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Theresienwiese:Vier Monate Umwege - für zwei Wochen Oktoberfest

  • An diesem Montag beginnt der Aufbau der 16 Festhallen für das Oktoberfest.
  • Fußgänger und Radfahrer dürfen die Theresienwiese dann nur noch sehr eingeschränkt betreten - bis im November alles abgebaut ist.
  • Anwohner und Lokalpolitiker fordern, die Phasen zu verkürzen.

Für die Dauer von fast vier Monaten hat die Stadt München wieder Einschränkungen auf der Theresienwiese für Spaziergänger und Fahrradfahrer angekündigt: An diesem Montag, 16. Juli, beginnt der Aufbau der 16 Festhallen für das Oktoberfest. Aus Sicherheitsgründen wird dann eine Großbaustelle eingerichtet, die nicht betreten werden darf.

Auch der Abbau des zweiwöchigen Spektakels zieht sich: Die letzten Bierzelte müssen zum 9. November das Gelände verlassen haben. Die Anwohner laufen seit Jahren Sturm dagegen, dass das Oktoberfest so lange den Weg über die Theresienwiese blockiert. Neue Überlegungen im Stadtrat, die Auf- und Abbauzeiten sogar noch zu verlängern, stoßen dort deshalb auf Kritik und Ablehnung.

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Ein privater Sanitätsdienst legte bei der Ausschreibung ein deutlich günstigeres Angebot vor - obwohl das BRK hauptsächlich mit Ehrenamtlichen arbeitet.

Kurz vor dem Start der Bauarbeiten haben SPD und CSU bei der Verwaltung nachgefragt, ob zehn Wochen Aufbau und sechs Wochen Abbau überhaupt reichen. Die Anforderungen an den Zeltbau und die Baustelleneinrichtung setzten die Aufbaufirmen unter enormen Zeitdruck, meinen Manuel Pretzl (CSU) und Helmut Schmid (SPD). Das berge zunehmende Sicherheitsrisiken für die Beschäftigten. Die Anlieger fordern dagegen, die Zeiten stark zu verkürzen. "Dass öffentliche Flächen so lange belegt werden, können wir nicht akzeptieren", sagt Alexander Miklosy (Rosa Liste), Bezirksausschussvorsitzender in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Die Anlieger würden zunehmend in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, ausgegrenzt und behindert. Fortgeschrittene technische Möglichkeiten böten ja auch Vorteile - auch was Sicherheitskonzepte und Logistik angeht, sagt Miklosy. Schließlich müssten die schweren Teile ja nicht mehr mit Pferdefuhrwerken manövriert werden. Eventuell müsse man für die Arbeiten mehr Geld in die Hand nehmen, die Abläufe überprüfen und eventuell an moderne Gegebenheiten anpassen. Es sei erstaunlich, in welch kurzer Zeit die Infrastruktur für andere Großveranstaltungen aufgebaut werde, oft in Stunden. "Für mich als Laie erschließt sich nicht, dass es da nicht Möglichkeiten geben soll."

Miklosy erinnert daran, dass laut Schenkungsurkunde die Theresienwiese nicht nur dem Oktoberfest, sondern auch dem Wohle der Anwohner dienen soll. Nicht nur die würden eingeschränkt: Auch für viele Arbeitnehmer verlängere sich der einfache Weg um zehn bis 15 Minuten, müssen sie die Theresienwiese umrunden. Schulkinder müssten früher aufstehen. Auch diejenigen, die die Erholungsfläche sonst in ihrer Freizeit zum Surfen, Bolzen oder Drachensteigen nutzten, seien ausgesperrt.

Zeitfenster für Fußgänger und Radfahrer

Zum zehnwöchigen Aufbau: Es gibt drei Wege auf der Theresienwiese, die von Montag an zu unterschiedlichen Zeitfenstern für Fußgänger und Radfahrer geöffnet werden. Die Ost-West-Querung von der Bavaria bis zum Esperantoplatz in der Ludwigsvorstadt, die Matthias-Pschorr-Straße, ist dann bis Donnerstag, 6. September, nur am Wochenende durchgehend offen - und unter der Woche von 20 bis 6 Uhr.

Während das 150-köpfige Arbeitsteam auf der Großbaustelle zugange ist, ist die Matthias-Pschorr-Straße wochentags von 9 bis 16 Uhr gesperrt. Davor (von 6 bis 9 Uhr) und danach (von 16 bis 20 Uhr) wird sie zu jeder vollen Stunde für zehn Minuten für den Baustellenverkehr gesperrt. Von Freitag, 7. September, an ist die Ost-West-Querung von der Theresienwiese aus dann komplett dicht, nur am Südrand der Theresienwiese entlang der Fischerstraße ist noch ein Durchkommen von der Schwanthalerhöhe zur Ludwigsvorstadt möglich. Diese wird am Freitag, 21. September, zum Wiesn-Start allerdings auch geschlossen.

Bis zu 2000 Arbeiter sind auf der Baustelle

Die Nord-Süd-Querung über die sogenannte Schaustellerstraße ist noch bis Donnerstag, 23. August, möglich. Von 27. August an werden dann die Hühnerbratereien, Wurst- und Imbisshallen und die städtischen Buden aufgestellt, am 3. September starten die Hochfahrgeschäfte ihren Aufbau, die Woche darauf die übrigen Schausteller. Von Mitte September an ziehen Souvenirverkäufer und Mandelröster ein. Die letzten Buden, die bezogen werden, sind drei Tage vor Wiesn-Beginn die Brotstände. Gegen Ende des Aufbaus, wenn die Schausteller, Marktkaufleute und technisches Personal kämen, arbeiteten auf der Großbaustelle bis zu 2000 Menschen, hieß es seitens der Oktoberfest-Pressestelle. Beim Abbau sinke die Zahl der Beschäftigten entsprechend wieder.

Autofahrer sind derzeit noch nicht betroffen. Die Verkehrsbeschränkungen rund um die Theresienwiese werden im September eingerichtet.

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