun ebenfalls nach Frankreich gezogenen Schlagzeuger Ziv Ravitz ganz offensichtlich ein seelenverwandtes, perfekt harmonierendes Kollektiv gefunden hat. Über weite Strecken des Konzerts spielten die drei mit geschlossenen Augen, ganz auf die Klänge der anderen konzentriert, sie versunken oder auch lachend aufnehmend und weiterführend. Es war, als würden sie zusammen träumen.

Bildhaft, fantasievoll und lyrisch

Entsprechend bildhaft, fantasievoll und lyrisch klang denn auch ihre berückende, geradezu beglückende Musik. Natürlich bei den Balladen und ruhigen Stücken wie Peiranis ätherischem (der nordischen Göttin Freya gewidmeten) "Les Armes de Syr", Casagrandes schillerndem "Twilight" oder mehreren Kompositionen von Ravitz, die ihn mindestens so zum Star des Abends machten wie Peirani: Immer noch nicht genug gewürdigt ist seine Extraklasse, die amerikanische Wucht und Virtuosität mit europäischer Lyrik und Finesse verbindet: ein Schlagzeug-Melodiker, der seinesgleichen sucht. Aber selbst die wuchtigen, von Elektro-Beats und Casagrandes zum E-Bass umfunktionierter Gitarre angeschobenen Rock-Adaptionen wie "Copy Of A" der Nine Intch Nails, waren sozusagen Zwischenspiele in einem famosen Gesamtkunstwerk.

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