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Umbaupläne:Wie der Gasteig in Zukunft aussehen könnte

Freundlicher und attraktiver soll der Gasteig für die Münchner werden.

(Foto: Christian Krügel)
  • Am 5. April sollen die Räte in der Vollversammlung über den Umbau des Gasteigs entscheiden.
  • Das Gebäude soll offener werden, mehr Publikumsflächen bieten und womöglich ein Café auf dem Dach bekommen.
  • Geplant ist auch eine Verbesserung der Philharmonie, deren Akkustik schon lange bemängelt wird.

Für Brigitte von Welser dürfte es einer der zwiespältigsten Abende werden, den sie je im Gasteig erlebt hat. Für Mittwoch, 22. Februar, hat Bürgermeister Josef Schmid zur Verabschiedung der noch amtierenden Geschäftsführerin des Kulturzentrums in die Black Box eingeladen. 18 Jahre lang bestimmte Brigitte von Welser die Geschicke des Gasteigs und kämpfte für dessen Erhalt. Und stets schwang die Hoffnung bei ihr mit, dass sie bis zu ihrem Ruhestand zum 1. März Stadträte wie Kämmerei davon überzeugt haben könnte, wie dringend eine Generalsanierung des Gasteigs ist - trotz Kosten in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro, trotz klammer Kassen.

Oft wurden ihr Hoffnungen gemacht, noch öfter wurde sie vertröstet und manchmal auch einfach abgebürstet mit ihrem Anliegen. Doch nun, da ihr Abschied bevorsteht, scheint der Durchbruch nahe: In dieser Woche wurden den ersten Stadträten die Eckpunkte einer großen Gasteig-Sanierung vorgestellt, die weit mehr sein könnte als nur die Reparatur von ein paar undichten Stellen. Am 5. April sollen die Räte in der Vollversammlung über ein 25-Punkte-Programm entscheiden, das aus dem Klinkerbau ein Kulturzentrum ganz neuer Art machen würde: natürlich mit moderner Technik, aber auch offener, freundlicher und attraktiver, mit mehr Publikumsflächen, die gemeinsame Aktionen von Stadtbibliothek, Volks- und Musikhochschule möglich machen. Mit einer viel besser klingenden Philharmonie - und vielleicht sogar mit einem Café auf deren Dach, Blick auf Isar und Altstadt inklusive.

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Das ist nicht nur ein Wunschtraum des neuen Gasteig-Chefs Max Wagner, sondern auch ein Symbol für den Aufbruch, den Welsers Gasteig-Team den Stadträten vermitteln möchte: "München hat ein in Europa einzigartiges Kulturzentrum, das jährlich knapp zwei Millionen Besucher anzieht - macht mehr daraus!", lautet die Botschaft. Und die verfängt offenbar auch bei den Kommunalpolitikern: Dem Vernehmen nach kam die Präsentation, mit der Wagner und Co. derzeit durch die Fraktionen ziehen, gut an. Von der radikalsten Sanierungsmaßnahme, dem kompletten Abriss, rede auch schon niemand mehr.

Offen ist freilich, ob man Welsers und Wagners Wunsch ganz folgen wird. Denn die finanzielle Bandbreite reicht derzeit von rund 350 bis zu mehr als 700 Millionen Euro Sanierungs- und Umbaukosten. Wobei auch hier die Räte mittlerweile so weit zu sein scheinen, wie es sich Welser immer gewünscht hatte: Heizungsanlage, Klima-, Brandschutz- und Haustechnik sowie Dach müssten ohnehin aufwendig saniert werden - also könne man das auch gleich für einen Umbau nutzen, ist mittlerweile gängige Meinung.

Dieser Stimmungsumschwung trotz schwieriger Haushaltslage habe mit der extrem akkuraten Arbeit und den Motivationskünsten von Max Wagner zu tun, heißt es. Er habe noch nie eine derart gute Vorlage in einem Kulturbetrieb wie diese gesehen, hatte Bürgermeister Schmid schon im Dezember nach der Aufsichtsratssitzung gejubelt - die Meinung scheint sich nun durchzusetzen.

