Verkehr Wie München beim Schutz der Radfahrer an der Rosenheimer Straße versagt

Radlerparadiese sehen anders aus. Zwar stehen an der Rosenheimer Straße nun Tempo-30-Schilder - aber was ändern sie?

(Foto: Florian Peljak)
  • Seit einigen Wochen gilt zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz eine Tempo-30-Beschränkung.
  • Damit will die Stadt für mehr Sicherheit für Radler sorgen, doch kaum ein Autofahrer hält sich an die neue Geschwindigkeitsbegrenzung.
  • Viele fordern einen richtigen Fahrradweg.
Von Andreas Schubert

Es hat etwas Lustiges, in der Rosenheimer Straße stur Tempo 30 zu fahren. Dieses Limit gilt seit Anfang August zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz. Und die Schilder, mag man meinen, sind deutlich sichtbar. Nur: Offenbar doch nicht so, als dass sich ein Gros der Autofahrer daran halten mag. Wer also die Rosenheimer mit 30 auf und ab fährt, wird die ganze Zeit überholt, nur damit er an der nächsten Ampel dann wieder neben dem 50-Fahrer zum Stehen kommt.

Freilich hat die Stadt das Tempolimit nicht zur Gaudi eingeführt, sondern, um die Radfahrer zu schützen. Für die steht auf dem rund 600 Meter langen Straßenabschnitt kein Radweg zur Verfügung. Und die lange Diskussion, wie man das Radeln auf der viel befahrenen Einfallstraße sicherer machen kann, hat nicht etwa separate Radstreifen gebracht - sondern eben nur das Tempolimit. Denn den Autofahrern wollte man auf der Trasse, die sowohl Einfallstraße als auch Zubringer für die Autobahn ist, keinen Platz wegnehmen, ein Schmalspurradweg wäre wegen der vielen parkenden Autos am Straßenrand zu gefährlich - und die Bäume kann man ja auch nicht so einfach fällen.

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Die jetzige Regelung ist in der Praxis nicht unbedingt ein Segen für die Radler, wie sich zu jeder beliebigen Tageszeit erleben lässt. Denn die vierspurige Trasse lädt nach wie vor ein, ordentlich Gas zu geben. Und wenn - wie so oft - ein Lieferwagen die rechte Spur zuparkt - müssen die Radler auf die Mittelspur ausweichen, was zu gefährlichen Situationen führt: Denn Autofahrer beschleunigen dann erst recht, um schnell noch am langsamen Fahrrad vorbeizukommen. Aus Sicht des Fahrradklubs ADFC ist die derzeitige Situation auch mehr als drei Wochen nach Einführung des Tempolimits immer noch unbefriedigend. "Richtig attraktiv ist das nicht", sagt etwa Andreas Groh, stellvertretender Vorsitzender des ADFC München. "Es ist nicht das, was man eigentlich will."

Was die Radler wollen, ist seit Langem bekannt, aber in München nicht überall durchzusetzen: Unbehelligt durch die Stadt zu kommen. Doch die zusätzlichen Maßnahmen, die der Stadtrat beschlossen hat, sind noch nicht umgesetzt. Als da wären: Straßenmarkierungen, die auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hinweisen, zusätzliche Piktogramme, die auf Radler hinweisen, und Dialog-Displays, die zu gemächlichem Fahren mahnen.

Zudem sind an vier Kreuzungen kleinere Umbauten vorgesehen, die den Radverkehr sicherer machen sollen. Bislang ist außer den Schildern noch nichts passiert. Und wenn man sich auf der Straße ein bisschen umhört, wird deutlich, dass auch manche Radler das Tempolimit angesichts der vielen hier wie gehabt durchrauschenden Autos nicht wirklich wahrnehmen.

Petra Dorfner, die in der Rosenheimer Straße wohnt, sind die Schilder noch nicht aufgefallen. Für sie ist der Verkehr vor ihrer Haustür "eine Katastrophe". Ein richtiger Radweg, findet sie, wäre eine Lösung. Dass es keinen gebe, sei nur ärgerlich, denn die vierspurige Straße ist für die Radler aus ihrer Sicht viel zu gefährlich. Und ihre Freundin Inge Kapraun meint: "Anstatt viel Geld für Events wie die Radlnacht zu verbraten, sollte man lieber für sichere Straßen sorgen."

Es gibt aber auch Radler, die für die Autofahrer Verständnis zeigen. Heribert Neuffer etwa hält es für einen unnötigen Aufwand, eigens einen Radweg zu bauen, er rät zu einem Umweg über die Balanstraße. Und Sabina Franciscki hätte nichts dagegen, den Gehweg zu verkleinern, sie findet es überdies nicht gut, dass unten am Rosenheimer Platz der Radweg zur Straße hin verlegt wurde. Auch darin sieht sie ein Gefahrenpotenzial.

Radler fühlen sich also weiterhin nicht sicher an der Rosenheimer Straße. Immerhin hat die Polizei nun Geschwindigkeitsmessungen angekündigt. Dazu sei man bisher nicht gekommen, heißt es im Präsidium.

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