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U-Bahn-Sanierung am Ostbahnhof:"Dann müssen die Taxler da halt weg"

Eineinhalb Jahre soll die Sanierung rund um den Orleansplatz dauern.

(Foto: SZ Grafik)

Im Frühjahr soll es losgehen - und dann eineinhalb Jahre dauern: Die Sanierung des U-Bahnhofs Ostbahnhof bringt Wirte und Händler am Orleansplatz in Wallung.

Natürlich führt so ein Begriff zu Heiterkeit. Sanierung der "Schlitzwanddeckelfuge" haben die Planer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf die erste Seite ihrer Präsentation geschrieben. "So etwas kann nur Technikern einfallen", raunt ein Geschäftsmann seinem Sitznachbarn zu. Der wiederum lächelt gequält. Denn zum Lachen ist den Ladenbetreibern, Gastronomen und Grundstückseigentümern rund um den Orleansplatz gar nicht zumute. Sie befürchten eine Großbaustelle direkt vor ihrer Haustür.

In der Tat hat die MVG einiges vor: Weil über Jahre salzhaltiges Tauwasser vom Winterdienst in die Betonwände des U-Bahnhofs unter dem Orleansplatz eingedrungen ist, muss das Bauwerk dringend saniert werden. Das aggressive Salzwasser hat zum Teil bereits die Bewehrung in den Betonwänden angegriffen; angerostete oder gar komplett weggerostete Eisenstäbe haben die MVG-Ingenieure bei diversen Probebohrungen festgestellt.

"Wir haben akuten Handlungsbedarf", sagt MVG-Ingenieur Arne Petersen. Andernfalls könne die Station, die im Jahr 1988 eröffnet wurde, nicht mehr "stand- und verkehrssicher betrieben werden". Ähnliche Schäden sind auch an anderen Stationen aufgetaucht - zuletzt unter anderem am Hauptbahnhof, am Westfriedhof und am Sendlinger Tor.

Deshalb werden vom kommenden Frühjahr an die Bauarbeiter anrücken. Quer über den Orleansplatz werden sie an den beiden Längsseiten des U-Bahnhofs entlang zwei jeweils fast fünf Meter tiefe Gräben ausheben. So gelangen sie an die seitlichen Fugen heran, die saniert werden müssen.

Vom technischen Aufwand her ist das Ganze nicht gerade simpel, zudem darf der Autoverkehr auf der Orleansstraße nicht zu sehr beeinträchtigt werden. Petersen versichert, dass über die gesamte Bauzeit hinweg, also bis in den Herbst 2016 hinein, auf der Orleansstraße je zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung erhalten bleiben. Der Betrieb der Tram (Linie 19) werde nicht beeinträchtigt. Und: "Die Geschäfte und Gebäude werden die ganze Zeit über frei zugänglich sein", versichert Petersen.

Stadt sagt sämtliche Märkte und Veranstaltungen ab

Auf dem Orleansplatz selbst allerdings benötigen die Arbeiter viel Raum, um erstens dem Bauwerk zu Leibe rücken zu können, und um zweitens ihr Baumaterial und die Unterkünfte unterzubringen. Sämtliche Märkte und Veranstaltungen auf dem Orleansplatz, die in den nächsten eineinhalb Jahren geplant waren, hat die Stadt bereits abgesagt. Da sich das U-Bahn-Bauwerk bis unter den Busbahnhof vor dem Ostbahnhof zieht, müssen auch Ersatzhaltestellen für die Busse eingerichtet werden.

Diese sollen nach den ersten Plänen der MVG zum einen an der Wörthstraße entstehen - dort sollen die Linien 62 und 9410 ihre Fahrgäste aus- und einsteigen lassen und eine Wendeschleife über den Bordeauxplatz drehen. Eine weitere Bus-Ersatzhaltestelle ist an der Orleansstraße vorgesehen. Da dort normalerweise Taxis stehen, müssen diese ebenfalls eine Ausweichmöglichkeit bekommen - der Ausweich-Standplatz für die Taxis soll am Südrand des Orleansplatzes untergebracht werden. Dafür sollen dort dann vorübergehend einige der regulären Parkplätze wegfallen.

Noch ist es ruhig am Orleansplatz. Das wird sich ändern, wenn im kommenden Frühjahr die Bauarbeiter anrücken.

(Foto: Catherina Hess)

"Das geht gar nicht", heißt es bei den Gewerbetreibenden. Denn genau dort gebe es mit der Aldi-Filiale ein Geschäft, das seinen Kunden zumindest einige wenige Parkplätze vor der Haustüre bieten müsse. "Dann müssen die Taxler da halt weg", finden die Geschäftsleute, die vor kurzem von Petersen und seinen Kollegen bei einer Veranstaltung in Haidhausen informiert wurden. "Wir nehmen das mit", versicherte der Planer. Nun will er die Sache mit Vertretern des Kreisverwaltungsreferats klären.

Im Herbst 2016 soll die Baustelle beendet sein

Auch die geplanten Ersatz-Bushaltestellen entlang der Wörthstraße treffen nicht überall auf Gegenliebe. Mancher Wirt fürchtet, die Busse, die am Bordeauxplatz wenden sollen, könnten die Gäste verschrecken - insbesondere die, die an warmen Tagen draußen sitzen wollen. Auch die SPD im Bezirksausschuss forderte zuletzt, Ersatzhaltestellen direkt im Orleansplatz-Rondell einzurichten, um so die Wendeschleife über den Bordeauxplatz zu verhindern. Zudem ist noch nicht ganz klar, wie die Lastwagen zur Baustelle hin- und von ihr wieder weggeführt werden. Petersen sicherte aber zu, die An- und Abfahrt direkt über die Orleansstraße zu prüfen.

Ohnehin, das betonen die MVG-Planer, sind die vorrübergehenden Ersatz-Haltestellen und der Ausweich-Taxistand nur für bestimmte Phasen der insgesamt eineinhalb Jahre dauernden Bauzeit vorgesehen - nämlich nur für sechs bis acht Wochen im Jahr 2015 sowie für sechs Wochen im Jahr 2016. Im Herbst 2016, versichern die Ingenieure, werde die Baustelle beendet sein. Bis dahin werde man auch den Brunnen, der während der Bauarbeiten abgebrochen wird, wieder hergestellt haben.

Viele Anwohner und Geschäftsleute fürchten indes, dass es danach erst richtig losgehen könnte: Sollte nämlich tatsächlich irgendwann mal der zweite S-Bahn-Tunnel gebohrt werden, will die Deutsche Bahn am Orleansplatz eine riesige Baugrube ausheben, um dort in etwa 40 Metern Tiefe eine neue S-Bahn-Station zu errichten. Und diese Baustelle dürfte dann deutlich länger als eineinhalb Jahre dauern.

© SZ vom 24.11.2014/kbl

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