Thomas-Wimmer-Ring Der Grundstein für das derzeit größte Bauprojekt in der Innenstadt ist gelegt

Die Erde ist aus der Baugrube geschafft, nun beginnen die Rohbauarbeiten mit der Verlegung der Bodenplatte.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Am Thomas-Wimmer-Ring entsteht eine Tiefgarage mit 520 Stellplätzen.
  • 40 000 Kubikmeter Erde sind dafür aus der großen Grube am Altstadtring ausgehoben worden.
  • Nun wurde der Grundstein für das Großprojekt, das 2020 fertig sein soll, gelegt.
Von Alfred Dürr

Bisher wurde hauptsächlich jede Menge Erdreich aus der riesigen Grube am Altstadtring gebuddelt - 40 000 Kubikmeter sind es bereits. Nun beginnen am Thomas-Wimmer-Ring, zwischen Maximilianstraße und Isartorplatz, die eigentlichen Rohbauarbeiten für die künftige Tiefgarage mit 520 Stellplätzen. Zunächst fließen 10 000 Kubikmeter Beton für die etwa 1,6 Meter dicke Bodenplatte in zwölf Metern Tiefe, dann folgen in verschiedenen Abschnitten die drei Tiefgaragen-Geschosse. Zum Start dieser Phase wurde am Freitag der Grundstein für das derzeit größte Bauprojekt in der Innenstadt gelegt.

Weil während der Arbeiten für den 140 Meter langen unterirdischen Komplex an der Oberfläche jeweils zwei Fahrbahnen in jede Richtung zur Verfügung stehen müssen, wird die Tiefgarage in zwei Abschnitten gebaut. Der provisorische Straßenverlauf bleibt so wie in den vergangenen Monaten erhalten. Wenn die Roharbeiten in der Baugrube Ost Ende 2018 fertig sind, kommt die Westseite an die Reihe; die Spuren werden dann entsprechend verlegt. Die Redner bei der Grundsteinlegung zeigten sich zuversichtlich, dass die Garage Ende 2020 fertig ist.

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Die Planungen für das Großprojekt laufen schon seit mehr als zehn Jahren. Im Frühjahr 2017 waren die Baumaschinen aufgefahren, die provisorische Verkehrsführung erfolgte, zahlreiche Bohrpfähle zur Abstützung der Grube wurden gesetzt. Bei den Bewohnern in der Nachbarschaft kam das Projekt zunächst nicht gut an. Die Sinnhaftigkeit wurde grundsätzlich in Frage gestellt, die Teilnehmer der Altstadt-Bürgerversammlung lehnten es rundweg ab. Inzwischen sind die Proteste verstummt. "Wir haben keine Beschwerden über die Baustelle", berichtet Wolfgang Püschel (SPD) vom Bezirksausschuss.

"Ich freue mich über den Baufortschritt und darüber, dass es die Tiefgarage überhaupt gibt", sagte Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Freitag. Er bezog sich auf Verkehrszählungen, die ergeben hätten, dass der Altstadtring im Osten "nicht ausreichend mit Tiefgaragen bestückt ist". Auch in Zukunft muss nach Schmids Ansicht von einer "hohen Automobilität" in den Ballungszentren ausgegangen werden - allerdings spielten dann umweltfreundliche Elektrofahrzeuge die Hauptrolle. Autos verschwänden nicht einfach aus der Innenstadt, sagte Schmid, man müsse nur einmal den "neuen Lieferverkehr durch den Online-Handel" betrachten. Der Bedarf für Parkflächen sei vorhanden: "Die Tiefgarage ergibt Sinn."

Wolfgang Roeck, der für den Investor Wöhr und Bauer das Projekt verantwortet, verwies auf das Bevölkerungswachstum in der Stadt und im Umland: "Die Mobilität muss sichergestellt werden." In dem künftige Komplex ist ein eigener "Mobilitäts-Hotspot" vorgesehen. Es geht also nicht nur um komfortable und weitgehend stützenfreie Stellplätze für Autos auf den drei Etagen. Die Garage wird so ausgestattet, dass man die verschiedenen Formen der Fortbewegung kombinieren kann: Car-Sharing, Verleih von E-Bikes, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und E-Ladestationen. Auch der Bürgermeister findet das Angebot gut: "Das ist die Zukunft in München, wir denken vernetzt."

Nicht zuletzt ergibt sich durch die neue Tiefgarage namens "Tom" (das steht für Thomas-Wimmer-Ring) die Chance zu einer besseren Gestaltung der Oberfläche. Die Ränder des Altstadtrings werden grüner, die Gesamtbreite des Altstadtrings verringert sich in diesem Abschnitt um eine Fahrspur. Möglich wird sogar eine "Stadtreparatur im Doppelpack", wie Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) ausführte. Denn "Tom" wurde nur im Zusammenhang mit "Hilde" möglich. Der Frauenname bezieht sich auf das Gebiet um die Hildegardstraße. Dort steht im Herzen der Altstadt das marode sogenannte Fina-Parkhaus, das durch den Neubau der nahegelegenen Tiefgarage überflüssig ist und abgerissen werden kann.

Wöhr und Bauer ist ebenfalls Investor für den Neubau-Komplex mit einer Erweiterung des Hotels Mandarin Oriental, mit Wohnungen, Läden und Gastronomie an der Hildegardstraße. "Das bedeutet eine deutliche Aufwertung an dieser Stelle", sagte Markwardt. Bevor jedoch das Fina-Parkhaus abgerissen werden kann, muss "Tom" betriebsbereit sein. Drei Jahre dauern dann voraussichtlich die Bauarbeiten für "Hilde". 2023 soll dieser Komplex fertig sein.

Doch zunächst geht es um die Rohbauarbeiten am Thomas-Wimmer-Ring. Wöhr und Bauer weist schon jetzt darauf hin, dass ein ständiger Nachschub von Beton und Stahl erforderlich wird - mit einer entsprechend hohen Frequenz von Lastwagen. Außerdem müssen pro Tag 25 000 Autos möglichst staufrei an der Baustelle vorbeigeführt werden. Dass da alles reibungslos abläuft, ist eine der größten Herausforderungen für die "Tom"-Planer.

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