Umwelt Die ersten Badegäste an die Isar scheuchen die Jungfische auf

Dabei ist die Bachforelle im Oberlauf der Isar der sogenannte Leitfisch im Fluss. Auch in München würde er sich grundsätzlich wohlfühlen, wäre da nicht der viele Trubel durch Badende, Feiernde und Hunde, die zur Abkühlung gerne in den Fluss springen. Im Frühjahr, wenn die Fische noch klein sind, halten sie sich laut Meißner in den geschützten Bereichen der Isar auf, im offenen Fluss wären sie leichte Beute von großen Fischen, aber auch von Kormoranen und Gänsesägern.

Doch dann kommen schon die ersten Badegäste an die Isar und scheuchen die Jungfische auf. Die Folge ist Stress für die Tiere. Der könnte nach Ansicht von Hanfland den Ausbruch der mysteriösen Krankheit begünstigen. Untersuchungen an zwei Flüssen in Österreich hätten ergeben, dass Huchen, die größte Forellenart, dort häufiger sterben, wo viele gut besuchte Badestellen sind.

Das ist ein Dilemma für die Fischer. Durch die Renaturierung der Isar wurden einerseits Plätze geschaffen, wo sich selbst selten gewordene Fische wieder aufhalten. So wurden schon bald nach Ende der Flussbauarbeiten im Sommer 2011 Arten entdeckt, die zuvor nicht in der Stadt gesichtet wurden. So sei München "die einzige Großstadt, wo sich Huchen sogar vermehren", sagt Hanfland.

Der bis zu eineinhalb Meter lange und 30 Kilogramm schwere Raubfisch, der auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht, kann im April von manchen Brücken aus beim Laichen beobachtet werden. Andererseits ist die Isar durch den Umbau bei den Münchnern so attraktiv geworden, dass die Naturschützer um die Fischbestände bangen. "Der Huchen ist tragischerweise extrem bedroht", sagt Meißner. Für die Forellenart gebe es nur wenige Laichmöglichkeiten und die werden oft versehentlich durch Badende zerstört.

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Doch am meisten Kopfzerbrechen bereitet den Naturschützern das mysteriöse Bachforellensterben. Wenn Fischereibiologe Hanfland in diesen Tagen mit Kollegen an der Isar entlanggeht, hat er schon mal einen Kescher und eine große Wanne dabei, um einen todkranken Fisch für eine gründliche Untersuchung einzusammeln. Der wird dann möglichst noch lebend oder frisch verendet und auf Eis gelegt an die zuständige Fachberatung für Fischerei gebracht.

Da aber trotz jahrelanger Forschung noch immer nicht klar ist, woran die Fische erkranken und schließlich sterben, verfolgt der Fischereiverband nun einen weiteren Ansatz, um die Bachforellen vor dem Aussterben zu retten: Bei der Aufzucht untersuchen Wissenschaftler, ob es resistente Stämme unter den bedrohten Fischen gibt. Hanfland hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.