Verkehr in München Ein Tunnel für Radler, Fußgänger und Busse

Der Tunnel wird östlich der beiden bestehenden gegraben - im Bild also rechts vom Autotunnel. Er wird etwa 200 Meter lang werden, sein Bau knapp 97 Millionen Euro kosten, wovon die Stadt das meiste trägt.

(Foto: Catherina Hess)
  • Laim bekommt einen dritten Tunnel. Die Entscheidung drängte, denn bereits Anfang 2018 sollen die Arbeiten beginnen, die auch für die zweite S-Bahn-Stammstrecke notwendig sind.
  • Die neue Röhre wird 200 Meter lang und wohl 97 Millionen Euro teuer. Sie ist Radfahrern, Fußgängern und MVG-Bussen vorbehalten.
Von Dominik Hutter

Jetzt muss plötzlich alles ganz schnell gehen: Sprichwörtlich in letzter Minute hat der Stadtrat die schon seit mehr als einem Jahrzehnt geplante Erweiterung der Laimer Unterführung genehmigt. Die Deutsche Bahn benötigt bis Ende Dezember die Zusage der Stadt, die zum Bau des knapp 200 Meter langen Bauwerks 86 Millionen Euro beisteuern soll. Bereits Anfang 2018 sollen die Ausschreibungen beginnen, dann auch die vorbereitenden Arbeiten - die dritte Laimer Röhre hängt direkt mit dem Komplettumbau des S-Bahnhofs Laim zusammen, der für die zweite Stammstrecke auf vier Gleise erweitert wird.

Letzte Umbauwünsche der Grünen schmetterte der Stadtrat am Mittwoch mit großer Mehrheit ab. Sie hätten vermutlich eine Änderung der Baugenehmigung für den gesamten Westabschnitt der zweiten Stammstrecke bedeutet und damit eine enorme Verzögerung des S-Bahn-Ausbaus. "Dann stünden wir wieder am Anfang", warnte Baureferentin Rosemarie Hingerl. Die Grünen hatten vorgeschlagen, die neue Röhre mit zwei Treppenhäusern gen S-Bahnsteig auszustatten, damit den Fahrgästen das Umsteigen erleichtert wird. Bisher ist nur eines geplant. "Wir wollen keinen zumutbaren, sondern einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr", sagte Grünen-Verkehrssprecher Paul Bickelbacher.

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Im neuen Tunnel sind Haltestellen für Busse und später für die Tram-Westtangente vorgesehen. Für den zweiten Aufgang zur S-Bahn hätte aber die benachbarte, aus dem Jahr 1890 stammende Autoröhre abgerissen und komplett neu gebaut werden müssen. Samt Aufschnüren des Planfeststellungsbeschlusses für die zweite Stammstrecke, den die Bahn nach quälend langen Jahren endlich fix in der Tasche hat.

"Meinen Sie das wirklich ernst?", wetterte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl in Richtung der Grünen. Vor diesem Hintergrund sei ein zweites Treppenhaus "nicht nur überflüssig, sondern schädlich". Die Grünen blieben mit ihrem Vorschlag schließlich alleine, auch die ÖDP scheiterte mit ihrem Antrag, ein automatisches Fahrradparkhaus mitzubauen. Baureferentin Hingerl kann, wie sie sagt, beim besten Willen keine Freifläche mehr für ein solches Projekt entdecken. Man habe so viele Radlstellplätze wie möglich eingeplant.

Die neue Unterführung soll östlich der beiden bestehenden Tunnel verlaufen, die zwar im Norden um ein kleines Stück verkürzt werden, sonst aber unangetastet bleiben. Röhre Nummer drei ist als "Umweltverbundröhre" für Fußgänger, Radfahrer und die Busse der MVG reserviert. Später soll statt der Busse die Tram-Westtangente einen Tunnel-Stopp auf Höhe des Laimer Bahnhofs erhalten. Auf Wunsch der MVG werden die Haltestellen breiter angelegt als in den von 2004 stammenden Planungen vorgesehen. Hintergrund sind die starken Fahrgastzuwächse auf den Linien - die Haltestellen sollen nicht gleich bei der Eröffnung heillos überfüllt sein.

Der heute noch dreigleisige Laimer Bahnhof wird in den kommenden Jahren vor allem als Umsteigepunkt erheblich an Bedeutung gewinnen. Ein Stückchen östlich der Station werden sich später die Trassen der ersten und zweiten Stammstrecke voneinander trennen. Zahlreiche Fahrgäste dürften dort also den Zug wechseln, da die zweite S-Bahn-Röhre unter anderem an der Donnersbergerbrücke, am Isartor und am Rosenheimer Platz keine Ausstiegsmöglichkeit bietet.

Die dritte Laimer Röhre kostet insgesamt knapp 97 Millionen Euro. Sie wird von der Deutschen Bahn errichtet, die auch Eigentümerin des Bauwerks bleibt. Die Stadt ist für die Verkehrsflächen im Innern, die Beleuchtung, die Wandverkleidung und diverse technische Einbauten zuständig. Der Tunnel gilt als Gemeinschaftsprojekt - für die Stadt bietet er die Möglichkeit, das verkehrliche Nadelöhr zwischen Laim und Nymphenburg endlich aufzuweiten. Derzeit drängen sich Autos und Busse gemeinsam durch eine sichtlich in die Jahre gekommene Röhre, daneben verläuft ein Tunnel für Radler und Fußgänger.

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