Thomas Müllers Ehefrau Lisa Pferde statt Prada

Vom typischen Leben einer Spielerfrau hält Lisa Müller wenig: Die Ehefrau des auf die Bank verbannten Nationalspielers Thomas Müller besitzt sieben Pferde und fährt gerne Brummi. Mit der hierzulande üblichen Heldenverehrung der Balltreter hat sie ihre Probleme - nicht nur wegen allzu aufdringlicher Fans.

Von Stefan Galler

Sogar ein Namensschild hat sie vorne an der Windschutzscheibe, ganz genau so wie andere Brummifahrer. Links und rechts vom Schriftzug "Lisa" sind kleine Hufeisen abgebildet. Schon kurios, dass diese Frau einen 15 Tonnen schweren Pferde-Transporter bewegt. Und dass es sich bei dieser Lastwagen-Lenkerin auch noch um die Partnerin eines Fußball-Nationalspielers handelt: Lisa Müller.

"Wir sind alle ganz normale Menschen mit normalen Themen." Lisa Müller ist gerne mit ihren Pferden im 15-Tonner unterwegs.

(Foto: Claus Schunk)

Sie ist verheiratet mit Bayernprofi Thomas Müller, ins klassische Raster der Spielerfrau, wie man es aus der Boulevardpresse kennt, passt sie nicht: Sie ist keine Martina Effenberg, keine Frau Matthäus Nummer zwei, drei oder vier. Sie ist die Frau Müller, so bodenständig wie ihr Mann, der einst beim TSV Pähl unweit des Ammersees mit dem Fußballspielen begann - und deshalb bekommt der Leser der Klatschpresse sie auch nur höchst selten zu Gesicht. Selbst jetzt, während der Fußball-Europameisterschaft, sieht man sie meist nicht auf der Tribüne, neben den anderen Spielerfrauen und Spielerfreundinnen. Warum? Das erzählt sie beim Gespräch auf einem Reiterhof im bayerischen Oberland.

Hier, zwischen all den Boxen mit edlen Pferden, ist ihr zweites Zuhause. Lisa Müller kommt täglich hier her, von 6.30 Uhr morgens an bis zum Einbruch der Dämmerung. Die Müllers haben Stallungen gemietet, insgesamt sieben Pferde haben sie hier stehen: vier Turnier-Pferde, drei für die Zucht.

Lisa Müller und drei Pfleger kümmern sich den ganzen Tag um sie. Die Spielerfrau reitet die Tiere aus, trainiert sie und hält sie bei Laune. Sie hilft beim Füttern und kratzt die Hufe aus, sie redet mit anderen Einstellern auf dem Gut und kümmert sich um alle organisatorischen Dinge. Nur das Ausmisten überlässt sie den Angestellten. "Das habe ich als Teenager am Ponyhof lang genug selbst gemacht", sagt die 22-Jährige. Denn ihre Jugend hat Lisa Müller vorwiegend mit den Tieren verbracht, in Diskotheken war sie so gut wie nie. "Zu laut, schlechte Cocktails und stickige Luft - das hat mich nie gereizt."

Lisa Müller reist mit ihren Pferden regelmäßig auf Turniere, in einem voll ausgestatteten Transporter mit Schlafplatz, Küche und Fernseher. Ihr Mann Thomas, sagt sie, sehe sich später dagegen als Züchter: "Da hat er sich richtig reingearbeitet." Selber reiten mag der Offensivspieler des FC Bayern nicht: Er habe sich schon mal draufgesetzt, erzählt seine Ehefrau, und sei im Schritt geritten; das Risiko sei ihm jedoch zu hoch. "Es ist ihm zwar vertraglich nicht verboten", sagt Lisa Müller, "aber wenn er herunterfliegt und sich verletzt, wäre das natürlich problematisch."

Beim Finale fehlt sie

Dass Thomas Müller das Interesse seiner Ehefrau teilt, ist in vielerlei Hinsicht wichtig - etwa bei der Urlaubsplanung. Denn trotz einer anstrengenden Saison mit rund 60 Pflichtspielen und nun noch der Europameisterschaft ist ein mehrwöchiger Urlaub nicht drin. Dem stehen die Verpflichtungen am Reiterhof entgegen: "Wir fahren vielleicht vor dem Trainingsauftakt zum Ausspannen noch ein paar Tage an einen See und aufs CHIO nach Aachen, um dort zu beobachten, was die Profis machen", sagt Lisa Müller.

Der Pferde wegen ist sie auch nicht zu den drei EM-Vorrundenspielen der deutschen Mannschaft gereist. Immerhin: Das Viertelfinalspiel an diesem Freitag in Danzig gegen Griechenland wird sich Lisa Müller vor Ort ansehen. Beim Finale am 1. Juli wird sie aber in jedem Fall wieder fehlen - und zwar selbst dann, wenn Thomas Müller und die DFB-Elf mit dabei wären. "Ich habe eine Einladung zu einem sehr wichtigen Turnier bekommen, da muss ich einfach hin", sagt sie.

Schließlich hat sie zuletzt vor allem in der Dressur einen großen Leistungssprung gemacht und ist mittlerweile in der anspruchsvollsten Klasse angekommen, der S-Klasse. Die Vielseitigkeitsreiterei lässt sie dagegen sein: "Thomas hat mich gebeten, nicht ins Gelände zu gehen, das ist ihm zu gefährlich". Preisgelder spendet sie, entweder für notleidende Tiere oder für die Stiftung "Young Wings" zugunsten von Kindern, die den Verlust eines Elternteils zu verkraften haben.

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