Akustik-Spezialist Yasuhisa Toyota prüfte die Philharmonie

Was Wagner für das gesamte Kulturzentrum ist, könnte Valery Gergiev für die Philharmonie sein. Der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker wollte sich von Anfang an nicht mit der jahrzehntelangen Kritik an der schwierigen Akustik des Saals zufrieden geben. Statt seinen Arbeitsplatz zu verfluchen, brachte der russische Maestro seinen Freund, den japanischen Akustik-Spezialisten Yasuhisa Toyota, nach München - ein unentgeltlicher Freundschaftsdienst sei das gewesen, heißt es. Zusammen hatten die beiden bereits 2006 mit dem Konzertsaal des St. Petersburger Mariinskij-Theaters ein Vorzeige-Klangkunstwerk geschaffen.

2015 kam der Akustik-Meister nach München, sah und hörte sich in der Philharmonie um und empfahl, erst einmal das zu verbessern, was da ist. So riet er dem Orchester, mit verschiedenen Aufstellungen zu experimentieren und sich weiter hinten zu platzieren. Im April 2016 maß er die Schall-Frequenzen in allen erdenklichen Stellen und errechnete ein akustisches Modell. Toyotas wichtigste Botschaft war: Alles in allem klinge die Philharmonie gar nicht so übel. Eine völlige Entkernung empfehle er deshalb nicht, die garantiere keine Verbesserung.

Sein Akustik-Modell habe aber schwarze Löcher gezeigt, Stellen, an denen der Klang versagt: Ein paar gibt es davon im Publikum, das mächtigste aber ausgerechnet beim Dirigentenpult, den umliegenden Musikerstühlen und den ersten Besucherreihen. Die Philharmoniker fühlten sich in ihrer größten Klage in all den Jahren bestätigt: Sie können sich untereinander schlecht hören. Mit fünf Maßnahmen würde es dem Patienten auf jeden Fall wesentlich besser gehen. Die wichtigste sei ein 40-Tonnen-schweres Betonsegel unter der Decke.

Gergiev und Toyota stellten den Stadträten die Diagnose bei einer Begehung im Herbst persönlich vor - was seine Wirkung offenbar nicht verfehlte. "Ich halte das für sehr überzeugend", sagt Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD), "wenn ein solcher Mann, das vorträgt, dann habe ich dem nichts entgegenzuhalten." Auch noch keine Kosten, denn die will der Kulturreferent erst in den kommenden Wochen taxieren lassen.

Ein Saal nach seinen Wünschen könnte Gergiev in München halten

Tatsächlich scheint man sich quer durch alle Fraktionen und Aufsichtsgremien schon vor der Stadtratssitzung am 5. April einig zu sein, Toyotas Klangkonzept umzusetzen - und damit auch den Gasteig-Gesamtumbau voranzutreiben. "Wir wollen das so", sagt zum Beispiel der Grünen-Fraktionsvorsitzende und Gasteig-Aufsichtsrat Florian Roth. Es sei aber wichtig, dass "nicht nur für die sogenannte Elite Geld ausgegeben wird", sondern auch für Volkshochschule und Stadtbibliothek über die technische Notwendigkeiten hinaus etwas getan wird.

Richard Quaas, CSU-Stadtrat und Mitglied des Philharmonischen Rates, geht von Kosten zwischen 350 bis 400 Millionen Euro für das gesamte Renovierungspaket aus, "auch bei einer grundlegenden Sanierung der Philharmonie. Das müsste aus meiner Sicht zu stemmen sein." Eine Top-Akustik sollten der Stadt die Mehrkosten auf jeden Fall wert sein, sagt FDP-Stadtrat Wolfgang Heubisch: "München hat den Anspruch, die Musikstadt neben Wien zu sein, da brauchen wir die besten Verhältnisse. Die Philharmoniker sollen ein genauso tolles Umfeld bekommen wie die BR-Symphoniker." Das ist wohl der Kern für die kollektive Begeisterung: Münchens Philharmonie soll nicht die zweite Geige spielen hinter dem neuen Konzertsaal des Freistaates im Werksviertel.

Und noch etwas dürfte eine wichtige Rolle spielen: Wenn Gergiev einen Saal nach seinen Wünschen erhält, wird er eher geneigt sein, seinen Vertrag in München zu verlängern. Der läuft 2020 aus, genau dann müsste wohl auch spätestens mit dem Umbau des Gasteigs und der Philharmonie begonnen werden. Kommende Woche wollen sich deshalb Gergiev und OB Dieter Reiter dem Vernehmen nach im Rathaus treffen. Die Vertragsverlängerung des Maestros könnte die Umsetzung der Träume von Brigitte von Welser beschleunigen - eine nette Volte zum Ende ihres Vertrages.

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