Unwetter im Großraum München "Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven auf uns ein"

  • In Bayern gab es heftige Unwetter, besonders stark hat es den Großraum München getroffen.
  • Golfballgroße Hagelkörner beschädigten Autos und Häuser, mehrere Menschen wurden leicht verletzt.
  • Reisende Richtung Flughafen müssen seit dem Unwetter wegen eines Oberleitungsschadens zwischen Laim und Feldmoching auf der S-Bahnlinie S1 auf die S8 oder die U2 ausweichen.
  • Auch am Dienstag kann es Unwetter geben.

Ein heftiges Gewitter mit Hagel ist am Montagabend im Großraum München niedergegangen. Im Stadtgebiet wurden mehr als 700 Einsätze wegen des Unwetters gezählt. Mehrere Menschen wurden durch umstürzende Bäume oder Hagelschlag verletzt. Dem Deutschem Wetterdienst zufolge gab es in ganz Bayern Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern und Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu sechs Zentimetern.

Zahlreiche Autoscheiben und Dachfenster seien zu Bruch gegangen. Häuser stünden wegen der Schäden unter Wasser, sagten Sprecher von Polizei und Feuerwehr. Zudem seien zahlreiche Bäume entwurzelt worden. Der Sprecher sprach von Hagel in Golfballgröße - vereinzelt hätten Anrufer von Tennisballgröße gesprochen. Bei einigen Fahrzeugen wurden Front- und Heckscheiben eingeschlagen, bei anderen Autos Seitenspiegel und Schiebedächer in Mitleidenschaft gezogen. Im Westen der Stadt standen Straßen unter Unterführungen unter Wasser.

Auf der A96 durchschlugen Eisbrocken Front- und Heckscheiben

"Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven auf uns ein", sagte eine Autofahrerin aus München. "Wir fuhren von der Autobahn ab, in den Orten lagen vereinzelt Dachziegel auf der Straße. Die Straßen waren grün vor lauten abgerissenen Ästen und Blättern." Auf dem Ammersee und dem Starnberger See kenterten mehrere Boote. In Unterschleißheim wurde das Volksfest nach Angaben eines Sprechers der Leitstelle geräumt - die Besucher kamen vorübergehend in einer Schule unter. An der Würm drohte ein Damm zu brechen: Bäume hatten sich quergelegt und das Wasser nördlich der Verdistraße derart aufgestaut, dass die Feuerwehr ein Überlaufen des Flusses mit Sandsäcken verhindern musste.

Unwetter wüteten auch vom Ostallgäu bis nach Kempten, wie ein Polizeisprecher sagte. In Bidingen seien ein Siebenjähriger und zwei Männer durch einen umstürzenden Baum verletzt worden. Die Radfahrer hätten Schutz unter einem bereits umgestürzten Baum gesucht, als ein zweiter auf diesen krachte. Der Bub sei schwer, die Männer leichter verletzt worden, sagte der Sprecher. Im Ostallgäu seien zudem Straßen überschwemmt worden und weitere Bäume auf die Straßen gefallen. Nach wenigen Minuten sei an den meisten Orten das Unwetter weitergezogen.

In sozialen Medien teilten Nutzer Videos und Bilder des Hagelsturms. Eines der eindrücklichsten Videos wurde laut dem Besitzer des Twitter-Accounts in Finning zwischen Landsberg und Ammersee aufgenommen:

Das Unwetter wirkte sich auch auf den S-Bahnverkehr in und um München aus. Drei Linien seien von Sturmschäden betroffen, es gebe erhebliche Beeinträchtigung im gesamten Netz, teilte die Bahn mit. Die Strecke der S1 zwischen Moosach und Feldmoching ist wegen eines Oberleitungsschadens gesperrt, die Bahn hat einen Schienenersatzverkehr mit Taxis eingerichtet. Reisende Richtung Flughafen sollen auf die S8 ausweichen, alternativ können sie mit der U-Bahnlinie U2 vom Münchner Hauptbahnhof nach Feldmoching fahren. Aktuelle Informationen zu den Zügen gibt es unter anderem über Twitter. An mehreren Stellen stürzten Bäume ins Gleis, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Züge wurden zeitweise in Bahnhöfen zurückgehalten. Ebenfalls betroffen ist die S 2 zwischen Erding und Markt Schwaben, die Sperrung auf der S 8 zwischen Weßling und Herrsching ist inzwischen wieder aufgehoben.

Unwetter noch bis Dienstagmorgen

Eine Sprecherin sprach von Ausfällen und Verspätungen von 20 bis 60 Minuten. Ein Sprecher der Feuerwehr München berichtete von zwei beschädigten S-Bahn-Oberleitungen im Stadtgebiet. Laut Deutscher Bahn kam es auf der Pendlerstrecke zwischen Landshut und München durch Bäume zu Einschränkungen, weil wegen der Sturmschäden nur ein Gleis zur Verfügung stand. Regionalzüge endeten daher in Freising, wo Pendler auf die S1 umsteigen mussten - die allerdings wegen eines Sturmschadens eben auch nur bis Feldmoching fuhr und nicht bis zum Hauptbahnhof. Im Fernverkehr habe es bis in die frühen Morgenstunden keinen kompletten Ausfall gegeben, so die Bahn.

Die Gefahr ist für weite Teile des Landes auch noch nicht gebannt - bis Dienstagmorgen besteht im Westen Bayerns hauptsächlich die Gefahr vor Starkregen, im Osten vor Hagel, und im Norden vor Wind, fasste Meteorologe Martin Schwienbacher die Wetterlage zusammen.

Auch in anderen Teilen Deutschlands herrschte Unwetter. Stark betroffen war Sachsen. Im Süden des Bundeslandes fielen 30 bis 50 Liter Regen pro Stunde. Weniger schlimm war dem Deutschem Wetterdienst zufolge die Lage in Niedersachsen, wo es starke Regenschauer und in der Folge vollgelaufene Keller und überflutete Straßen gab. In Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen sah es ähnlich aus.

Am Dienstag kann es nach Angaben des DWD ebenfalls Unwetter geben, vor allem in einem Streifen vom östlichen Alpenrand bis zur Ostsee. Dabei liegen die Temperaturen im Südosten und Osten voraussichtlich zwischen 25 und 32 Grad, während es in der Mitte und im Norden Deutschlands mit 21 bis 25 Grad merklich kühler sein dürfte. Im Westen und Südwesten werden nur 16 bis 20 Grad Höchsttemperatur erwartet.